Im Februar schrammte Simon Friedli bei den Olympischen Spielen in Südkorea mit dem Schweizer Viererbob haarscharf an der Bronzemedaille vorbei. «Klar ist es ein undankbarer Rang, aber man darf auch stolz sein auf die Leistung», sagte der 27-jährige Derendinger nach seinem Olympia-Debüt. Seit 2011 gehörte der gelernte Koch als Anschieber zum Bobteam des Aargauer Piloten Rico Peter.

Die Highlights in dieser Zeit: WM-Bronze und je ein Weltcupsieg mit dem kleinen und dem grossen Schlitten. Nach den Olympischen Spielen in Pyeongchang verkündete der 100-Kilo-Mann, dass er in der kommenden Saison im Europacup als Pilot an den Start gehen will: «Ich möchte die Steuerseile jetzt selbst in die Hand nehmen und als Pilot neue Erfahrungen sammeln.»

«2011 entdeckte ich den Bobsport. Oder besser gesagt, der Bobsport entdeckte mich.»

Simon Friedli:

«2011 entdeckte ich den Bobsport. Oder besser gesagt, der Bobsport entdeckte mich.»

Mittlerweile hat Friedli sein Langzeitprojekt mit dem Fernziel Olympische Spiele 2022 in China gestartet. «Als bester Anschieber der Schweiz sehe ich die Stärke meines Teams in der Athletik», sagt er. Dies ist essenziell, denn: «Eine schnelle Startzeit gehört zu den bedeutendsten Erfolgsfaktoren im modernen Bobsport.»

Als Zwischenziel auf dem Weg zu den nächsten Winterspielen in vier Jahren hat er sich die Weltmeisterschaft 2021 in Lake Placid gesetzt. Diese WM soll als Formtest für das ganz grosse Ziel dienen. «Mit einem guten Aufbau ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2022 ein sehr realistisches Ziel, das durch gute Vermarktung unterstützt werden kann», sagt Friedli.

Bob-Pilot Simon Friedli will hoch hinaus

Bob-Pilot Simon Friedli will hoch hinaus

Das Solothurner Bob-Team ist wegen zu hohen Kosten zurückgetreten. Friedli schreckt das jedoch nicht ab, denn er möchte ganz nach vorne.

Bis zu 300'000 Franken pro Jahr

Die Finanzierung ist denn auch seine grösste Sorge. Für die nächste Saison hat er 60'000 Franken budgetiert. Die Hälfte geht für den Unterhalt drauf; Hotelkosten, Reisegebühren, Trainingslager, Klub- und Verbandsbeiträge. Die Materialkosten belaufen sich in der ersten Saison auf knapp 20'000 Franken, die Personalkosten auf 10'000 Franken. Das Budget soll von Saison zu Saison kontinuierlich erhöht werden. Bis zu 200'000 Franken soll die übernächste Saison kosten und schliesslich 300'000 die Olympia-Saison 2021/22.

Unterstützung erhält Friedlis Bobteam aktuell von Swiss Sliding. Der Verband stellt im Europa- und im Weltcup die Rahmenbedingungen wie Hotel, Flüge oder auch Bahntrainer zur Verfügung. Die Sporthilfe und die Schweizer Armee sind ebenfalls wichtige Partner. «Ich habe das Privileg, als Spitzensportler in der Armee zu dienen, was bedeutet, dass ich meinen WK als Trainingslager nutzen kann», so Friedli.

Des Weiteren greift auch der Bobclub Zürichsee dem Team unter die Armee – im materiellen und finanziellen Bereich. Im Moment fehlen ihm noch die notwendigen Privatsponsoren. Diesen bietet er unterschiedliche Pakete an; zum Beispiel Werbeflächen auf Bob, Helm oder Anzug. «Privatsponsoren sind die wichtigsten Partner des Bobteams», so Friedli, «sie leisten finanzielle Unterstützung und sind daher massgebend am Erfolg des Teams beteiligt.»

Von der Bahn in den Kanal

Simon Friedlis Karriere begann als Leichtathlet bei Biberist aktiv!. Bereits früh spezialisierte er sich auf die Sprintdisziplinen 100 m und 110 m Hürden. Diese Grundlagen kamen ihm später zugute. «2011 entdeckte ich den Bobsport. Oder besser gesagt, der Bobsport entdeckte mich», blickt er auf seine Anfänge im Eiskanal zurück. Rico Peters Team suchte in Leichtathletik-Vereinen Nachwuchs.

Als Friedli dies erfuhr, war sein Interesse geweckt: «Noch im gleichen Sommer nahm ich am Leistungstest von Swiss Sliding teil.» Er konnte Rico Peter überzeugen und wurde ins Trainingslager nach Norwegen eingeladen. «Dort sammelte ich meine ersten Erfahrungen im Eiskanal. Ich war von der Geschwindigkeit, der Präzision des Steuerns, den Kräften in den Kurven und der Dynamik des Starts angetan.»

Für seine erste Saison als Pilot, die im November beginnt, hat sich der Derendinger folgende Ziele gesetzt: im Zweierbob weiter an Fahrpraxis gewinnen und Wettkämpfe auf der Stufe Europacup bestreiten – inklusive Podestplätzen. Zudem will er erste Versuche im Viererbob unternehmen. 2019/20 soll dann der Weltcup ins Visier genommen werden. Für 2020/21 sieht der Plan die «Etablierung an der Weltspitze mit dem Zweierbob» vor. Im Jahr vor Olympia will Friedli zu den besten zehn Bobteams der Welt zählen.

Nicht nur die Ziele und Ausgaben steigen von Jahr zu Jahr, sondern auch die Intensität des Trainings, gibt er Auskunft. Simon Friedli hat einen persönlichen Athletiktrainer, Hansruedi Meyer, an seiner Seite. Der Peak soll natürlich ebenfalls in der Olympia-Saison erreicht sein: «2021/22 wird das ganze Team profimässig trainieren.»