Alles hat zwei Seiten. Das Tennisspiel: Punkte und Fehler, auf und ab. Die Form: Fitness und Müdigkeit. Das Matchergebnis: Sieg und Niederlage. Auch das Wetter: Hochsommer bei 30 Grad und gewittriger Wolkenbruch. Der sandige Tenniscourt: Staubtrocken und triefend nass.

Der erste Matchtag der Nationalliga A des TC Froburg Trimbach beim noblen Grashopper Club Zürich bot in jeder dieser Disziplinen stets beide Seiten. Etwas Licht, aber auch viel Schatten. Vielleicht gibt es einen einzigen, der nur eine Seite hat, und zwar die gute: Roger Federer. Wenn er sich blicken lässt, dann erstrahlen ringsherum die Gesichter, als sollte der glühendheissen Mittagssonne ernsthaft Konkurrenz gemacht werden. Es war wohl das beste Ergebnis des Tages, auch für die angereisten Trimbacher: Rogers Trainingsroutine parallel zur Nationalliga A zu beobachten.

Viele Zuschauer kamen nur wegen ihm. Roger Federer während seines Trainings.

Viele Zuschauer kamen nur wegen ihm. Roger Federer während seines Trainings.

Alles hat zwei Seiten. Sandro Ehrat bewies das mustergültig. Sein erster Satz gegen Raphael Lustenberger war makellos und formvollendet. Der beste Satz eines Froburgers an diesem Spieltag. Konsequent und aggressiv verteilte Bälle liessen dem Gegner keine Chance. Das 6:1 stimmte optimistisch. Warum er dann den Faden verlor, bleibt sein Geheimnis. 3:6 ging der zweite Satz dahin. Das war die überraschende Seite seines Spiels. Team Trimbach hätte gerne darauf verzichtet.

Für die Entscheidung griff ein neuer Modus: Statt den dritten Satz auszuspielen, wird jetzt direkt in den Match-Tie-Break übergegangen. Nun wird in der zufallsanfälligen Kurzform der Sieger gekürt, statt das Durchhaltevermögen der Kontrahenen zu testen. Möglicherweise will man schneller in den Feierabend. Schliesslich dauerte manches Marathonmatch in den vergangenen Jahren bis in die Abendstunden. Pech nur, dass auch das Wetter an diesem Tag seine zwei Seiten zeigte. Gewitter machte dem Kurzdauer-Plan des Schweizer Tennisverbandes gleich einen Strich durch die Rechnung.

Die Ausländer erfüllen ihre Aufgabe

Zunächst aber hatte Ehrat mit Matchbällen noch einmal seine Momente. Doch das offensive Spiel aus dem ersten Satz bekam er nicht mehr auf den Platz. Den Sack machte Lustenberger zu: 16:14 für den Zürcher. Es war vielleicht das eigentliche Schlüsselmatch des Tages. Denn die beiden ausländischen Spieler von Froburg, Uladimir Ignatik (Weissrussland, 4:6, 6:2, 10:6 gegen Adrien Bossel) und Inigo Cervantes (Spanien, 7:6, 5:7, 10:4 gegen Adrien Bodmer) erfüllten ihre Aufgaben. Allerdings ebenfalls mit Höhen und Tiefen. Beide mussten in den Match-Tie-Break. Dort bewiesen sie dann ihre Klasse im richtigen Moment.

Das mussten sie auch, denn immerhin war die Zürcher Nummer eins überraschend ausgefallen: Marton Fucsovics aus Ungarn erschien an diesem Tag nicht als NLA-Spieler, sondern als Sparringspartner von Roger Federer. Angeblich wegen einer Turniereinschreibung, die seine Spielberechtigung für die NLA in Frage gestellt hatte. Ein Handicap für die Grashoppers, eine positive Perspektive für Trimbach gleich vom Start weg. Was daraus wurde, war die andere Seite.

Federer lockt Zuschauer an

Dass übrigens Severin Luethi nicht an Federers Trainingseinheit teilnahm, hatte seine Auswirkungen: Der langjährige Intimus des Schweizer Aushängeschildes hatte Zuschauer am Wiesenhang jenseits des Tenniscourts nicht geduldet. Ohne dessen strengen Blick tummelten sich einige Schaulustige im tiefen Gras auf der Naturloge.

Yann Marti wurde es zum Verhängnis, dass er nach fünfmonatiger Verletzungspause prompt das Preisgeldturnier von Wollerau gewinnen konnte: Der Schweizer Topspieler des TC Froburg wirkte müde von den Anstrengungen der letzten Woche. Die Niederlage gegen N2 Martin Fischer konnte er nicht verhindern (4:6, 5:7). Der Schweizer Adam Moundir, als College-Spieler ausgezeichnet in den USA, verlor gegen Jens Hauser mit 6:7, 3:6. Auf der anderen Seite zeigte Tashi Vullnet eine Willensleistung. Seine beiden knappen Sätze gegen Remy Bertola entschied er jeweils für sich mit 7:6 und 7:5.

3:3 nach den Einzelpartien hiess: Die Doppel geben den Ausschlag. Doch alles hat zwei Seiten. Auf heisse 30 Grad und Sommersonne folgten Gewitter und Platzregen. Echter Platzregen. Denn innerhalb von Minuten waren die Spielorte so stark von triefender Nässe durchzogen, dass nur an eine Weiterführung der Matches in der Halle zu denken war.

So der Trimbacher. Eine ziemlich auswärtige Sicht. Was folgte, war unglaublich: Innerhalb von Minuten verschwand die Seenplatte auf den Sandplätzen so schnell im Erdreich wie das Wasser gekommen war. Ein Insider gab zu verstehen: „Das liegt an der Präparierung des Untergrunds.“ In dieser Disziplin durften sich die Zürcher schon jetzt zum Meister küren.

Aber alles hat zwei Seiten. Ignatik/ Vullnet hatten gegen Bossel/ Bertola im ersten Satz nichts zu melden (2:6), aber rissen das Ruder rum, um doch noch 6:4 und 11:9 zu siegen. Bei Cervantes/ Marti war es andersherum: Der 7:5-Vorsprung vom ersten Satz half nicht. Das Duo liess mit jeder Minute nach.

Auf das 3:6 im zweiten Durchgang folgte ein zwischenzeitliches 0:8 im Match-Tie-Break, der mit 2:10 unrühmlich zu Ende gebrachte wurde. Ehrat/ Moundir verloren gemeinsam auch ihr zweites Match des Tages gegen Lustenberger/ Hauser und vollendeten eine unnötige Niederlage am ersten Spieltag der NLA. Aber alles hat zwei Seiten. Auf die Niederlage gegen Zürich folgt die nächste Chance gegen Neuchâtel.