Ein erstes Anzeichen dafür, dass die Woche in Kitzbühel für Aksel Svindal ausserplanmässig verlaufen könnte, hatte es am Dienstag gegeben. Wortlos und mit ernster Miene verliess der Norweger nach dem ersten Abfahrtstraining den Zielraum am Fusse der Streif. Ausgerechnet er, der sich normalerweise viel Zeit nimmt, um sich mit Trainern und Fahrerkollegen auszutauschen oder seine Eindrücke den Medienvertretern zu schildern, mochte nicht reden. Zu sehr war er mit sich selber beschäftigt, zu gross waren die Sorgen um sein rechtes Knie und das Bedürfnis nach Pflege.

Aksel Lund Svindal blieb nach seinem spektakulären Sturz zum Glück unversehrt.

Aksel Lund Svindal blieb nach seinem spektakulären Sturz zum Glück unversehrt.

Erneut hatte die Streif ihren Tribut gefordert - die Piste, die Svindal schon so oft die kalte Schulter und vor drei Jahren sogar ihr hässlichstes Gesicht gezeigt hatte. Bei der Hausbergkante hatte sie ihn abgeworfen, ein Kreuzband- und Meniskusriss waren die verheerenden Folgen des Sturzes, mit dem sich ein weiteres Mal der Traum des ersten Abfahrtssieges auf brutalste Weise in Luft aufgelöst hatte.

Einmal Zweiter

Zwölf Anläufe hat Svindal mittlerweile unternommen, um eine der letzten Lücken in seinem Palmarès schliessen zu können. Im Gegensatz zum Super-G, den er schon dreimal gewann, hat es in der Abfahrt in Kitzbühel mit dem Sieg nie geklappt. Ein einziger Podestplatz ist es bisher geworden. Vor fünf Jahren hatte Svindal hinter dem Österreicher Hannes Reichelt Platz 2 erreicht. Eine äusserst bescheidene Ausbeute für einen hochdekorierten Athleten.

Logisch, dass sich Svindal mit der Frage nach dem Warum beschäftigt. Zu begründen vermag er das stete Scheitern auf der Streif nicht. Es bleibt bei Vermutungen. "Vielleicht ist es kein Zufall, dass ich in der Abfahrt hier in Kitzbühel noch nie gewonnen habe. Es ist möglich, dass ich manche Passagen einfach nicht schnell genug fahren kann. Von Pech zu reden, dass ich es noch nie geschafft habe, wäre wohl verfehlt."

Svindal wird nach seinem Crash in Kitzbühel von den Sanitätern von der Unfallstelle wegbegleitet.

Svindal wird nach seinem Crash in Kitzbühel von den Sanitätern von der Unfallstelle wegbegleitet.

Dass es in diesem Jahr klappen könnte, dafür spricht im Moment nicht allzu viel. Im zweiten Training am Donnerstag war Svindal nicht am Start. Stattdessen reiste er nach Innsbruck, um sich das Problemknie untersuchen und behandeln zu lassen. Die Wahrscheinlichkeit, dass er auf die Teilnahme in der Abfahrt am Freitag und im Super-G am Sonntag verzichten muss, scheint gross zu sein, grösser jedenfalls als die Chance auf den Premieren-Sieg.

Fragen über Fragen

Svindal wird sich mit weiteren Fragen beschäftigen müssen. Ist es vernünftig, auf der schwierigsten Piste im Weltcup mit akuten körperlichen Problemen anzutreten? Ist es das Risiko wert, ohne reelle Chance auf eine Spitzenklassierung zu starten? Würde ein Verzicht nicht mehr Sinn machen - auch deshalb, um die Teilnahme an den in der übernächsten Woche beginnenden Weltmeisterschaften in Are nicht zu gefährden?

Svindal weiss aber auch, dass er in Kitzbühel nicht mehr allzu oft antreten wird - vielleicht wäre es in den nächsten Tagen schon das letzte Mal. Er weiss, dass die innere Uhr für ihn als 36-Jährigen tickt und der Rücktritt nicht mehr allzu fern sein wird. Vage hat er sich zu diesem Thema schon oft geäussert. "Man muss sich überlegen, wie lange es noch Sinn macht. Du bist entweder voll und ganz dabei oder gar nicht", hat Svindal kürzlich in einem Interview gesagt.

Die Antworten kennt Svindal ganz allein. Nicht nur seinen Rücktritt betreffend. Auch in Bezug auf seine Einsätze am Freitag und Sonntag in Kitzbühel.