Ski alpin

Traumjob Vorfahrer: Warum der Skiverband bezahlte Profis als Pistentester einsetzen will

In Kitzbühel die Abfahrt zu bestreiten, ist nicht jedermanns Sache.

In Kitzbühel die Abfahrt zu bestreiten, ist nicht jedermanns Sache.

Für den Skiverband wäre es natürlich ein grosser Vorteil, wenn ehemalige professionelle Skifahrer die Piste testen würden, denn: Sie können die Strecke in ähnlichem Tempo fahren, wie es die Athleten später wohl auch tun werden.

Didier Défago hat es schon getan. Der Kitzbühel-Sieger von 2009 war vor drei Jahren als professioneller Testfahrer in Südkorea. Sein Auftrag: Die von Bernhard Russi konzipierte Olympia-Abfahrt testen. Nur wenige Wochen nach seinem Rücktritt war Défago der ideale Kandidat.

«Défago konnte die Strecke in einem Tempo absolvieren, wie es die besten Abfahrer tun», sagte Markus Waldner, Renndirektor des Internationalen Skiverband FIS. «Durch diesen Extremtest bekamen wir alle Informationen, ob es passt.»

Didier Défago war optimal für die Piste in Südkorea geeignet

Didier Défago war optimal für die Piste in Südkorea geeignet

Drei Jahre später ist die Diskussion aktueller den je. Dies, nachdem zahlreiche Fahrer nach dem ersten Training in Kitzbühel die Piste scharf kritisierten. So sagte Beat Feuz: «Die Sprünge gehen viel zu weit. Man kann nicht die ganze Saison sagen, die Sicherheit gehe vor, und dann setzt man uns Fahrern eine solche Strecke vor.» Waldner reagierte: «Das Problem ist, dass wir im Weltcup keine professionellen Vorfahrer haben. Wir lassen Nachwuchsathleten starten, doch das sind nur Alibi-Tests, weil das Tempo viel langsamer ist.» Der Renndirektor ist überzeugt, dass «bessere» Vorfahrer bemerkt hätten, dass an den Sprüngen nochmals gearbeitet werden muss.

Die weiten Sprünge im ersten Training in Kitzbühel (hier Mauro Caviezel) sorgten für Kritik. Professionelle Vorfahrer könnten Probleme wie diese früher erkennen.Keystone

Die weiten Sprünge im ersten Training in Kitzbühel (hier Mauro Caviezel) sorgten für Kritik. Professionelle Vorfahrer könnten Probleme wie diese früher erkennen.Keystone

Zwei Schweizer Vorfahrer

In Kitzbühel kann sich jeder als Vorfahrer bewerben. Danach werden die Athleten ausgewählt, die vom lokalen Rennleiter Axel Naglich als «Streif-tauglich» taxiert wurden. Zwei Schweizer haben es geschafft: Martin Bless und Rolf Kryenbühl. Beide sind gute Skifahrer, beide sind schon nationale Skicross-Rennen gefahren, doch im alpinen Skisport sind sie unbekannt und nicht einmal Rennen auf der tiefsten FIS-Stufe gefahren.

Trifft Waldners Kritik also auch die Schweizer? Rennleiter Naglich sagte im «Blick»: «Bei allen anderen Weltcuprennen werden meistens Nachwuchsfahrer als Vorfahrer eingesetzt. Aber wir erhalten für diese Rolle praktisch nie solche Talente, weil ihre Trainer Angst haben, dass sich ihre Zukunftshoffnungen auf dieser Piste schwer verletzen. Deshalb sind wir auf sehr gute Hobbyfahrer wie Rolf und Martin angewiesen.»

FIS-Renndirektor Markus Waldner.

FIS-Renndirektor Markus Waldner.

Für Waldner ist klar: «Wir müssen den Job des professionellen Vor- und Testfahrers schaffen.» Er glaubt, dass ehemalige Spitzenabfahrer nach ihren Rücktritten durchaus an einer solchen Aufgabe interessiert sein könnten. So wie es Défago tat. «Doch es ist wieder einmal eine Geldfrage», sagt Waldner. Professionelle Tester für den Männer- und Frauenweltcup würden die FIS pro Saison rund 100 000 Franken kosten. Geld, das nur schwer zu beschaffen sei.

Wie in der Leichtathletik?

Sollte das Projekt umgesetzt werden, ist es durchaus denkbar, dass der Job des professionellen Vorfahrers nicht nur die «Senioren» ansprechen würde. In der Leichtathletik ist der Tempomacher ein gefragter Beruf für Athleten, die den Traum von der ganz grossen Karriere abbrachen. Statt um Siege und Rekorde zu laufen, ebnen sie den Stars den Weg dorthin, indem sie die Rennen schnell machen. Die Veranstalter zahlen für die Dienste der professionellen Vorausläufer gut.

Zurück nach Kitzbühel. Trotz der Kritik an den Sprüngen nahm Feuz die Schweizer Vorfahrer im «Blick» in Schutz: «Ich ziehe den Hut vor diesen Jungs. Sie haben bei schwierigen Bedingungen einen Top-Job für uns gemacht.»

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