Marcel Hirscher hat genug. Der Österreicher hat wie erwartet seinen Rücktritt vom Skirennsport verkündet.

Die ganz grosse Überraschung war es nicht mehr, als Marcel Hirscher seinen Rücktritt am Mittwochabend offiziell machte. Seit einer Woche war davon auszugehen gewesen, dass der im März 30-jährig gewordene Salzburger seinen Abgang von den Rennpisten verkünden würde. Hirscher machte den Rücktritt gleich zu Beginn der Sendung offiziell, Tränen flossen keine.

Ein Auftritt zur besten Sendezeit, im staatlichen Fernsehen als Live-Veranstaltung angekündigt, mit der "Lounge 5", einem angesagten Lokal in dem aus stillgelegten Fabrikhallen neu gestalteten "Gusswerk" in Salzburg, ein nicht alltäglicher Rahmen - die grosse Bühne war untrügliches Zeichen dafür, dass Hirscher "ganz Wichtiges" zu berichten hatte.

Marcel Hirscher (r.) gibt in der vom ehemaligen Liechtensteiner Skifahrer Marco Büchel moderierten Livesendung auf ORF 2 seinen Rücktritt bekannt.

Marcel Hirscher (r.) gibt in der vom ehemaligen Liechtensteiner Skifahrer Marco Büchel moderierten Livesendung auf ORF 2 seinen Rücktritt bekannt.

Hirscher dominierte die 2010er-Jahre

Mit Hirscher verabschiedet sich ein Athlet, der den alpinen Rennsport in der vergangenen Dekade geprägt hat wie kein anderer. Die Zahlen in seinem Palmares sind beeindruckend. Im Weltcup siegte er 67 Mal, insgesamt stand er 138 Mal auf dem Podium. Achtmal in Folge gewann er die Gesamt-Wertung, je sechs Mal die kleine Kugel für den Sieg im Riesenslalom- und im Slalom-Klassement. Sieben Mal wurde er Weltmeister, vor anderthalb Jahren beseitigte er mit den Olympiasiegen in der Kombination und im Riesenslalom den letzten Makel in seiner grossartigen Bilanz.

Talent und Arbeiter

Seinen Status verdankt Hirscher nicht nur seinem grossen Talent. Hinter all den Erfolgen steckt auch immense Arbeit. Die Akribie, mit der er und sein Privatteam zu Werke gingen, und der damit verbundene Hang zum Perfektionismus waren im Weltcup-Zirkus einzigartig. Hirscher hob den Skirennsport auf ein neues Niveau. Mit seiner Gesinnung war er Vorreiter und Vorbild. Die Lücke, die er hinterlässt, wird nicht nur im österreichischen Skiverband gross und nicht so schnell zu schliessen sein.

Hirscher hatte schon oft mit dem Rücktritt kokettiert. Mehrfach hatte er am Saisonende betont, wie sehr ihn sein Beruf auslauge, wie sehr er physisch und mental an seine Grenzen stosse. In jenen Momenten sprach er von der immensen Erwartungshaltung im eigenen Land, aber auch vom Druck, den er sich selber auferlege. Trotzdem sah er damals die Zeit zum Abgang noch nicht gekommen, noch hatte er seine Mission als nicht abgeschlossen gesehen. Noch waren sein Drang nach Erfolg und die Freude am Skirennsport zu gross gewesen.

Die verschobenen Werte

Dass das Karrierenende nun Tatsache ist, ist seinem privaten Umfeld geschuldet. Seit der Heirat mit seiner langjährigen Lebenspartnerin Laura Moisl im Juni vergangenen Jahres und vor allem mit der Geburt des Sohnes im letzten Oktober haben sich die Werte verschoben. Der Salzburger hatte sich zuletzt immer schwerer getan, dem Skirennsport alles unterzuordnen. Das Leben abseits vom Renn- und Trainingsbetrieb hatte entsprechend an Bedeutung gewonnen. Die Voraussetzungen für ein Berufsleben im gewohnten Rahmen waren nicht mehr gegeben. Hirscher hat die Zeichen der Veränderungen erkannt. Ihm blieb deshalb nur eines. Der Rücktritt.

Update folgt....