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Sébastien Buemi im Interview: «Ich, unterschätzt? Mir egal!»

Der Schweizer Formel-E-Weltmeister Sébastien Buemi spricht über Anerkennung, die neuen Sauber-Investoren und sein Leben nach der Formel 1.

Calvin Stettler und Martin Probst
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Sébastien Buemi freut sich über den WM-Titel in der Formel E.

Sébastien Buemi freut sich über den WM-Titel in der Formel E.

KEYSTONE

Es gibt Einfacheres, als Sébastien Buemi zu erreichen. «Ich bin in Frankreich», sagt er am Telefon. «Ich bin gerade aus meinem Rennwagen ausgestiegen.» Auf seinem Programm stehen Testfahrten für die neue Saison in der Formel E, das mit Elektromotoren ausgerüstete Pendant zur Formel 1. Buemi wird als Titelverteidiger starten. Anfang dieses Monats wurde der 27-jährige Schweizer Weltmeister.

«Jetzt habe ich kurz Zeit», sagt er. Sein Renault hängt an der Steckdose. Die Batterien müssen wieder aufgeladen werden.

Sébastien Buemi, ein Formel-1-Weltmeister wird reich. Wird man als Formel-E-Weltmeister auch reich?

Sébastien Buemi: Es kommt darauf an, was für Sie reich sein bedeutet. Aber man verdient schon besser als in einem Durchschnitts-Job.

Im Automobilsport ist es schwierig, Geldgeber zu finden. Wie haben Sie diese ständige Suche nach Geld in Ihrer Karriere erlebt?

Ich hatte vor allem Glück, mit Red Bull einen potenten Partner auf meiner Seite zu wissen, der es mir ermöglichte, mich durch verschiedene Rennserien bis an die Formel 1 heranzutasten. Als Fahrer ist es existenziell, einen Mäzen oder eine Firma hinter sich zu haben, sonst ist die Finanzierung einer Rennsaison unmöglich.

Wie diffizil die Geldgeber-Suche ist, bekam auch der Schweizer Rennstall Sauber zu spüren.

Exakt. Ich bin froh, dass Sauber mit der Übernahme durch die Investment-Gesellschaft Longbow Finance eine gute Lösung gefunden hat. Es ist für alle Beteiligten eine Befreiung.

Sébastien Buemi im Cockpit des Renault e.dams.

Sébastien Buemi im Cockpit des Renault e.dams.

KEYSTONE/FR157633 AP/GUS RUELAS

Nach der Übernahme spekulierte man bereits darüber, wer künftig im Sauber-Cockpit sitzen wird. Dabei ist auch Ihr Name gefallen. Sind Sie im Kontakt mit Sauber?

Nein, leider nicht.

Der Wunsch, als Schweizer für ein Schweizer Formel-1-Team zu fahren, ist aber da?

Klar, es wäre speziell. Wenn mir ein Angebot unterbreitet würde, müsste man sicher erst mal alles besprechen. Ich würde das aber genau prüfen.

Werden wir Sébastien Buemi noch einmal in der Formel 1 sehen?

Ja, schon nächste Woche, wenn ich für Red Bull neue Reifen teste (lacht). Nein, im Ernst: Ich weiss es nicht. Dass ich im Moment aber sowohl in der Formel E als auch in der Langstrecken-WM starten kann, erfüllt mich ebenso. Cockpit-Plätze in der Formel 1 sind rar, zudem muss auch der Sponsor bereit sein, mehr zu zahlen.

Geld benötigt auch die Stadt Zürich. Sie will im September bei der Formel-E-Organisatorin die Bewerbung für ein Rennen deponieren.

Entschuldigen Sie, kann ich zurückrufen? Die Autobatterie ist voll und ich muss auf die Strecke.

Währenddessen beschäftigen wir uns mit Buemis Lebenslauf. Im Alter von sechs Jahren fuhr er seine ersten Kartrennen. Danach profilierte er sich in diversen Rennserien. Das nahmen auch die Scouts der Formel 1 wahr. Red Bull nahm den jungen Schweizer unter Vertrag. Bereits mit 21 Jahren erfüllte sich so der Bubentraum des Romands: Sein Debüt in der Formel 1 gab Buemi 2009. Zwei Jahre sammelte er für Toro Rosso Punkte. Dann wurde er abgesetzt. Seither fährt er für Toyota in der Langstrecken-WM und seit 2014 für Renault in der Formel E.

Dann klingelt das Telefon. «Ich bin wieder da», sagt Buemi. «Der Test ging gut.»

Zurück zu Zürichs Kandidatur: Wie gross ist die Chance, dass die Formel E in die Schweiz kommt?

Sébastien Buemi: Ich glaube, sie ist sehr gross. Die Organisation will dieses Rennen, jetzt liegt es nur noch daran, ein gutes Konzept zu präsentieren.

Das wäre ein weiterer Traum, der für Sie in Erfüllung gehen würde.

Ja, es wäre unglaublich. Als ich noch ein kleiner Junge war, war nur schon der Gedanke an ein Rundstrecken-Rennen in der Schweiz utopisch. Jetzt ist die Möglichkeit da. Wir sollten sie nutzen.

Wie wichtig ist Ihnen der Weltmeistertitel in der Formel E?

Unglaublich wichtig. Letztes Jahr fehlte mir ein mickriger Punkt zum WM-Titel. Zudem habe ich mit meinem Team das diesjährige 24-Stunden-Rennen in Le Mans nur nicht gewonnen, weil wir einen Defekt in der letzten Runde hatten. All das war schwierig, zu akzeptieren. Der WM-Titel in der Formel E hat mir nun aber gezeigt, dass ich noch gewinnen kann.

Fühlen Sie sich als Rennfahrer unterschätzt?

Wissen sie was, mir ist egal, was die Leute denken, und zu sehen glauben! Ich habe Pläne, die ich unabhängig von der öffentlichen Wahrnehmung durchziehe. Ich bin sowohl in der Langstrecken-WM als auch in der Formel E gut unterwegs, arbeite – auch, weil ich Testfahrer bei Red Bull bin – nahe an der Formel 1. Ich liefere immer wieder gute Leistungen und finde, dass ich noch immer ein Formel-1-Cockpit verdient hätte.

Die Rückkehr in die Formel 1 wäre ein Traum. Haben Sie noch andere Ziele als Rennfahrer?

Das 24-Stunden-Rennen von Le Mans zu gewinnen, wäre sicher so ein Traum. Meine Maxime aber ist alle Rennen zu gewinnen, an denen ich an den Start gehe.

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