Ski Nordisch
Die Kanadierin Zoe Williams läuft in Realp allen auf und davon

Anstelle der abgesagten Universiade bestreitet Zoe Williams den Bürer Langlauf in Realp. Dabei deklassiert die 24-Jährige aus Québec die regionale Elite.

Urs Hanhart
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Eine Klasse für sich: Tagessiegerin Zoe Williams.

Eine Klasse für sich: Tagessiegerin Zoe Williams.

Bild: Urs Hanhart (Realp, 5. Dezember 2021)

Beim regionalen Saisonauftaktrennen, das am Sonntag vom SC Büren-Oberdorf organisiert, aber wie schon seit vielen Jahren gewohnt in Realp zuhinterst im Urserntal ausgetragen wurde, sorgte eine Athletin für Furore, die in unseren Breitengraden zuvor wohl kaum jemand kannte. Zoe Williams aus Québec in Kanada lieferte im Klassischrennen der Frauen über sechs Kilometer eine überragende Leistung ab. Sie startete in diesem Einzelstartwettkampf als eine der letzten und stürmte an allen vorbei, die vor ihr ins Rennen gestiegen waren.

Letztlich kam Williams allein auf weiter Flur als Erste ins Ziel. Das spiegelte sich auch in der Rangliste: Die 24-jährige Kanadierin sicherte sich mit sagenhaften 2:16 Minuten Vorsprung auf Silvia Buholzer (SC Horw) den Tagessieg bei den Frauen. Luana Feubli vom SC Büren-Oberdorf büsste als Tagesdritte 2:20 Minuten auf die völlig entfesselte Überfliegerin ein.

Studentin stammt aus einer langlaufverrückten Familie

«Ich hatte einen guten Ski und konnte voll durchziehen», bilanzierte Williams nach dem ersten Durchschnaufen. Eigentlich hatte sie weit Grösseres vor, als in einem Schweizer Regionalrennen zu glänzen. Sie wollte an der Winteruniversiade teilnehmen, die vom 11. bis 21. Dezember in der Zentralschweiz hätte stattfinden sollen, jedoch aufgrund der ungünstigen Corona-Entwicklung abgesagt werden musste. «Ich weile schon seit mehreren Wochen in der Schweiz, um mich optimal auf diesen Grossanlass vorzubereiten», verriet die angehende Psychologin. Und sie ergänzte:

«Die Absage ist sehr schade, zumal es meine letzte Chance war, an einer Universiade mitzumachen. Zudem hätte ich gegen meine Schwester antreten können, die sich ebenfalls für das kanadische Team qualifiziert hat. Aber ich kann durchaus verstehen und nachvollziehen, dass sich die Organisatoren für eine Absage entschieden haben.»

Cyril Fähndrich läuft herausragend

Nadine Fähndrich mass sich in Lillehammer auf oberster Stufe im Weltcup. Dennoch sorgte bei den Continental-Cup-Rennen im Goms ein Fähndrich für den Schweizer Höhepunkt: Cyril Fähndrich (22). Im 15-km-Klassisch-Rennen belegte der Bruder des Frauenlanglauf-Aushängeschildes Platz 5. Nur 9,5 Sekunden fehlten zum Podestrang. Alle vor ihm klassierten Widersacher waren älter. Nicht zufrieden zeigte sich der Eigentaler nach den beiden folgenden Rennen: Platz 19 im Sprint und Platz 21 im Massenstart-Skating. Aus Innerschweizer Sicht überzeugten auch Ramona Schöpfer (17, Marbach) mit den Rängen 14 und 16 sowie Nadja Steiger (17, Horw) als einmal Zweit- (Rang 23) und einmal Drittschnellste (21) ihres Jahrganges. (gg)

Die schnelle Studentin entstammt einer langlaufbegeisterten Familie. «Kaum konnte ich laufen, stand ich bereits auf den schmalen Latten», erklärte sie. «Im Alter von acht Jahren habe ich dann die ersten Kinderrennen bestritten.» Seither legte Williams eine eindrückliche Karriere hin. Bei den nationalen Meisterschaften erkämpfte sie sich in der Elitekategorie als bisheriges Bestergebnis im Skatingsprint den 5. Platz. Zudem holte sie im Teamsprint mehrfach nationales Edelmetall. Trotz diesen starken Ergebnissen hat sie den Sprung in die kanadische Nationalmannschaft und in den Weltcup bislang nicht geschafft.

«Über den Schnee zu gleiten, macht mir unglaublich Spass. Wenn es mir gut läuft, habe ich jeweils das Gefühl, fast zu fliegen»,

so die Nordamerikanerin, die am Tag vor dem Bürer Langlauf bereits ein Rennen in Pontresina absolvierte und dort den 2. Platz belegte. Bald fliegt Williams mit ihrer guten Form im Gepäck wieder zurück in ihre Heimat. In Kanada will sie als Erstes an einem Wettkampf starten, der zu Ehren des ehemaligen 50-Kilometer-Weltmeisters Alex Harvey ins Leben gerufen worden ist. Der ehemalige Langlauf-Topstar stammt ebenfalls aus Québec.

Im Rennen der Männer über 10 Kilometer sicherte sich Williams’ Lebensgefährte Alex Maycock mit 24 Sekunden Rückstand auf Tagessieger Philippe Nicollier (SAS Bern) als Dritter ebenfalls einen Podestplatz. Als bester Zentralschweizer klassierte sich Bruno Briker vom SC Unterschächen im 7. Gesamtrang.

Resultate: swiss-ski-kwo.ch