Nations League
Sensationell! Die Schweiz gewinnt gegen Belgien nach 0:2-Rückstand mit 5:2 und steht im Final Four der Nations League!

Die Schweiz verpennt im entscheidenden Nations-League-Spiel gegen Belgien die Startphase und liegt durch einen Doppelpack von Thorgan Hazard schnell mit 0:2 hinten. Doch ein Elfmetergeschenk und zwei Seferovic-Treffer bringen noch vor der Pause die Wende. Nach der Pause sorgen Elvedi und Seferovic mit zwei weiteren Toren für den Gruppensieg und einen denkwürdigen Abend.

Christian Brägger
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Elvedi macht seinen Fehler wieder gut und trifft zum 4:2.
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Thomas Meunier verzweifelt.
Kevin Mbabu gegen Eden Hazard.
Seferovic im Duell mit Belgiens Keeper Courtois.
Nico Elvedi klärt.
Mbabu gegen Denayer.
Mbabu kriegt mit etwas Glück einen Penalty zugesprochen.
Luzern in Ekstase: Die Schweiz dreht die Partie.
Courtois kommt nicht an diesen Ball.
Die Schweiz dreht tatsächlich einen 0:2-Rückstand.
Hier drückt Seferovic den Ball zum Ausgleich hinter die Linie.
Schweiz Belgien Nations League
Belgiens Axel Witsel geht gegen Freuler zu Boden.
Rodriguez verwandelt einen Elfmeter eiskalt zum 1:2.
Bitter. Schon nach 70 Sekunden trifft Thorgan Hazard zum 1:0 für Belgien.
Kevin Mbabu mit vollem Einsatz gegen Belgiens Chadli.
Fantechnisch sieht es in Luzern schon einiges besser aus als beim Spiel gegen Katar in Lugano.

Elvedi macht seinen Fehler wieder gut und trifft zum 4:2.

ALEXANDRA WEY

Was für eine Fussballnacht. Was für eine Reaktion auf die «Betriebsblamage» unter der Woche gegen Katar. Endlich lösen die Schweizer ihr Versprechen und besiegen mit Belgien einen Grossen. Und wie sie ihn besiegen.

Dabei wissen die Schweizer: Sie müssen die Belgier unbedingt bezwingen, wenn sie nächsten Juni mit England zum Gastgeber Portugal an die Endrunde der Nations League wollen. Doch schon nach lediglich 66 Sekunden ist ihr schöner Matchplan überholt, den sie sich mit ihrem Trainer Vladimir Petkovic zurechtgelegt haben gegen die Weltnummer eins.

Und statt Achtung, fertig – los müsste es bereits heissen: Achtung, fertig – aus. Weil Nico Elvedi neben Timm Klose in der Innenverteidigung zu Beginn viel Mühe hat und seinem Gladbach-Klubkollegen Thorgan Hazard den Ball auflegt. Und dieser seinen Gladbach-Klubkollegen Yann Sommer locker bezwingt. Die Schweizer versuchen, sich sofort neu zu sortieren, aber es gelingt nicht. Vielmehr erzielt derselbe Hazard das 2:0, weil man ihn walten lässt; nun müssten die Schweizer mindestens vier Tore erzielen und keines mehr kassieren fürs Final-Turnier der Nations League.

Die Schweiz nimmt Fahrt auf

Doch dann tritt ein, woran niemand mehr glaubt. Es geschieht Wundersames nach dem anfänglichen Katz-und-Maus-Spiel der Belgier, die Schweizer nehmen plötzlich Fahrt auf. In der 26. Minute verwertet Ricardo Rodriguez den Elfmeter, den Aussenverteidiger Kevin Mbabu herausgeholt hat. Der Anschlusstreffer gibt Rückenwind, Petkovic stellt sofort auf die getestete Dreierkette um, spielt jetzt schon die Karte Risiko.

