Als Åre 1977 zum dritten Mal einen Weltcup austrug, hatten die Veranstalter besonderes Glück. Denn sie hielten ein starkes Publikumsmagnet in der Hand: Ingemar Stenmark. Der Schwede war eben erst 21 Jahre alt geworden, konnte aber bereits Weltcup-Siege sowie WM- und Olympia-Bronze vorweisen. Die ersten Weltcup-Rennen von Åre, 1969 und 1971, kamen für Stenmark zu früh. Sein Debüt auf höchster Stufe folgte 1973.

Stenmark stammt nicht aus Åre, doch er muss 1977 bereits ganz Schweden in seinen Bann gezogen haben. Es heisst, der zugefrorene See von Åre sei komplett mit Autos zugeparkt gewesen. Wahrscheinlich hat die Zeit die Erzählung blumiger gemacht. Der See namens Åresjörn ist 6400 Quadratkilometer gross. Auch wenn die 29 000 Zuschauer einzeln mit dem Auto angereist wären, hätte man Mühe gehabt die ganze Seefläche zu füllen. Stenmark bremste die Euphorie jedenfalls nicht. Er gewann Slalom und Riesenslalom an diesem Wochenende. Und er kurbelte die Begeisterung fürs Skifahren bei den Landsleuten zusätzlich an.

Der Aufschwung von Åre ist eng mit Stenmark verknüpft. Ende der 1970er-Jahre gewinnt die Entwicklung an Tempo. Es wird in die Infrastruktur des Skigebiets investiert, neue Liftanlagen, Hotels und Restaurants entstehen. Der höchste Berg, der Åreskutan, ist zwar nur 1240 Meter hoch. Um Schneesicherheit braucht man sich in diesen Breitengraden jedoch nicht zu sorgen.

Åre liegt in der Mitte Schwedens, am westlichen Rand, nur 70 Kilometer von der Grenze zu Norwegen entfernt. Der Ort brachte erfolgreiche Skifahrer heraus. Vor allem Lars-Börje Eriksson und Kajsa Kling. Beide haben Podestplätze im Weltcup erreicht, aktiv sind sie nicht mehr. Ebenfalls hier geboren sind die Eishockey-Zwillinge Henrik und Joel Lundqvist. Sie spielen in der nordamerikanischen NHL, Henrik hat sich im Tor der New York Rangers einen Namen gemacht.

10 000 Franken Miete

Der Skiort veranstaltet schon die dritte WM, 1954 die erste, 2007 die zweite. Für die Ausgabe 2019 haben sich die Veranstalter das Motto ausgedacht, die Welt zum Skifahren zu inspirieren. Oder anders gesagt, zum Skifahren nach Åre zu locken. Niklas Carlsson, der CEO dieser WM, hofft auf künftige Klientel von ausserhalb Skandinaviens. «Die WM ist ein effektiver Weg, um zu zeigen, dass man hier exzellent Skifahren kann. Leute aus Holland, Grossbritannien, Deutschland oder Russland entscheiden sich, ob sie in die Alpen fahren oder zu uns kommen. Wir haben hier einen richtigen Winter, es ist kalt, das wollen die Leute.» Er glaube, der Nutzen dieser WM sei, dass die Gästezahlen steigen würden. Schon jetzt kommen jährlich 800 000 Touristen hierher.

Werbung in eigener Sache will man auch im Hinblick auf die Olympiakandidatur für 2026 machen. Stockholm geht mit den Partnern Åre und Falun ins Rennen. Bevor im Herbst die Vergabe stattfindet, soll demonstriert werden, wie gut Schweden im Organisieren von Grossanlässen ist. Denn nach der Ski-WM findet Anfang März die WM der Biathleten in Östersund statt. «Ich hoffe, unsere Leistungen werden vom IOC bei seiner Entscheidung berücksichtigt», sagt Lasse Lindqvist, der Verwaltungsratspräsident der Ski-WM. Auch wenn die Anlässe mustergültig ablaufen sollten, fehlt der politische Rückhalt. Der Stadtrat von Stockholm lehnte die Kandidatur bereits ab.

Profitieren von der WM dürften einige der 1400 Einwohner von Åre. Besucher und Journalisten brauchen alle ein Zimmer, die Nachfrage ist gross, das Angebot überschaubar. Über die Online-Plattform Airbnb vermietete uns eine Familie ihr Haus für 200 Franken pro Nacht. Es hat fünf Zimmer, ist gut gelegen. Monate später, nachdem ein besseres Angebot für ihr Haus eingegangen war, hob die Familie den Preis auf 600 Franken pro Nacht an. Während der WM kassiert sie nun 10 000 Franken Miete. Noch mehr Geld könnten sie höchstens verlangen, wenn die olympischen Skirennen nach Åre kämen.