Mit den wärmsten Kleidern sind wir angereist. Mit Funktionswäsche aus Merinowolle, prall gefüllter Daunenjacke, gefütterter Skihose, Schuhe mit Filzeinsatz, Expeditionssocken, Fausthandschuhe und dickste Wollmützen. Wir hätten nächtelang auf dem gefrorenen See von Åre herumstehen können und es gäbe uns immer noch.

Von den Prognosen wurden wir beim Einpacken angetrieben. Darum sah der Koffer aus, als würden wir in die Arktis ziehen. Und als wir ankamen, waren wir froh, dass alles dabei war. Wir geizten nicht mit Kleiderschichten und hatten uns nach wenigen Tagen an Temperaturen von 25 Grad Minus gewöhnt. Die Zeitungskolumne nannten wir «Minusgrade». Mit einem müden Lächeln. Was sollen uns diese Minusgrade denn überhaupt anhaben?

Nach den ersten Tagen änderten sich die Bedingungen, wir mussten am Set-up schrauben. Die Temperatur stieg, kratzte am Nullpunkt. Es drängte sich ein Schuhwechsel auf, von demjenigen ohne Filzeinsatz versprachen wir uns eine höhere Atmungsaktivität. Auch die Funktionswäsche kam nur noch sporadisch zum Einsatz, sie staute zunehmend. Zu Beginn hätten wir Kappe oder Handschuhe nie freiwillig liegen lassen. Jetzt bleiben sie zu Hause.

Die Abstimmung zu finden wird immer schwieriger. Die Verhältnisse ändern sich schneller und schneller. Gestern mussten wir noch Schnee schaufeln, heute fliesst er selbstständig davon. Innerhalb von 10 Tagen sahen wir das Thermometer um 28 Grad steigen. Wir wünschten, das wäre eine blosse Übertreibung.

Wir hören Pia Hultgren, die Chef-Meteorologin der WM, sagen, in Åre können alle vier Jahreszeiten an einem Tag vorkommen. Bei den aktuellen Bedingungen müssten wir in einer ersten Phase die Kolumne in «Plusgrade» umtiteln und in einer zweiten Phase in unseren Notizen nachsehen, welches Set-up wir in der Vergangenheit bei ähnlichen Verhältnissen wie den jetzigen wählten.

Wie Ferdinand, der Vater von Marcel Hirscher, der in seinen Dokumenten nachschauen kann, wo man wann auf welches Set-up zurückgriff. Wir müssten allerdings unter «Schweiz im April» nachschauen. Gummistiefel. Die könnten wir jetzt gebrauchen. Doch die haben wir nicht dabei.