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2:0 gegen Solothurn: Für den FC Grenchen enden die Chaostage mit Happy End

Nach einer schmerzhaften Woche wieder obenauf: Grenchens Luan Nascimento (rechts) im Kampf gegen Solothurns Benny Igiehon. Foto: Marcel Bieri

Nach einer schmerzhaften Woche wieder obenauf: Grenchens Luan Nascimento (rechts) im Kampf gegen Solothurns Benny Igiehon. Foto: Marcel Bieri

Der 1.-Liga-Klub scheint die unrühmliche Woche mit einem blauen Auge zu überstehen. Präsident und sportliche Leitung setzten auf Vertrauen und Gutgläubigkeit. Im Auftaktderby gegen Solothurn erreicht der FCG einen 2:0-Sieg.

Die Quellwolken über dem Stadion Brühl lösten sich mit zunehmender Spieldauer auf. Die Strahlen erreichten den Rasen und dort schien für de Grenchner die Sonne. Nicht nur wegen des Resultats. Der sportliche Wert der Partie war für die Gastgeber nach einer Woche mit dem vereinsinternen Chaos zweitrangig.

Chaos am Dienstag

An erster Stelle stand die Erleichterung, überhaupt ein Team gegen Solothurn aufs Feld beordern zu können. Am Dienstag standen vom aktuellen Kader nur 10 Spieler zur Verfügung. «Fünf waren nicht angemeldet, zwei verletzt und drei gesperrt», rechnet Pressechef Gerd Frera vor. Zudem brach Mahir Cayir die Zelte beim FC Grenchen ab. Aus Solidarität zu Max Rüetschli. Cayir arbeitet in der Firma des entlassenen Trainers.

Langwierige Sichtung

Die Sichtung der Akten nach der Trennung der sportlichen Leitung nahm mehrere Tage in Anspruch. Drei Personen kümmerten sich darum, jede Lizenz zu prüfen und gegebenenfalls die Berechtigung zu beantragen. «Man kann es nicht anders sagen: Es war alles sehr unübersichtlich», sagt Gerd Frera. Dass ein derartiges Chaos überhaupt möglich war, ist einerseits schleierhaft, andererseits auf ein Strukturproblem zurückzuführen. Das Präsidium überliess der sportlichen Leitung viele Freiheiten und vernachlässigte dabei das Controlling. «Im Nachhinein ist man immer schlauer», kommentiert Paul Kocher, der an der Aufarbeitung mitbeteiligt war. So wie sich die Lage momentan präsentiert, scheint das Gröbste überstanden.

Interview mit dem neuen FC Grenchen Trainer Edvaldo Della Casa

Interview mit dem neuen FC Grenchen Trainer Edvaldo

Spaghetti-Essen für die Teamseele

Auf dem Feld hat es Edvaldo Della Casa geschafft, in den zwei Tagen eine konkurrenzfähige Mannschaft aufzustellen, die nach der Trennung von Trainer und Sportchef mental angeschlagen war. Mit teambildenden Massnahmen wie einem Spaghetti-Plausch schaffte es der Brasilianer seinen Akteuren, Spielfreude einzuhauchen, wie der gesperrte Captain Sascha Stauffer sagt.

Urs Erb zeigte sich zufrieden

Sichtlich angetan zeigte sich auch Urs Erb. Der Donator des 3000er-Clubs bejubelte den Sieg und gab sein Commitment zur Unterstützung des FC Grenchen ab. In den letzten Wochen hat der frühere Hauptmäzen mehrere neue Geldgeber an Land gezogen.

Mannschaftsfoto bereits bereinigt

Dem Krisenteam ist es gelungen, den Ligabetrieb auf den erforderlichen Stand zu bringen. Im Matchheft grüsst bereits Edvaldo Della Casa und auf dem Mannschaftsbild sind Max Rüetschli und Peter Baumann nicht mehr sichtbar. «Sie wurden nicht wegretuschiert», versichert Gerd Frera. Der Fotograf knipste eine Version ohne die beiden. Als ob er eine Vorahnung gehabt hätte.

Matchbericht:

Die Platzherren gingen bereits in der 4. Minute in Führung. Andonov traf mit einem Scharfschuss zum 1:0. Zuvor war Leandro im Strafraum penaltyreif von den Beinen geholt worden. Die Schiedsrichterpfeife blieb aber zum Entsetzen der Grenchner Fans stumm.Beide Teams hatten in der Sommerpause einen Aderlass bewältigen müssen. Insgesamt standen im Vergleich zum Vorjahr mit Grosjean, Nascimento und Zayas drei Spieler beim FC Grenchen in der Startelf und bei Solothurn mit Büchli sogar nur ein Akteur auf dem Spielfeld.

Pech dann für Solothurn, als Titton im Grenchner Strafraum Jakolic aussteigen liess und Goalie Grosjean den Richtung Tor kullernden Ball nicht mehr erreichte, konnte sein Zwillingsbruder vor der Linie befreien (24.). Kurz darauf nahm Titton eine Hereingabe von Igiehon direkt ab. Der Ball landete aber nur auf dem Grenchner Tor. Die Youngsters aus Solothurn hatten in dieser Phase mehr vom Spiel und der Grenchner Keeper hatte um einiges mehr zu tun als sein Gegenüber. Die Gastgeber spielten kaum nach vorne. Pässe in die Tiefe waren Mangelware und kamen bei den Adressaten nur selten an. Kurz vor der Pause kam Solothurn zu einem Freistoss, welchen Gashi in die nähere Ecke zirkelte. Mit einer tollen Parade fischte Grosjean den perfekt getretenen Freistoss aus der Ecke und so ging es mit der knappen 1:0-Führung für Grenchen in die Pause.

Die Gastgeber konnten das Spieldiktat mit etwas mehr Engagement wieder an sich reissen und bei einem Flachschuss von Zayas musste sich Trittibach mächtig strecken, um noch an den Ball zu kommen. Beim Geschoss von Leandro nützte aber alles strecken nichts mehr und es stand 2:0. Dieses Tor hatte sich angekündigt gehabt und der Sieg ging so in Ordnung.

Solothurn-Trainer Grolimund war nach dem Spiel entsprechend enttäuscht. «Wir hatten uns nach der guten Vorbereitungsphase viel erhofft, und wollten unbedingt mit einem positiven Resultat in die Saison starten. Leider lief heute nicht alles so, wie wir es geplant hatten.» Trotzdem habe man in seinen Augen einen ausgeglichenen Match gesehen, denn man habe auch Chancen gehabt und hätte mindestens einen Punkt mit nach Hause nehmen können. «Vor dem Tor zeigten wir aber eindeutig zu wenig Qualität.» (mbr)

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