Dieses Wochenende in Sölden und Anfang November in Levi startet der Weltcup mit zwei technischen Bewerben. Die Erwartungen sind relativ bescheiden.

Hans Flatscher: Wir haben im Weltcup keine eigentliche Technikerinnen-Gruppe. Dieser Realität muss man in die Augen sehen. Wir werden in diesem Winter wahrscheinlich gar nicht alle Startplätze beanspruchen. Die jungen Fahrerinnen sind im Europacup besser aufgehoben. Wenn wir nicht akribisch an dieser Strategie arbeiten, drehen wir uns im Kreis.

Also Sorge tragen zu den Talenten?

Es gibt junge Athletinnen der Jahrgänge 1993 und 1994, die imstande sind, schnell zu fahren. Für sie wäre der Weltcup der falsche Weg. Wir wollen eine Technik-Mannschaft aufbauen und in Kauf nehmen, dass es Phasen gibt, wo wir im Weltcup dünn besetzt sind. Einige werden sich dann vielleicht fragen: Was machen denn die? Warum ist noch niemand da?

Sotschi 2014 ist kein Ziel mehr?

Von Kampfansagen, wo die Mannschaft in einem oder zwei Jahren sein wird, halte ich wenig. Die erzeugen nur Druck, der niemandem dient. Die Entwicklung muss sichtbar sein. Ob sie über den Europacup oder den Weltcup kommt, ist egal. Wir müssen behutsam vorgehen und nicht glauben, wir müssten voll durchstarten nach dem Motto: Alle ins Feuer werfen, eine wird schon durchkommen. Im Zentrum steht die Bildung einer Mannschaft.

Trotzdem besteht die Gefahr, dass Ihre Gattin Sonja Nef als letzte Schweizer Weltcupsiegerin abgelöst wird, vorläufig kaum?

Nein, das wäre nicht realistisch. Aber es ist schon mein Ziel, Sonja zu entthronen. Bei aller Liebe, irgendwann sollte das passieren.

Ein Trainerwechsel im Slalom war unumgänglich. Die Athletinnen waren zwar zufrieden mit ihrem Trainer, aber die Fortschritte liessen zu wünschen übrig.

Ich habe mit den ‹Fräuleins› darüber geredet und mich nach ihrer Meinung erkundigt. Ich bin aber zum Schluss gekommen, dass 18- und 19-Jährige sich nur schwer ein Urteil bilden
können, was ein guter oder schlechter Trainer ist. Ich habe primär mit ihnen gesprochen, um einen Eindruck zu bekommen. Für mich war bald klar, dass die Vertrauensbasis nicht vorhanden war, um auf die gleiche Weise weiterzumachen.

Im C-Kader, dem Team der Zukunft, herrscht eine gute Stimmung mit einer gesunden Rivalität?

Ich habe die Priorität darauf gelegt, dass alle am gleichen Strick ziehen. Ich versuche, so oft wie möglich auf der Piste zu sein, um zu spüren, was an der Front abgeht, bis ins C-Kader. Ich möchte den Trainern Vertrauen geben und sie in ihrer Aufgabe stärken, mutig und entscheidungsfreudig zu sein. Sie sollen nicht Angst haben, etwas verkehrt zu machen.

Im Fokus stehen weiterhin die Speed-Fahrerinnen, von denen aber zahlreiche aus Verletzungen zurückkehren.

Mitte September standen alle, teilweise reduziert, wieder auf Ski. Das hat mich brutal gefreut. Von ihnen darf man etwas erwarten. Wie die beiden Leistungsträgerinnen Dominique Gisin und Fabienne Suter aus ihren Verletzungen zurückehren, ist schwer vorauszusehen. Wir wissen, dass das erste Jahr nach einer Verletzung immer schwierig ist. Aber wir haben ja noch ein paar andere im Speed-Kader. Ich bin überzeugt, dort wird schon was gehen.

Und Lara Gut? Wie bringen Sie sich in das «Privatteam Gut» ein?

Ich versuche, es sehr einfach zu halten. Wir haben alle das gleiche Ziel. Wir wollen, dass Lara schnell Ski fährt. Ich unterstütze alles, was dafür förderlich ist. Im Moment ist sie ziemlich integriert in die Speed-Mannschaft, und auch die Planung geht in diese Richtung, dass sie dort voll mitmacht. Ich behandle Lara gleich wie alle andern und gebe die Informationen und Erkenntnisse an ihren Vater Pauli oder an sie direkt weiter. Wenn alle die Sache ins Zentrum stellen, muss es funktionieren.

Im letzten Jahr musste sich das Frauen-Team mit einem 6. Rang in der Nationenwertung begnügen?

Es kann ja nicht sein, dass die Schweiz, die eine Skination ist, auf dem 6. Platz liegt. Das ist kein Zustand, mit dem ich mich abfinden könnte.