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Eishockey
So einfach ist es: Bern legt vor, weil es den besseren Goalie hat

Der SC Bern gewinnt in Davos 4:3 nach Verlängerung und braucht noch einen Sieg, um in den Viertelfinal zu kommen.

Klaus Zaugg
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Der erste Abend der Wahrheit. Es wird ein Drama in vier Akten. Es sind die beiden ruhmreichsten Leibchen unseres Hockeys. 47 Meistertitel stecken in den wunderbaren, klassischen HCD- und SCB-Dresses. Nie sind so viel Geschichte und Ruhm auf dem Eis vereinigt wie bei den Kollisionen dieser zwei Titanen des eidgenössischen, ja des europäischen Hockeys.

Aber eben: es ist nicht der Abend, um Anekdoten aus hundert Jahre Geschichte zu erzählen. Es ist der Abend der Wahrheit. Nun muss sich zeigen: wie viel wahrer SCB steckt noch im SCB-Dress? Und wie viel wahrer HCD in den HCD-Trikot? Während der ganzen Saison ist es im Flachland und in den Bergen um genau diese Frage gegangen. Der HCD und der SCB messen sich ja nicht im Final. Nicht im Halbfinal. Nicht einmal im Viertelfinal. Beide sind an den sportlichen Katzentisch verbannt worden. Sie spielen in den Pre-Playoffs um Platz 8. Eine Schmach. Für beide.

Zuerst kommt der wahre SCB zum Vorschein. Rau, selbstsicher, diszipliniert, zielstrebig. Einfaches Handwerk. Das Hockey echter Männer. So sind die Berner immer wieder Meister geworden. Nach dem ersten Akt dieses Dramas scheint alles klar. Der SCB führt 3:0. Der wahre SCB hat in einem Playoff-Spiel nie einen solchen Vorsprung aus den Händen gegeben. Aber bald wird sich zeigen: es ist halt doch nicht der wahre SCB.

Ein Davoser Goaliewechsel als Impuls zur Aufholjagd

Christian Wohlwend sieht sich in der ersten Pause genötigt, Robert Mayer durch Sandro Aeschlimann zu ersetzen. Der dritte Gegentreffer war haltbar. Der HCD-Coach tauscht den meistüberschätzten gegen den meistunterschätzten Goalie der Liga. Der wahre HCD ist noch nicht zum Vorschein gekommen. Nur ein Operetten-HCD. Tempospiel ohne Varianten, Fleiss ohne Selbstvertrauen. Brotlose Kunst rund ums Tor. Aber nicht vor dem Tor. Eishockey eher wie bei den Junioren. Nicht wie bei den Männern.

Aber im zweiten Akt, ab der 21. Minute sehen wir den wahren HCD. Variantenreicher, explosiver, direkter, bissiger, dominanter. Die Störarbeit zeigt Wirkung. Der SCB wankt. Bei «Halbzeit» ist der Vorsprung auf 3:2 geschrumpft. Und der HCD besteht den «Playoff-Mannbarkeits-Test». 80 Sekunden lang gelingt dem SCB mit fünf gegen drei in der Schlussphase dieses zweiten Aktes das wahrscheinlich vorentscheidende 4:2 nicht. Der wahre, standhafte SCB steht jetzt dem wahren, stürmischen HCD gegenüber. Und so ist es nur logisch, dass es nach 60 Minuten trotz 47:24 HCD-Torschüssen 3:3 steht und dieses Drama erst im vierten Akt entschieden wird. Und es hat durchaus seine Logik, dass in der 78. Minute Jesper Olofsson zum 4:3 trifft. Seit Anbeginn der Zeiten wissen wir: die Torhüter sind die Hauptdarsteller jedes wahren Dramas. Tomi Karhunen ist der wahre Held des Abends.

Der Berner Goalie Tomi Karhunen schnappt sich den Puck vor dem Davoser Marc Aeschlimann.

Der Berner Goalie Tomi Karhunen schnappt sich den Puck vor dem Davoser Marc Aeschlimann.

Bild: Jürgen Steiger / Keystone (Davos, 7. April 2021)

Der HCD hat diese Partie wegen Robert Mayer im ersten Drittel verloren. Mayer, der einzige Transferirrtum von Raeto Raffainer als HCD-Sportchef. Er hat den Match übrigens gemeinsam mit SCB-General Marc Lüthi und Untersportchefin Florence Schelling im Stadion erlebt.

Im zweiten Match gewinnen die SC-Rapperswil-Jona-Lakers auswärts in Biel 2:1.

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