Ski Alpin
Das Interview-Verbot für den Reporter-Vater von Slalomfahrer Ramon Zenhäusern

Peter Zenhäusern hat eine Regel. Obwohl er als Reporter jedes Jahr die Schweizer Skirennen in Adelboden und Wengen für ein Walliser Lokalradio besucht, Beiträge über seinen Sohn sind tabu. «Als Vater bin ich zu wenig neutral», sagt er.

Martin Probst
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Ramon Zehnhäusern verpasst das Slalompodest um neun Hundertstelsekunden.

Ramon Zehnhäusern verpasst das Slalompodest um neun Hundertstelsekunden.

Keystone

Sein Sohn Ramon ist Slalomfahrer und ist in dieser Saison in Zagreb 13. und Adelboden 15. geworden. Damit hat der 25-jährige Walliser die Selektionskriterien für die Olympischen Spiele erfüllt. «Ich hoffe, dass ihm dies die Sicherheit gibt, mal noch etwas mehr zu riskieren», sagt Vater Peter am Freitagabend nicht im Radio, aber immerhin den Journalistenkollegen. Seine Regel bleibt so unverletzt.

Heute aber hatte es Peter Zenhäusern schwer, sich daran zu halten. Ramon war in Wengen nicht nur bester Schweizer, als Vierter verpasste er das Podest nur um neun Hundertstel. Sein Bestresultat im Weltcup, ein 7. Rang vor zwei Jahren in Adelboden, hat er damit trotzdem übertroffen.

«Es ist ein unglaubliches Gefühl», sagt Ramon Zenhäusern dann zwar nicht ins Mikrofon des Vaters, aber dafür in jedes andere im Ziel in Wengen. «Natürlich ist es schade, so knapp den ersten Podestplatz zu verpassen. Trotzdem überwiegt die Freude, weil ich endlich im Rennen zeigen konnte, was im Training schon oft klappte.»

Ramon Zenhäusern zeigte im Slalom von Wengen zwei Top-Läufe

Ramon Zenhäusern zeigte im Slalom von Wengen zwei Top-Läufe

KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Hirscher mit achtem Saisonsieg

Zenhäusern misst sich in den Übungsläufen regelmässig mit Luca Aerni, Daniel Yule und Loïc Meillard. Aerni stand vor Weihnachten erstmals im Weltcup auf dem Podest, Yule wurde in dieser Saison schon zweimal Vierter, Meillard einmal Sechster und einmal Achter. Von diesem Trio schaffte es nur Daniel Yule als Elfter ins Ziel. Doch Zenhäusern sprang ein und sorgte für das nächste Top-Ten-Resultat eines Schweizers. Es ist der Beweis dafür, wie breit und gut das Slalom-Team aufgestellt ist.

Gewonnen wurde das Rennen von Marcel Hirscher. Der sechsfache Gesamtweltcupgewinner stand in Wengen zuvor schon viermal auf dem Podest, aber nie als Sieger. Es war eine der letzten Lücken in der unglaublichen Liste von Erfolgen des 28-jährigen Österreichers. Nun fehlt Hirscher, der sein achtes Weltcuprennen der Saison und das 53. insgesamt gewann, eigentlich nur noch Olympiagold.

«Es ist schön, nun auch in Wengen gewonnen zu haben», sagt Hirscher, der den Lauberhorn-Sieger der vergangenen zwei Saisons, Henrik Kristoffersen, um fast eine Sekunde hinter sich liess. Der Norweger klassierte sich zum siebten Mal in dieser Saison auf Rang zwei. «Keine Ahnung, wie ich Hirscher schlagen soll», sagt er schon fast resigniert. Dritter wurde der Schwede André Myhrer, der in Wengen schon 2010 und 2012 auf dem Podest stand.