Die Noten der Schweizer:

Yann Sommer: Note 5 Der Goalie muss rasch zweimal hinter sich greifen – aber weder das 0:1, noch das 0:2 ist haltbar. Danach hält er mehrfach stark.
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Kevin Mbabu: Note 5.5 Starker Auftritt. Defensiv gewinnt er viele Zweikämpfe, offensiv hat er viele Vorstösse. Holt den Penalty zum 1:2 raus und bereitet das 5:2 vor.
Nico Elvedi: Note 4 Was für ein Bock zum Start! Er verschuldet das 0:1, sieht auch beim 0:2 nicht glücklich aus. Steigert sich aber in der Folge und trifft per Kopf zum 4:2.
Timm Klose: Note 5 Erhält seit langem wieder einmal die Chance in der Startelf. Der Basler nutzt die Chance mit einem beherzten Auftritt. Er gewinnt viele Zweikämpfe.
Ricardo Rodriguez: Note 5 Beim 0:2 ist er zu passiv, schaut zu wie Thorgan Hazard trifft. Er erzielt dafür das 1:2 per Penalty und bereitet das 2:2 mit einer Flanke vor.
Granit Xhaka: Note 5 Der Captain führt das Team als Taktgeber und Regisseur im Mittelfeld an. Er spielt viele clevere Pässe, erobert ebenso viele Bälle.
Remo Freuler: Note 4.5 Fällt wie für seine Position üblich selten auf - ob positiv oder negativ. Hat zwei, drei gute Balleroberungen, ähnlich viele Ballverluste. Macht später Platz für Zakaria.
Edimilson Fernandes: Note 4.5 Erhält die Chance, weil viele Konkurrenten verletzt sind. Er bereitet das 3:2 für Seferovic vor. Kämpferisch und läuferisch ein guter Auftritt.
Xherdan Shaqiri: Note 5.5 Seine Vereinsform nimmt er mit: Der Kreativspieler sprüht vor riesiger Energie. Wunderschön sind vor allem die Vorlagen zum 2:2, 4:2 und 5:2.
Steven Zuber: Note 4.5 Er läuft sehr viel, rackert und hilft Defensiv mit. Jedoch setzt der Hoffenheim-Spieler wenig entscheidende Offensivakzente.
Haris Seferovic: Note 6 Sackstark! Der «Mann aus Sursee» schiesst bei seinem Luzerner Heim-Auftritt drei Treffer und wird mit einer Standing Ovation verabschiedet.
Denis Zakaria: Keine Note In der 79. Minute für Remo Freuler eingewechselt. Zu kurz für eine Bewertung.
Loris Benito: Keine Note In der 87. Minute für Steven Zuber eingewechselt. Zu kurzer Einsatz für eine Bewertung.
Albian Ajeti: Keine Note In der 92. Minute für Dreifach-Torschütze Haris Seferovic eingewechselt. Zu kurzer Einsatz für eine Bewertung.

Yann Sommer: Note 5 Der Goalie muss rasch zweimal hinter sich greifen – aber weder das 0:1, noch das 0:2 ist haltbar. Danach hält er mehrfach stark.

Keystone

Die Schweizer drücken, die Belgier wissen fast nicht mehr, wie ihnen geschieht, vier Minuten später trifft Haris Seferovic nach Kopfballvorlage von Xherdan Shaqiri zum 2:2. Es kommt noch besser, weil Seferovic in Luzern eine Art Heimspiel hat und nicht zu bremsen ist. Noch vor der Pause bringt der Stürmer die Schweiz nach einem Konter über Edimilson Fernandes, mit einem wunderbaren Abschluss in Führung. 3:2, was für eine Wende, was für eine starke Reaktion der Schweiz gegen diesen Koloss des Weltfussballs.

Die Schweiz will mehr

Die Frage ist, wie sich die Schweizer fortan verhalten sollen. Auf das vierte Tor drängen? Oder endlich den lang ersehnten Sieg gegen einen Grossen nach Hause bringen? Nach wenigen Minuten sieht man, dass die Schweiz mehr will. Seferovic scheitert knapp vor dem Tor, der omnipräsente Shaqiri zirkelt einen Freistoss über das Gehäuse. In der 62. Minute ist es dann soweit: Elvedi trifft mit dem Kopf nach einer Shaqiri-Flanke zum 4:2. 4:2!

Und was machen nun Eden Hazard und Co.? Wenig. Falls doch, ist Sommer zur Stelle, pariert zwei Weitschüsse grandios, später rettet er nochmals. Die unermüdlichen Schweizer setzen nochmals nach, Seferovic hat immer noch nicht genug und nickt in der 84. Minute den Ball zum 5:2 ein – auch in dieser Höhe verdient. Die 15000 Zuschauer sind aus dem Häuschen, Belgien mit fünf Gegentreffern besiegt. Es ist ein Triumph des Kollektivs, weil sich alle unglaublich steigern. Auch Petkovic. Wie sagte Shaqiri im Vorfeld? «Ihr müsst euch keine Sorgen machen.» Recht hat er gehabt.

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker von Jakob Weber: