Interview

Skifahrer Carlo Janka gibt sich zuversichtlich: «Am fahrerischen Können habe ich nie gezweifelt»

Einer der erfolgreichsten Skirennfahrer der Gegenwart: der Bündner Carlo Janka.

Einer der erfolgreichsten Skirennfahrer der Gegenwart: der Bündner Carlo Janka.

Carlo Janka will auch weiter mit den Besten mithalten – wenn die Gesundheit es zulässt.

Während der Vorbereitung auf die neue Skisaison hatte der Körper ein weiteres Mal zu rebellieren begonnen, der Rücken bereitete wieder Probleme und erforderte eine Pause. Doch Carlo Janka (33) nahm auch die neueste Herausforderung an – und wurde schon bei seinem ersten Renneinsatz in diesem Winter mit dem dritten Platz bei der Abfahrt in Lake Louise belohnt.

Schön, dass Sie sich auch im fortgeschrittenen Alter als Spitzensportler noch selber überraschen können.

Carlo Janka: Das ist so, ja. Der 3. Rang in Lake Louise kam nach der schwierigen Vorbereitung völlig unerwartet.

Eine Überraschung war schon Ihre Bestzeit im ersten Training, Ihre erste überhaupt. Wie ist Ihnen das denn gelungen? Sollte die Fahrt ein Belastungstest für Ihren Rücken sein?

Nein. Es war einfach eine Trainingsfahrt. Nach dem Abschwingen im Ziel hatte ich den Eindruck, dass dies noch nichts Besonderes war. Wenn du trotzdem bei den Schnellsten bist, ist das natürlich ein gutes Zeichen. Das hat mir für die ganze Woche viel Vertrauen gegeben – auch was das Material betrifft.

Und tags darauf waren Sie gleich nochmals der Schnellste. Eigentlich unglaublich, da Sie von Anfang Oktober bis zur letzten Vorbereitung in Panorama praktisch nicht auf den Ski gestanden sind. Hatte sich dort schon im Rücken eine Besserung abgezeichnet?

Ich konnte in Panorama das geplante Pensum durchziehen. Der Rücken blieb stabil. Es hätte noch besser sein können, aber es wurde zumindest nicht schlechter.

War der 3. Rang in Lake Louise auch eine gewisse Genugtuung? Sie bekamen die kritischen Voten ja auch mit.

Mittlerweile bin ich gegen Kritik von aussen recht immun. Vor ein paar Jahren wäre das noch anders gewesen. Für mich war der Podestplatz eher eine Bestätigung. Ich hatte ja immer das Gefühl, dass ich nach wie vor vorne mitfahren kann, wenn alles passt.

Die Rückenschmerzen stehen am Ende einer langen Liste mit körperlichen und gesundheitlichen Problemen. Gab es in all diesen Jahren Momente, in denen der Rücktritt zum Thema wurde?

Nein, nie. Ich habe immer gewusst, woran es liegt. Am eigenen Körper und teilweise am Material. Vom fahrerischen Können her habe ich nie gezweifelt, dass ich noch mit den Besten mithalten kann.

Im Januar haben Sie auch noch von Magenproblemen gesprochen – und deswegen im Frühling die Ernährung umgestellt.

Da bin ich während sechs Wochen kurmässig vorgegangen. In dieser Zeit habe ich einige Kilos verloren. Die Ernährung hatte ich schon während der letzten Saison etwas umgestellt. Jetzt esse ich wieder alles, obwohl ich weiss, dass es mir nicht sonderlich gut tut. Die paar Jahre, die mir als Rennfahrer noch bleiben, ziehe ich jetzt so durch. Im Frühling werde ich die Ernährung dann wieder umstellen.

Was haben Sie in diesem Frühling konkret gegessen?

Nicht mehr allzu viel. Vor allem habe ich viel «Grünes» gegessen – und Eier. Auf Fleisch und Zucker etwa habe ich verzichtet und nur wenig Kohlehydrate zu mir genommen.

Für die «Kur» haben Sie keinen Ernährungsberater zugezogen und sich selber, beispielsweise im Internet, informiert. Weshalb?

Ich wollte selber Verantwortung übernehmen und schauen, was es überhaupt für Wege gibt oder was mich anspricht oder wovon ich überzeugt bin.

Aber Rolf Fischer (ein Manualtherapeut, dem Janka seit Jahren vertraut) war in das Vorhaben eingeweiht?

Auch nur am Rande. Ich habe da wirklich auf eigene Faust gehandelt.

Und nach den sechs Wochen mussten Sie wieder an Gewicht zulegen? Wie viele Kilos brachten Sie da mit ihren 186 cm noch auf die Waage?

79 Kilo. Aber das ging dann schnell, bis ich mein fürs Skifahren ideales Gewicht von 90 Kilo wieder erreicht hatte.

Nach der Kur ging es Ihnen effektiv besser?

Ja, und auch der Rücken bereitete absolut keine Probleme.

Kann es denn sein, dass ein Zusammenhang zwischen Magen und Rücken besteht?

Ich habe das Gefühl, ja. Das zu beweisen, ist nicht einfach. Gemäss Fachleuten ist es schwierig, Rückenschmerzen wegzubekommen, ohne gleichzeitig am Darm etwas zu unternehmen. Solche Meinungen kommen eher von der alternativen Seite als von der Schulmedizin her.

Den Zeitrahmen für Ihre Karriere haben Sie bis nach den Olympischen Spielen 2022 in Peking ausgerichtet.

Das ist die Grobplanung. Gewisse Parameter müssen stimmen, neuerdings auch, was die Familie betrifft.

Hauptparameter bleibt aber der sportliche Erfolg.

Erfolg kann ich nur haben, wenn es auch vom Körperlichen her stimmt. Da müssen mehrere Sachen zusammenpassen.

Was tun Sie, um den Rücken zu schonen?

Vor allem habe ich das Pensum auf den Ski reduziert. Da nehme ich mir Beat (Feuz) als Beispiel. Ich fahre pro Tag zum Beispiel nicht mehr fünf, sechs Läufe, sondern nur noch vier. Das habe ich zuletzt auch in Panorama so gehalten – und es hat gut gepasst. Dazu wird auch die Kombination ein Fragezeichen sein.

Slalom haben Sie zuletzt nicht trainiert?

Keinen Tag. Der Slalom belastet den Rücken sehr intensiv. Im letzten Winter stand in Wengen schon der Start in der Abfahrt wegen des Kombi-Slaloms auf der Kippe. Da muss ich mir das Ganze schon sehr gut überlegen.

Beim Fahren können Sie die Rückenprobleme gut wegstecken? Oder nehmen Sie Schmerzmittel?

Wenn immer möglich verzichte ich auf Schmerzmittel. Beim Start könnten die Bewegungen schon geschmeidiger sein. Doch sonst stört mich der Rücken überhaupt nicht. Wenn es so bleibt während der Saison, bin ich zufrieden.

Hier in Beaver Creek steht neben Abfahrt und Super-G auch ein Riesenslalom im Programm. Sind Sie am Start?

Nein. Ich habe ja im Riesenslalom fast nichts trainiert. Auch die Zeit mit dem Riesenslalom ist für mich vorbei.

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