Wendy Holdener hat heute eine möglicherweise historische Chance: Sie könnte die letzte Weltmeisterin in der Kombination werden. Der internationale Skiverband FIS verfolgt konkrete Pläne, die Disziplin bereits an der nächsten WM 2021 in Cortina d’Ampezzo zu streichen. In der nächsten Woche tagt in Åre der FIS-Council zu diesem Thema und alles deutet darauf hin, dass der Rat dem nächsten FIS-Kongress vorschlagen wird, die Kombination zu beerdigen.

Damit würde sich in Schweden ein Kreis schliessen. Die alpine Kombination in ihrer heutigen Form feierte ausgerechnet in Åre 2007 WM-Premiere. Gewonnen wurde das Rennen von Anja Pärson. Überhaupt zeigt der Blick in die Siegerlisten grosse Namen des Frauenskisports: Kathrin Zettel, Anna Veith, Maria Höfl-Riesch, Tina Maze, Wendy Holdener.

Keine Gedankenspiele

Die Schweizerin ist Titelverteidigerin und seit dem Startverzicht von Mikaela Shiffrin die grosse Favoritin. Gestern im Abfahrtstraining belegte die Slalomspezialistin Rang zwei. Damit liess die 25-Jährige die weiteren Athletinnen mit Chancen in der Kombi weit hinter sich. Allen voran Petra Vlhova. Die Slowakin ist eine hervorragende Slalomfahrerin. Die Sekunde, die sie im Abfahrtstraining auf Holdener einbüsste, würde sie aber niemals aufholen.

Holdener will sich auf solche Gedankenspiele nicht einlassen. «Das heisst noch gar nichts. Es gibt nicht nur Petra, es gibt viele starke Athletinnen. Ich versuche, ruhig zu bleiben und einfach meinen Plan durchzuziehen.»

Keine 30 Frauen

Seit dem verletzungsbedingten Ausfall von Kombi-Olympiasiegerin Michelle Gisin ist Holdener die einzige Schweizerin, die heute die Kombi regulär bestreitet. Alle weiteren Starterinnen nutzen die Abfahrt am Morgen nur als zusätzliches Training für Sonntag. Das zeigt eindrücklich, dass selbst bei Swiss Ski die Leistungsdichte in der Kombination klein ist. Dabei ist die Schweiz so etwas wie eine Kombi-Nation. Vier der sieben Medaillen an der Heim-WM in St. Moritz gab es in diesem Event.

International sieht es ebenso düster aus. Heute werden vermutlich keine 30 Frauen die komplette Kombination bestreiten und somit weniger als im Weltcup Punkte erhalten. Trotz der geringen Konkurrenz sagt Holdener: «Ich darf keinesfalls zu fest an die Titelverteidigung denken. Ich muss mich ganz auf das Skifahren konzentrieren.» In der Tat muss auch die Topfavoritin erst das Ziel erreichen.

Die Athletinnen haben heute die letzte Chance, an einer WM für ihre Disziplin Werbung zu machen. Allzu viele Befürworter gibt es aber nicht einmal unter den Starterinnen. Darum ist es wahrscheinlich, dass Holdener die Letzte ihrer Art wäre,sollte sie den WM-Titel tatsächlich erneut gewinnen. Zumindest die Frau aus Unteriberg würde das bestimmt melancholisch stimmen.