Ski alpin

Ein gefährlich gutes Gefühl: Lara Gut-Behrami fährt zu sauber

Lara Gut-Behrami ist unzufrieden.

Lara Gut-Behrami macht im WM-Super-G keinen Fehler und klassiert sich doch nur auf Rang neun.

Der Skisport kann manchmal verwirrend sein. Selbst für die Athletinnen. Immer dann, wenn das Gefühl auf der Piste gut ist, die Zeit im Ziel aber nicht. Lara Gut-Behrami sagte gestern nach Rang neun im Super-G: «Ich habe gemerkt, dass ich sehr sauber fahre.» Das fühlte sich gut an. Gefährlich gut. Im Skisport ist die schönste Linie nicht immer die schnellste. «Erst im Ziel habe ich dann realisiert, dass ich zwar sauber gefahren bin, aber nie ausreichend beschleunigen konnte.»

In Schönheit schleichen – es passiert den Skisportlern immer wieder. Fehlerlos ins Mittelfeld. Wer schnell ist, macht Fehler. Mikaela Shiffrin zum Beispiel, die neue Weltmeisterin. Die 23-Jährige unterschätze die Position eines Tores, berührte die Stange und konnte sie nur knapp passieren. Es war eine Schrecksekunde, die aber kaum Zeit gekostet hat.

Vertrauen auf den Instinkt

Gut-Behrami hingegen sagt: «Ich bin zu rund gefahren.» Schrecksekunden gab es für sie keine. Sie war souverän und sicher unterwegs. Aber eben: auch langsam. Dabei zeichnet es die 27-Jährige normalerweise aus, instinktiv zu fahren. So ist sie in der Regel im Super-G, für den es kein Training gibt und Gefühl und Talent über Sieg und Niederlage entscheiden, am besten. Zweimal stand sie in dieser Disziplin schon auf dem Podest – und dies, obwohl vieles bei ihr nicht so funktioniert, wie sie es will und könnte.

Die anderen sieben Milliarden

Mit dem Wissen um ihre momentane Verunsicherung versucht Gut-Behrami, sich während des Rennens wenig Gedanken zu machen. Die Intuition soll sie nach unten führen. Gestern aber funktionierte der Plan nicht, täuschte sie ihr Gefühl. Rang neun ist eine Enttäuschung. Auch wenn sie am Tag vor dem Rennen sagte: «Jeder Athlet sollte mehr Respekt erhalten. Auch wenn man schlecht fährt und nur die 30.-Beste der Welt wird, hat man ja trotzdem mehr als sieben Milliarden Menschen hinter sich gelassen.»

Das ist natürlich eine komplett übertriebene Auslegung. Trotzdem hilft es Lara Gut-Behrami im Moment, Niederlagen zu verkraften. An der WM in Åre hat sie am Sonntag in der Abfahrt eine weitere Chance. Dort ist ihr Rückstand auf die Elite in dieser Saison aber noch grösser. Die Verunsicherung ist ihr anzumerken. Wenn sie dann auch noch ihr Gefühl täuscht, wird es erst recht schwierig.

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