Eishockey

Angriffslustig, aber defensiv zerbrechlich: Der EHC Olten zeigt sich trotz 3:7-Niederlage gegen Ambri von einer guten Seite

Der EHC Olten verabschiedet sich nach der 3:7-Niederlage gegen Ambri

Der EHC Olten verabschiedet sich nach der 3:7-Niederlage gegen Ambri

Ein furchtloser EHC Olten gibt im ersten Testspiel bei der 3:7-Niederlage gegen NL-Vertreter Ambri-Piotta eine gute Visitenkarte ab. Die Oltner Torschützen: Diego Schwarzenbach, Dion Knelsen und Marco Truttmann.

«Die Spieler schlafen, während zwei schwedische Trainer fasziniert sind von dieser Aussicht», schreibt EHCO-Trainer Fredrik Söderström auf Instagram wenige Stunden vor dem ersten Testspiel der Saison und veröffentlicht dazu einige stimmungsvolle Bilder seiner allerersten Carfahrt ins Tessin.

Dort angekommen sind seine Spieler gegen das National-League-Team Ambri-Piotta zu Beginn hellwach. Sie sind sogar derart präsent, dass die Leventiner überrascht sind von den aufsässigen EHCO-Spielern, die es an der Bande zum Ärger der Tessiner auch mal kräftig krachen lassen.

Ambri brauchte beinahe ein ganzes Drittel, um sich darauf einzustellen. Als die Kräfte aber beim EHCO allmählich schwindeten und in der mit 1163 Zuschauer gut besuchten BiascArena der Nebel aufzog, kamen die Leventiner so richtig in Spiellaune. Insbesondere Ambris Powersturm mit Neuzugang Robert Sabolic aus der KHL, Müller und Zwerger, aber auch die beiden Ausländer D’Agostini und Gerlach, beschäftigten die Oltner Defensive im Minutentakt.

Sie zeigten dem EHC Olten auf, wo wohl auch in dieser Saison die Schwachstellen der Powermäuse auszumachen sein dürften: Im defensiven Spiel. Mal den bekannten Schritt zu spät beim Gegenspieler, mal nonchalant im Rückwärtsgang, mal inkonsequent im Zweikampf. Kurzum: Auf den EHCO wartet in der Defensive noch viel Aufbauarbeit.

Aber immerhin: Torhüter Simon Rytz knüpfte dort an, wo er im Frühling die vergangene Saison abgeschlossen hatte: Ein wertvoller Schlussmann. Auf ihn war trotz sieben Gegentoren Verlass. Gegen Spielmitte packte Rytz eine Fanghand-Parade der Extraklasse aus, worauf selbst die ganze Ambri-Spielerbank aufstand und applaudierte.

Eine Vorbereitung ganz im Zeichen von Fehlern

Und offensiv? Da hat der EHC Olten phasenweise sein Potenzial angekündigt. Angriffslustig und ohne Furcht stürmten die Oltner an. Sehenswert waren die Tore von Schwarzenbach und Knelsen, die sich offenbar bereits gefunden haben. Aber auch das EHCO-Sorgenkind Marco Truttmann, dessen Körpersprache nicht zu vergleichen war mit jener der vergangenen Saison, zeigte eine überragende Partie.

«Mir hat die Einstellung der Spieler Freude bereitet. Sie waren motiviert und haben alles gegeben», war EHCO-Trainer Fredrik Söderström trotz 3:7-Niederlage nicht ganz unglücklich. «Für mich persönlich steht die Vorbereitung ganz im Zeichen von Fehlern. Wir müssen Fehler begehen, um daraus zu lernen. Wir haben heute vor allem viele Fehler mit dem Puck am Stock gemacht, vermeidbare Scheibenverluste. Aber wenn man gegen ein solch gutes Team spielt wie Ambri, wird man bei diesem Tempo unweigerlich unter Druck gesetzt. Wir lernen daraus», ergänzte Söderström, der erst zwei Tage vor der Partie einige Anhaltspunkte hatte in Sachen Linienkonstellation.

Freude bereiten dürfte ihm und dem EHC Olten die jungen Neuzugänge. So setzten sich etwa die Stürmer Dominic Weder, Michael Rudolf und auch die Verteidiger Riccardo Sartori und Janis Elsener immer wieder positiv in Szene. Letzterer hatte phasenweise Marco Müller regelrecht unter Kontrolle und luchste dem Ex-EHCO-Junior (siehe Zusatz-Box unten) mehrmals die Scheibe ab.

Neuzugang Philipp Rytz zum Captain ernannt

Viel passiert ist beim EHC Olten aber auch nebst den ersten 60 Minuten. So muss man sich allen voran noch auf das Debüt von Garry Nunn gedulden. Der EHCO-Ausländer lernte das Spital schon in seinen ersten Tagen in der Schweiz kennen, indem er eine tiefe Schnittwunde am Fuss nähen lassen musste. Im Training durchtrennte bei einem Zweikampf eine scharfe Kufe sogar die Zunge seines eigenen Schlittschuhs. Erst soll Nunn den tiefen Schnitt gar nicht bemerkt haben, ehe das Adrenalin nachliess und die Schmerzen aufkamen. Der EHCO-Ausländer fällt mindestens eine Woche aus, womöglich sogar zwei.

Derweil wurden die Spieler vor dem ersten Testspiel über einen gewichtigen Trainerentscheid informiert. Das neue Trainergespann ernannte den erfahrenen Verteidiger Philipp Rytz, zum Captain. Er wird assistiert von Dion Knelsen und dem bisherigen Captain Lukas Haas.

Es sei für ihn eine grosse Ehre, dieses Amt ausüben zu dürfen, sagte Philipp Rytz. «Aber ich werde mich deswegen in der Garderobe nicht verändern. Ich nehme die Rolle sehr gerne an, aber wir haben so viele Leader im Team, es braucht jeden einzelnen. Wichtig ist, dass wir alle am gleichen Strick ziehen und in die richtige Richtung gehen.»

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