Langlauf

Gelungene Premiere für die Tour de Ski im Cologna-Land

Dario Cologna trägt seinen Teil zur gelungenen Tour-Premiere in seiner Heimat Val Müstair bei.

Dario Cologna trägt seinen Teil zur gelungenen Tour-Premiere in seiner Heimat Val Müstair bei.

Der Sprint im Rahmen des Langlauf-Etappenrennens im Val Müstair am Neujahrstag ist ein voller Erfolg. Hauptdarsteller Dario Cologna spielt seine Rolle mit dem Einzug in den Final perfekt.

Der Sturz passiert in der letzten Runde des Tages – gleich nach dem Cologna-Corner. Dort hat die Fanclub-Armada ihren Helden gerade zum achten Mal die grosse Steigung hochgeschrien, als Dario Cologna im Final des Skating-Sprints zu Fall kommt und den fast sicheren Podestplatz noch aus der Hand gibt. So wird es im Flutlicht in der einsetzenden Dunkelheit am Ende der vierte Rang für jenen Mann, um den sich an diesem Neujahrstag im Val Müstair alles dreht.

Es ist nur ein winziger Wermutstropfen, der den Erfolg des gelungenen Volksfests mit rund 6000 Leuten nicht im geringsten trüben kann. Erst recht nicht, nachdem der aus dem Tal stammende Hauptdarsteller seine Rolle bei der Tour-de-Ski-Premiere in der Schweiz zuvor perfekt gespielt hat. Nach der zweitschnellsten Zeit in der Qualifikation ist Cologna auf der jeweils zweimal zurückzulegenden, 750 Meter langen Schlaufe in Tschierv sowohl im Viertel- als auch im Halbfinal ungeschlagen geblieben. Damit hat er als einziger der Favoriten auf den Gesamtsieg den Final erreicht und seine Ausgangslage für den weiteren Verlauf der Tour verbessert.

Colognas erfüllter Sonderwunsch

So mag Cologna auch niemand mehr böse sein dafür, dass er sich am Silvesterabend im Festzelt am Loipenrand nicht gezeigt hat, wo er für einen kurzen Auftritt erwartet worden war. Der dreifache Toursieger hatte es vorgezogen, zwei Nächte im eigenen Bett in Davos zu verbringen, um sich die bestmögliche Erholung im Hinblick auf das anspruchsvolle Restprogramm der Tour zu gönnen. «Da hat es wohl ein Missverständnis gegeben. Ich hatte nie versprochen, dass ich am Silvester auftreten würde», sagt Cologna und bedankt sich bei allen Fans für die Unterstützung. «Es war für mich ein sehr spezielles Rennen.»

Sogar die Verantwortlichen des Weltverbandes FIS erlauben dem Lokalmatador einen Sonderwunsch und lassen Cologna am Neujahrsmorgen die Streckenbesichtigung nachholen, welche die anderen Athleten im offiziellen Training an Silvester vorgenommen haben. Die Jury erlauben ihm dies aufgrund des aussergewöhnlich hohen Drucks, der beim 500 Meter vom Haus seiner Eltern ausgetragenen Rennen auf ihm lastet. Während der norwegische Teamchef Vidar Löfshus darin eine Bevorteilung des dreifachen Tour-de-Ski-Siegers sieht, verweist FIS-Langlaufdirektor Pierre Mignerey darauf, dass man auch beim Zulassen des persönlichen Tourbusses von Norwegens Star Petter Northug ein Auge zugedrückt habe.

Northugs Buspause

Sein Gefährt darf Northug vorläufig allerdings gar nicht mehr benutzen. Der Teamarzt hat im Hals seines Managers eine Rötung festgestellt. Nun soll der Car vollständig desinfiziert werden, ehe Colognas Herausforderer ihn wieder betreten darf. Als der Bündner nach dem Rennen noch Interviews gibt, ist Northug bereits wieder im Hotel verschwunden. Nach seinem Ausscheiden im Halbfinal hat er seine Enttäuschung nicht verborgen und den Zielraum wortlos verlassen.

Ein böses Erwachen hätte es für ihn in der Heimat seines grossen Kontrahenten schon zuvor beinahe gegeben. Normalerweise lässt die Dorfjugend in Santa Maria in der Neujahrsnacht jeweils um fünf Uhr morgens die Glocken der Kirche klingen – unmittelbar neben dem Hotel, in dem Northug mit dem norwegischen Team logiert. Auf Intervention von Gemeindepräsident Arno Lamprecht wird dieser Brauch nun für einmal ausgesetzt.

Lob für die Veranstalter

Für die Veranstalter gibt es Lob von allen Seiten. «Ich bin beeindruckt», sagt FIS-Präsident Gian-Franco Kasper. «Ich hoffe, die Euphorie im Tal hält an.» Innerhalb eines Jahres hat das Team um OK-Chef Alfred Lingg den Anlass praktisch ab der grünen Wiese auf die Beine gestellt. 300 freiwillige Helfer haben an vorderster Front angepackt. «Es ist gewaltig, was sie hier geleistet haben», sagt Curdin Perl, für den das Heimrennen auch eine Motivationsspritze darstellt. «Ich habe mich schon auf der ganzen Fahrt von Oberhof riesig darauf gefreut.» Mit seinem 27. Platz zeigt sich der Engadiner, der nicht zu den Sprint-Spezialisten zählt, zufrieden. Auch wenn ihm im Viertelfinal nach einem offensiven Beginn in der zweiten Runde etwas die Kraft ausgegangen ist.

Laurien van der Graaff (12.) ergeht es im Halbfinal ähnlich. «Das war das härteste Sprintrennen, das ich je gelaufen bin», sagt die Davoserin hinterher und führt diesen Umstand auf eine Kombination aus der Topografie der Strecke, der Höhenlage und der Vorermüdung nach den ersten beiden Tour-Etappen zurück. Die Sprinterin steigt nun aus der Tour de Ski aus und konzentriert sich auf die Vorbereitung auf die nächsten Weltcup-Sprints.

Der Rest des Tour-Trosses zieht noch am Abend weiter in Richtung Südtirol. Die Helfer sind noch am Abbauen, doch bald kehrt wieder Ruhe ein im beschaulichen Bergtal. Der Spuk ist vorbei – zumindest bis in zwei Jahren, wenn die Tour de Ski zurückkehren soll. Nach der gelungenen Premiere gibt es kaum einen Grund, warum sie dies nicht tun sollte.

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