Simona Aeberhard muss sich weit zurückerinnern. «Doch», sagt sie schliesslich, «bei einer Schweizer Meisterschaft standen meine Schwester Carla und ich einmal gemeinsam auf dem Podium. Das liegt nun aber einige Jahre zurück.» Damals konnten sich die Aeberhard-Schwestern die Gold- und Bronzemedaille umhängen lassen.

Am vergangenen Wochenende haben sie diesen Schwestern-Coup nun übertrumpfen können: Am nationalen Dressur-Sichtungsturnier im solothurnischen Bättwil liessen Simona (23) und Carla Aeberhard (25) in der Kategorie U25+ die gesamte Konkurrenz hinter sich und überzeugten das internationale Richterkomitee am meisten. Ob bei den mitgereisten Eltern der grosse Jubel ausgebrochen ist? «Sie haben sich wirklich sehr gefreut», so Simona Aeberhard.

Unterschiedliche Voraussetzungen

Die jüngere der Oltner Schwestern schnitt dabei noch ein bisschen besser ab. Mit dem 17-jährigen Wallach «Active Private Dancer» stellt Simona Aeberhard mittlerweile ein eingespieltes Team dar und sicherte sich mit einem harmonischen Programm auf souveräne Art den Sieg. «Wir kennen uns nun schon ein Weilchen. Das wirkt sich positiv aus», so Simona Aeberhard.

Noch nicht ganz so lange arbeitet Carla Aeberhard mit «Donna Diandra» zusammen. Umso überraschender kam der Sprung auf die zweit oberste Treppchenstufe. Die Stute «Donna Diandra» verfügt über ein sehr dünnes Nervenkostüm und zeigte in der Folge in einzelnen Lektionen Konzentrationsschwierigkeiten. Diese Patzer konnte sie jedoch mit ausdrucksstarken Passagen und Piaffen teils wieder wettmachen. Der zweite Rang von Carla Aeberhard macht deutlich, dass sie und ihr Pferd nach einer eher schwierigeren Phase nun Fahrt aufnehmen und sich immer besser finden.

Im Training mit der Olympiazweiten

Mit dem Doppelerfolg in Bättwil haben die Aeberhard-Schwestern die Zugehörigkeit zum nationalen Kader der U25+-Dressurreiter bestätigt. Ein wichtiger Baustein in der noch jungen Saison, denn die Kaderzugehörigkeit berechtigt zur Teilnahme an internationalen Turnieren sowie an speziellen Förderlehrgängen. «Wir konnten in diesem Frühling eine Trainingseinheit mit dem deutschen Bundestrainer sowie mit der Olympia-Silbermedaillengewinnerin von London 2012 absolvieren», schwärmt Simona Aeberhard. Fast an jedem Wochenende in diesem Jahr standen spezielle Trainings auf dem Programm der Schwestern.

Mit ihrem erfolgreichen Auftritt im Heimkanton demonstrierten sie, dass sie einerseits von diesem Austausch mit den Spitzenleuten im Dressursport profitieren konnten, aber andererseits auch, dass sie im Winter gut trainiert haben. Die Schwestern sind pünktlich zum Saisonbeginn in Form. «Ja, es läuft immer besser», bestätigt Simona Aeberhard. Täglich verbringen sie Zeit mit ihren Pferden. «Wir arbeiten aber nicht nur mit ihnen», sagt Simona Aeberhard. «Vereinzelt reiten wir auch einfach mit unseren Pferden aus. So können wir uns gegenseitig noch besser kennenlernen.»

Im Mai gehts ins Ausland

Dem Trainingsumfang entsprechend sind auch die Ambitionen der Aeberhard-Schwestern gross. «Wir wollen an den internationalen Turnieren versuchen, vorne mitzureiten», sagt Simona Aeberhard. Im Mai bietet sich die erste Möglichkeit. Das erste Turnier im Ausland steht an. Wo genau es dabei den Aeberhard-Tross hinziehen wird, ist noch nicht klar.

Ein Turnier im österreichischen Villach kommt infrage oder aber eines in München. Egal, wo die Aeberhard-Schwester im Einsatz stehen, sie werden das Beste aus sich und ihren Pferden herausholen wollen. Der Doppelsieg in Bättwil dürfte für einen Extraschub an Motivation gesorgt haben.