Sportverbände stimmen zu
Der Schweizer Sport verpasst sich scharfe Ethik-Regeln

Die Delegierten der 60 anwesenden Verbände billigen an der Versammlung des Sportparlaments im Haus des Sports die Vorgaben für die neue Meldestelle von «Swiss Sport Integrity».

Rainer Sommerhalder
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Roger Schnegg, Direktor von Swiss Olympic, begann die Ausführungen zum neuen Ethik-Statut des Schweizer Sports mit einer Entschuldigung.

Roger Schnegg, Direktor von Swiss Olympic, begann die Ausführungen zum neuen Ethik-Statut des Schweizer Sports mit einer Entschuldigung.

Keystone

Ethische Grundsätze erhalten im Schweizer Sport einen neuen Stellenwert. Mit der Verabschiedung des Ethik-Statuts und der Wahl des Stiftungsrats von «Swiss Sport Integrity» schufen die Verbandsdelegierten im Sportparlament die Voraussetzungen für griffige Werkzeuge gegen Ethikverstösse. Sie geben damit die bislang auf Stufe der einzelnen Verbände geregelte Massnahmen-Autonomie ab.

Die bisherige Stiftung Antidoping Schweiz erweitert ihren Wirkungskreis und bearbeitet zusätzlich zu Dopingfällen ab dem 1. Januar auch potenzielle Ethikvorfälle. Die neue Abteilung wird vom Aargauer Juristen und früheren Direktor von Swiss Cycling, Markus Pfisterer, geleitet. Insgesamt stehen dafür 430 zusätzliche Stellenprozente zur Verfügung, wobei eine explizite Ermittlungsperson noch gesucht wird.

Eine Entschuldigung und Einstimmigkeit

Direktor Roger Schnegg begann seine Einleitung zur Abstimmung mit einer Entschuldigung: «Im Namen des Schweizer Sports entschuldigen wir uns bei allen Personen, die im Sport benachteiligt, verletzt oder belästigt wurden.» Offene Fragen gab es bei den Delegierten nach der Präsentation nicht. Die Abstimmung endete ohne Gegenstimmen. Offensichtlich ist den Vertreterinnen und Vertretern der Ernst der Lage bewusst. «Das ist ein enorm starkes Signal. Die Schweiz hat nun das weltweit fortschrittlichste Ethikreglement», quittierte Swiss-Olympic-Präsident Jürg Stahl die Abstimmung.

Mit der Einführung des Ethik-Statuts wurde auch eine Änderung der Verbandsstatuten notwendig. Die Mitglieder unterstellen sich den neuen Ethik-Richtlinien. Die erste gerichtliche Instanz heisst neu «Disziplinarkammer des Schweizer Sports». Sie wird auf maximal 16 Juristinnen und Juristen ausgebaut.

Zum Abstimmungspaket rund um das Ethik-Statut gehörte auch die Wahl des Stiftungsrats von «Swiss Sport Integrity». Präsident Ulrich Kurmann war bereits seit einem Jahr in der gleichen Funktion für Antidoping Schweiz verantwortlich. Neu im Stiftungsrat Einsitz nehmen Sportpsychologin Katharina Albertin, Sportjuristin Barbara Lustenberger sowie Bernard Schumacher, der Koordinator des Instituts für Ethik und Menschenrechte der Uni Freiburg.

Ein Rekordzuschuss an Wettgeldern

Die wichtigste Wahl des Abends war die Ernennung der aktiven Ruderin Jeannine Gmelin als Athletenvertreterin in den Exekutivrat. Sie ersetzt die ehemalige Schwimmerin Martina van Berkel. Swiss Olympic heisst mit Breakdance und Cheerleading auch zwei neue Mitgliedsverbände willkommen.

Erfreulich sieht trotz Corona die Finanzierung des Schweizer Sports aus. Swiss Olympic hat von seinem grössten Geldgeber, der Sport-Toto-Gesellschaft, für das laufende Jahr den Rekordbetrag von 48 Millionen Franken erhalten. Als zweiter Hauptunterstützer trägt das Bundesamt für Sport 38 Millionen zum Budget bei. Dies ermöglicht dem Dachverband für 2022 seinerseits rekordhohe Ausschüttungen von 61 Millionen an seine Mitgliedsorganisationen.