Bereits im Vorfeld der Weltcup-Rennen von Garmisch-Partenkirchen wurde über die Architektur der Kandahar diskutiert. Die ohnehin schon schwierige Piste hatte man in diesem Jahr mit zwei Sprüngen angereichert. Der eine lag im oberen Teil der Piste (Trögelhang), der andere im unteren Teil (Seilbahn-Stadl-Sprung).

Die beiden Elemente sollten das Rennen beleben. Auf Wunsch des FIS-Renndirektors Atle Skaardal wurden die Kanten in der letzten Woche angehoben, um den Katapult-Effekt zu verstärken und die Sprünge attraktiver zu machen. Skaardal erntete daraufhin Kritik, vor allem aus dem Lager der Fahrerinnen.

Wie eine Skisprungschanze 

Ramona Siebenhofer, die österreichische Abfahrerin, sagte nach den Trainings der «Süddeutschen Zeitung», der Sprung beim Trögelhang sei wie eine Skisprungschanze. Die Schweizerin Jasmine Flury warnte: «Wenn man den mit Tempo nimmt, kann der sehr gefährlich werden.» Skaardal entschuldigte sich schliesslich bei den Athletinnen. Beide Sprünge wurden für die Rennen entschärft, der obere war praktisch entfernt.

Ramona Siebenhofer, die österreichische Abfahrerin, sagte nach den Trainings der «Süddeutschen Zeitung», der Sprung beim Trögelhang sei wie eine Skisprungschanze

Ramona Siebenhofer, die österreichische Abfahrerin, sagte nach den Trainings der «Süddeutschen Zeitung», der Sprung beim Trögelhang sei wie eine Skisprungschanze

Doch den Seilbahn-Stadl-Sprung im unteren Teil gab es noch. Und die ersten drei Fahrerinnen bekamen dies in der Abfahrt vom Sonntag besonders zu spüren. Allen voran die Schwyzerin Corinne Suter, die als Dritte gestartet war und am Ende Vierte wurde. Sie hob richtiggehend ab. «Ich kam mit hohem Tempo und bin sehr weit gesprungen. Da erschrak ich schon.»

Langer Unterbruch 

Nach der Fahrt von Suter folgte ein längerer Unterbruch. Die Verantwortlichen liessen die Schanze abtragen, um sie zu entschärfen. Die folgenden Athletinnen meisterten das Hindernis wesentlich kontrollierter.

Suter sagte: «100 Prozent fair ist das natürlich nicht, wenn man etwas an der Piste verändert. Aber die FIS hat sicher richtig entschieden, das Risiko wäre zu gross gewesen.» Polemik wollte sie keine verbreiten. Doch das Thema schien nicht nur Corinne Suter zu beschäftigen.

Klar in ihren Aussagen war etwa auch Kira Weidle. Die 22-jährige Speed-Hoffnung des deutschen Teams klassierte sich beim Heimrennen auf dem dritten Platz. Sie sagte: «Es ist schon ärgerlich. Schon bei den Trainings wurden diese Sprünge diskutiert. Im Rennen sollten die Mängel aber behoben sein.»

Korrektur war nicht wirklich fair 

Weidle wies darauf hin, dass das Training von Sprüngen im Allgemeinen ein wenig zu kurz käme, da es auf Frauen-Abfahrten kaum solche Elemente gäbe. Auch Weidle fand die Korrektur während des Rennens nicht wirklich fair.

Das Podest der Abfahrt in Garmisch.

Das Podest der Abfahrt in Garmisch.

Die ersten Fahrerinnen, darunter Corinne Suter, hätten wegen der ursprünglichen Form des Sprungs sicher «andere Bedingungen» gehabt, sagte sie. 27 Hundertstelsekunden war die Deutsche schneller als Suter.

«Auf diesen Leistungen kann ich aufbauen»

Hinter Corinne Suter war Lara Gut-Behrami die zweitbeste Schweizerin auf Platz 12. Sie sagte: «Wir sind drei Sekunden schneller als im Training, wir kommen darum schneller auf den Sprung. Die Kante müsste tiefer sein. Man hat lange daran gearbeitet, aber es wurde immer schlimmer.» Die Tessinerin zog im Allgemeinen eine positive Bilanz.

Lara Gut-Behrami: «Das ist das erste Wochenende in dieser Saison, an dem ich zwei Rennen so fahre, wie ich es mir vorgenommen habe.»

Lara Gut-Behrami: «Das ist das erste Wochenende in dieser Saison, an dem ich zwei Rennen so fahre, wie ich es mir vorgenommen habe.»

«Das ist das erste Wochenende in dieser Saison, an dem ich zwei Rennen so fahre, wie ich es mir vorgenommen habe. Auf diesen Leistungen kann ich aufbauen.» Gut-Behrami wir nun zwei Tage Riesenslalom trainieren und danach in Absprache mit Cheftrainer Beat Tschuor entscheiden, ob sie am kommenden Freitag auch den Riesenslalom von Maribor bestreiten wird, oder ob sie sich für die WM schont.

Goggia gönnt sich einen Schluck

Nicht im Schongang fuhr Sofia Goggia. Die wirblige Italienerin, die sich im Oktober am Knöchel verletzte, erlebte ein nahezu perfektes Weltcup-Comeback. Nach ihren zweiten Platz im Super-G wurde sie auch in der Abfahrt Zweite. Der Sieg ging an die Österreicherin Stephanie Venier.

Goggia zeigte wie gewohnt eine wilde Fahrt. Sie sagte bei der Pressekonferenz: «Ich war überrascht, wie weit der Sprung ging.» Und auch sie fand es «nicht fair», das die Bedingungen geändert wurden. Wenig später stieg sie vom Podium im Medienzelt, marschierte auf direktem Weg zum nächstgelegenen Kühlschrank, öffnete eine grosse Bierflasche und trank einen Schluck. Der Sprung schien ihr keine Angst eingejagt zu haben.