FC Grenchen 15

Bilder von 10'000 Zuschauern im Stadion Brühl im Kopf

Seit Ende August 2019 ist Giovanni Eterno Präsident des FC Grenchen 15.

Seit Ende August 2019 ist Giovanni Eterno Präsident des FC Grenchen 15.

Giovanni Eterno fieberte in den Achtzigerjahren mit dem FC Grenchen in der Nationalliga A mit. Später lief er selbst im Stadion Brühl auf, seit gut sieben Monaten ist er der Präsident seines Herzensklubs.

Vier Spiele hätte Grenchen in der Rückrunde der 2. Liga inter bislang absolviert. Die Gegner: Zofingen (3. Platz), Schöftland (7.), Freienbach (6.) und Muri (1.) – ein happiges Programm. Trotzdem sagt der Präsident: «Ich hätte die Hälfte der möglichen Punkte erwartet.» Den Optimismus begründet Giovanni Eterno damit, dass «wir uns im Winter verstärkt und sehr gut vorbereitet haben. Im Vergleich zur Vorrunde wären wir stabiler und erfahrener gewesen».

Doch «wäre, wäre, Fahrradkette», wie Lothar Matthäus als Sky-Experte einmal sagte. Der Spielbetrieb ist seit bald einem Monat eingestellt. «Ich vermisse vor allem die Trainings, den regelmässigen Austausch mit den Trainern und dem Staff. Einfach den gesamten Spielbetrieb, nicht nur den der ersten Mannschaft», sagt Eterno. «Ich hätte mich auf eine spannende Rückrunde gefreut. Schade.»

Ende August übernahm er das Präsidentenamt. Sein Vorgänger Marcel Bolliger amtet weiterhin Leiter Betrieb und Marketing. Eterno sprach bei seinem Amtsantritt von einer Herzensangelegenheit. Er machte eine positive Energie im Verein aus und zeigte sich überzeugt, dass sich diese auch in positive Resultate niederschlagen werde.

Eterno ist in Grenchen geboren; lebte dort, bis er 27 war. Die Eltern und seine Schwester wohnen immer noch in Grenchen, er ist mittlerweile mit seiner Frau und den zwei Kindern in Solothurn zu Haus und arbeitet als selbstständiger Unternehmensberater im Personalmanagement. «Fussball war schon immer meine Leidenschaft», sagt der 46-Jährige, der vor 35 Jahren bei den Junioren des FC Fulgor Grenchen einstieg. «Ich wechselte später zum FC Grenchen, der damals das war, was heute der FC Solothurn ist.»

Mehr noch. Eterno erinnert sich gut an den letzten Aufstieg in die NLA Mitte der Achtziger und die letzten Jahre in der NLB bis 1995. «Grenchen war damals ein Topklub, eine richtige Talentschmiede», schwelgt Eterno in Gedanken. «Ich habe im Stadion vor 10000 Zuschauern YB und Xamax gesehen. Eine riesige Atmosphäre. Die Bilder davon habe manchmal im Kopf, wenn ich heute im Stadion sitze.» Sie sind auch ein Grund, weshalb er überhaupt Präsident des FC Grenchen 15 ist.

Der Juventus-Fan bezeichnet sich als Familienmensch, Unternehmer, Visionär und Stratege. Stillstand ist Rückschritt, eines seiner Credos. Nach der Lehre als Hochbauzeichner hat er sich in den letzten zwanzig Jahren stetig weitergebildet. «Abends und an Samstagen – man muss die Extra-Meile gehen», sagt Eterno. «Im Sport ist es dasselbe. Wer mehr trainiert, kommt in der Regel auch weiter.» Vor sechs Jahren gründete er seine eigene Firma, davor war er zehn Jahre lang Direktionsmitglied eines internationalen Personaldienstleisters.

«Dort sammelte ich wertvolle Erfahrungen in der Führung», sagt er. Führungsqualität zählt in seinen Augen nebst betriebswirtschaftlichem Denken und Visionen zu haben den Eigenschaften, die einen guten Präsidenten ausmachen. «Er sollte glaubwürdig den Weg vorgeben. Soft ist hart. Er muss die nötige Portion Empathie besitzen, um mit Menschen umzugehen, aber auch Entscheidungen treffen können, die nicht immer angenehm sind», fügt er hin. Langsamer sei dabei oft schneller, sagt Eterno weiter. «Das hat mit der Strategie und den Visionen zu tun. Blind dreinschiessen, ist nicht so meine Art.»

Giovanni Eternos Fazit nach gut siebenmonatiger Amtszeit: «Ich konnte die wahnsinnige Aufholjagd in der Rückrunde 2018/19 und den Aufstieg als Vizepräsident miterleben, und in der 2. Liga inter haben wir es in der Vorrunde geschafft, uns als Aufsteiger über dem Strich zu klassieren und uns zu verstärken, ohne dabei unser Budget zu strapazieren.»

Acht bis zehn Stunden Arbeit beschert ihm das Amt wöchentlich. Aktuell habe sich der Aufwand «dank» Corona etwa halbiert. «Im Vorstand habe ich sehr erfahrene Leute um mich herum, es funktioniert sehr gut. Aber es braucht Verstärkungen, schliesslich sind wir mit etwa 430 Mitgliedern ein KMU», sagt er. Vor allem in den Bereichen Marketing und Sponsoring will der FC Grenchen 15 zulegen, wenn es nach dem neuen Chef geht. «Wichtig ist auch, dass wir die Sponsoren, die wir haben, gut pflegen.»

Für Eterno gibt es zwei Szenarien, wie die Saison zu Ende gehen könnte. Entweder wird der momentane Stand gewertet – Grenchen belegt den zehnten Platz. «Dann gäbe es Auf- und Absteiger. Ich denke aber eher, dass so angefangen wird, wie die Saison 2018/19 aufgehört hat.» Egal, wie der Verband entscheidet, Grenchen wird in der nächsten Saison in der 2. Liga inter spielen. «Es kann passieren, was will, wir haben das Ziel, den Klassenerhalt, erreicht. Was ich aber sicher beantragen werde, ist ein Wechsel in die Berner Gruppe», sagt Eterno.

Ein mit 10000 Zuschauern gefülltes Brühl wird er nie mehr erleben. Der Präsident hofft, dass sich der FCG den glorreichen Zeiten zumindest wieder annähert. «In zehn Jahren wird Grenchen hoffentlich in der 1. Liga vorne mitspielen. Ob weiter oben möglich ist, lasse ich offen. Kommt auf die finanzielle Entwicklung, mögliche Sponsoren an.» Wird er dann noch Präsident sein? «Hängt vom Privaten und vom Geschäft ab», sagt er, «wenn es die familiäre und geschäftliche Situation zulässt, werde ich es sicher drei bis fünf Jahre machen, denn ich will eine Handschrift hinterlassen.»

Autor

Raphael Wermelinger

Raphael Wermelinger

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