Schwingfest

Aller guten Dinge sind drei: Joel Strebel holt sich am Solothurner Kantonalen in Zuchwil den Siegermuni

Das Solothurner Kantonalschwingfest in der Zuchwiler Eishalle endete mit einem Sieg von Joel Strebel. Im Schlussgang besiegte der 22-jährige Aargauer den Eidgenossen Christoph Bieri nach fünfeinhalb Minuten mit Kurz. Mitfavorit Nick Alpiger musste sich mit Platz 2 genügen.

Nach dem fünften Gang musste man Angst haben, dass die lokale Feuerwehr zum Sportzentrum in Zuchwil ausrücken muss. Der Grund war nicht etwa ein schwelendes Feuer, sondern die qualmenden Köpfe der Einteilungsrichter am Solothurnischen Kantonalschwingfest. Das fünfköpfige Gremium musste entscheiden, welche beiden Schwinger sich im Schlussgang um Siegermuni Othmar duellieren werden.

Joel Strebels Teilnahme war unumstritten. Er führte das Klassement nach fünf Umgängen an. Doch auf Platz zwei standen mit Topfavorit Nick Alpiger und dem 97-fachen Kranzträger Christoph Bieri zwei Athleten mit derselben Punktzahl.

Würde also das Einteilungsgericht der sportlichen Logik gehorchen und die zwei aktuell wohl stärksten Schwinger der Nordwestschweiz und somit neben Strebel Nick Alpiger zum Titelkampf auflaufen lassen? Oder doch die auf dem Papier korrekte Lösung wahrnehmen mit Christoph Bieri als Schlussgangteilnehmer?

«Ich bin selber schuld»

Nachdem sich der Qualm verzogen hatte, stand fest, dass das Einteilungsgericht die korrekte Variante bevorzugte. Weil: Strebel und Alpiger waren bereits im vierten Gang aufeinandergetroffen. Also liess sich ein erneutes Duell nur schwer verkaufen.

In jenem Direktduell hatte sich Nick Alpiger letztlich seine Schlussgang-Qualifikation vergeigt. Nach einem attraktiven Kampf hatten sich die beiden Aargauer mit einem Gestellten getrennt.

Alpiger mochte nicht mit dem (Einteilungs-)Schicksal hadern: «Ich bin selber schuld. Wer sicher in den Schlussgang kommen will, muss einfach alle fünf Gänge vorher gewinnen. Dann gibt es keine Diskussion. So, wie es jetzt war, konnte ich mir nicht sicher sein.»

Offensive Kampfweise

Für Joel Strebel öffnete der Entscheid des Einteilungsgerichts letztlich die Türe zum ersten Kranzfestsieg seiner Karriere. Wäre er gegen Alpiger in der Aussenseiterrolle gewesen, war er gegen Routinier Bieri im Schlussgang der favorisierte und letztlich auch klar bessere Schwinger.

Nachdem sich der Untersiggenthaler zweimal aus gefährlichen Situationen retten konnte, hatte er nach 5 Minuten und 27 Sekunden keine Chance mehr und wurde von Strebel mit einem Kurz gebodigt. Der Aristauer wurde für seine offensive Kampfweise verdientermassen belohnt. Nachdem er zuletzt zweimal im Schlussgang gescheitert war (am Baselstädtischen gegen Alpiger, am Aargauer gegen Joel Wicki) durfte er endlich den Siegermuni in Empfang nehmen.

Wieder in Schuss

Strebels Sieg vor 1250 Zuschauern in der Eishalle des Zuchwiler Sportzentrums war umso erstaunlicher, als dass der 22-Jährige in den letzten Tagen mit massiven Rückenproblemen zu kämpfen hatte, die sogar zu einem Verzicht auf die Teilnahme am Stoos-Schwinget geführt hatten. «Wenn mir jemand vor einer Woche gesagt hätte, dass ich heute hier als Sieger vom Platz gehe, hätte ich das nicht geglaubt», sagte Strebel und dankte entsprechend seinem medizinischen Staff, der den lädierten Rücken mit Physiotherapie, Massagen und Besuchen in der Kältekammer wieder in Schuss brachte. Joel Strebel bewies auf jeden Fall einmal mehr eindrücklich, dass er im Hinblick auf das Eidgenössische im August zu den heissesten Kranzanwärtern der Nordwestschweizer gehören wird. Mit seiner offensiven, angriffigen Art ist er für jeden Schwinger ein unangenehmer Kontrahent.

Mario Thürigs Comeback

Die Aargauer Spitzenschwinger dominierten nicht ganz unerwartet auch in Zuchwil. Als bester Solothurner klassierte sich in Abwesenheit des verletzten «Eidgenossen» Remo Stalder Lokalmatador Thomas Stüdeli (Bellach) auf Rang 3. Bester Baselbieter war Samuel Brun (Ettingen) auf Rang 5. Einziger Neukranzer des Tags war bemerkenswerterweise ein Ausländer. Der Elsässer Adrian Bruder, der für Oberwil BL schwingt, holte sich seinen ersten Kantonalkranz.

Neben Joel Strebels Sieg gab es aus Sicht des Aargaus noch weitere, positive News am Rande des Solothurner Kantonalen zu vernehmen: Mario Thürig dürfte fast ein Jahr nach seiner auf dem Weissenstein erlittenen Schulterverletzung in zwei Wochen am Basellandschaftlichen sein Comeback geben.

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