Seit über einem Jahr hatte Henrik Kristoffersen nicht mehr gewonnen. Im Januar des letzten Winters liess er im Kitzbüheler Slalom Marcel Hirscher hinter sich, doch je länger je mehr schien er einfach nicht mehr am Österreicher vorbei zu kommen. 10 Siege hat Hirscher in der aktuellen Weltcup-Saison schon eingefahren - Kristoffersen: 0.

Doch der 24-jährige Skandinavier nutzte die Gunst der Stunde, ausgerechnet im Riesenslalom, seiner etwas schwächeren Disziplin, in der er im Weltcup erst ein einziges Mal gewann. Und das ist auch schon wieder vier Jahre her. Damals siegte er beim Weltcup-Finale im März 2015 in Méribel auf ähnlich weichem Frühlingsschnee wie nun in Are.

Aber eben. Neben Hirscher bleiben halt oft nur die Ehrenplätze, und an den vergangenen Weltmeisterschaften gab es nicht einmal das. 2015 in Vail wurde er Vierter im Slalom, zwei Jahre später in St. Moritz kamen im Riesenslalom und im Slalom zwei weitere 4. Plätze hinzu.

"Ich war so oft so nahe dran, aber heute war es ziemlich gut", durfte Kristoffersen in Are festhalten. Wirklich grossartig! Wir haben so hart gearbeitet, gemeinsam mit meinem Vater, das Team, alle haben verrückt viel Arbeit rein gesteckt."

Endlich konnte er den gesundheitlich angeschlagenen Hirscher wieder einmal hinter sich lassen. Als vierter Norweger gewann er WM-Gold im Riesenslalom. Seine Vorgänger tragen alle grosse Namen. Sie heissen Kjetil André Aamodt (1993), Lasse Kjus (1999) und Aksel Lund Svindal, der zehn Jahre zuvor ebenfalls in Are - vor Daniel Albrecht und Didier Cuche - den Riesenslalom gewann.

Hirscher dagegen musste sich in der Rolle erklären, die gewöhnlich Kristoffersen gehört. Als Zweiter war er erster Verlierer, wie er es selber nannte. Er holte sich zwar inklusive des Team-Wettbewerbs seine bereits 10. WM-Medaille - aber einer wie er hat nur Gold im Visier, Grippe hin oder her.