Tour de Ski
Genug Kunstschnee für die Tour de Ski

Der Start zur Jubiläumsausgabe der Tour de Ski garantiert der Ferienregion Lenzerheide ab dem 1. Januar eine dreitägige Werbeplattform. Möglich ist das nur dank modernster Technik.

Von Johannes Kaufmann
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Hannes Parpan, OK-Präsident der Tour de Ski in Lenzerheide, posiert neben einem seiner wichtigsten Helfer.

Hannes Parpan, OK-Präsident der Tour de Ski in Lenzerheide, posiert neben einem seiner wichtigsten Helfer.

Marco Hartmann

Ein sportlicher Grossanlass im Winter ohne Beschneiungsanlage? «Vergessen sie es», sagt Hannes Parpan bestimmt. Der hemdsärmelige Bauunternehmer weiss, wovon er spricht. Der OK-Präsident der Tour de Ski in Lenzerheide steht im Zielraum der Biathlon-Arena in Lantsch/Lenz, die nur dank moderner Technik rennbereit ist.

Abseits der Strecke erinnert nichts an Winter. «Die Durchführung der Rennen war jedoch zu keinem Zeitpunkt gefährdet», stellt Parpan auch ungefragt sofort klar. Ebenso ist fix, dass am Wettkampftag 2 die Massenstartrennen über die vorgesehenen Distanzen von 30 (Männer) respektive 15 Kilometer (Frauen) ausgetragen werden.

Um die Arena frühzeitig fürs Biathlon-Training bereitzustellen, kam von Mitte Oktober bis Mitte November die sogenannte «Snowfactory» zum Einsatz. Diese Art der Schnee-Erzeugung mit eigener Kühlanlage funktioniert auch bei Plusgraden.

Genug Schnee erzeugt

Parpan sagt zwar: «Mutmasslich hätten wir es auch nur mit herkömmlichen Beschneiungsanlagen geschafft.» Doch die klassische Art der Schneeerzeugung mutierte zuletzt zur Geduldsprobe, da es zu warm war. Denn beschneit werden kann in diesem Fall erst ab zwei Minusgraden. Stimmt die Temperatur, wechseln die Anlagen in der Nacht automatisch in den Betriebsmodus.

Einen Kompromiss müssen die Organisatoren machen. Für die Distanzrennen steht statt einer 5-km- nur eine 4-km-Runde bereit. «Sämtliche topografischen Schwierigkeiten sind jedoch enthalten», erläutert Parpan. Der moderne Parcours wird als mittelschwer eingestuft.

Die vom damaligen FIS-Renndirektor Jürg Capol bei einem Saunagang erdachte Tour de Ski wird ein zehntes Mal ausgetragen. Vor zwei Jahren debütierten die Bündner mit zwei Teilstücken mitten in der Tour, zwischen dem Start in Deutschland und der traditionellen Entscheidung in Italien. Diesmal ist alles ein wenig grösser. Sehr zum Gusto der selbstbewussten Touristiker vor Ort, die gerne in grösseren Dimensionen denken.

Jubiläumstour startet in Lenz

Lantsch/Lenz mutiert am 1. Januar zum Nabel der Langlauf-Welt, wenn mit einem Sprint die Jubiläumstour lanciert wird. Und weil das eigentlich als Startort vorgesehene Oberstdorf als zweiter Etappenort wegen einer Terminkollision (Auftakt Vierschanzentournee am 29. Dezember) mehr Zeit benötigt, erhielt Lenzerheide neben dem Start auch noch einen dritten Wettkampftag zugesprochen.

«Der Tour-Start ist eine andere Kragenweite», sagt Parpan. Er erwähnt die besondere Nervosität aller Beteiligten vor dem Start zum in einer Saison ohne grosse Meisterschaften konkurrenzlos bedeutendsten Anlass des Langlaufwinters. Erhöht werden musste deshalb auch das Budget. Es beträgt 1,3 statt nur einer Million Franken. Für die Deckung der Kosten werden erstmals – allerdings moderate – Eintrittspreise erhoben. Dazu bestehen Defizitgarantien.

Die Tour de Ski ist nur ein Teil der sportlichen Offensive der Ferienregion. Wichtigste Plattform war bis anhin der alpine Weltcup-Final. Das einst ungeliebte Stiefkind wurde durch fünf gelungene Austragungen seit 2005 wachgeküsst, es mutierte von einem Sportanlass zu einem Event. Das friedliche Nebeneinander ist dabei wichtig, betont Parpan.

Bevor er das Projekt Tour de Ski angegangen sei, habe er sich bei Silvano Beltrametti, OK-Präsident der Alpinen, rückversichert. «Wir wollen uns nicht konkurrenzieren, sondern ergänzen», sagt Parpan. Zur Vorwärtsstrategie passen die Bemühungen der Biathlon-Aktivisten, dereinst als Weltcuport zu debütieren. Dabei werden Synergien genutzt. Die besonders über den Jahreswechsel problematische Unterkunftssituation im eigentlich ausgebuchten Ferienort wird von der aus dem Weltcup-Final gestählten Equipe orchestriert.

Auch die Mountenbiker kommen

Präsenz wird auch im Sommer markiert. Vehikel ist das Mountainbike. Der Weltcup macht Halt vor Ort, ehe es 2018 um Weltmeisterehren geht. Sorgen bereitet indes ausgerechnet das Zugpferd, der alpine Weltcup-Final. Paradoxerweise ist Lenzerheide dabei Opfer des eigenen Erfolges: Der Final ist mittlerweile auch andernorts gefragt.

Die Bewerbung für 2017 scheiterte an Aspen (USA). Als «Trostpreis» werden Frauen-Weltcuprennen im März 2016 ausgetragen. Derlei Sorgen muss sich Parpan nicht machen. 2018 kehrt die Tour de Ski zurück. Als Startort winkt dann erneut die maximale Aufmerksamkeit – die moderne Beschneiungstechnik macht es möglich.