Unihockey NLA
René Berliat befindet sich bei Floorball Köniz auf letzter Mission

Per Ende Saison tritt René Berliat als Trainer des NLA-Unihockeyteams Floorball Köniz zurück. Am Sonntag will er im vorerst letzten Spiel seiner Trainerkarriere Schweizer Meister werden.

Tobias Schalk
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René Berliat ist noch bis Sonntag mit Leidenschaft Trainer.

René Berliat ist noch bis Sonntag mit Leidenschaft Trainer.

Fabian Trees/imagepower.ch

René Berliat wird im Sommer 50. Weit mehr als die Hälfte seines Lebens hat er dem Unihockey und insbesondere Floorball Köniz gewidmet. An diesem Sonntag könnte er sich endgültig ein Denkmal setzen. Sein Team trifft im Superfinal (15.20/live SRF 2) auf Wiler-Ersigen und spielt um den Meistertitel. «Das wäre die Krönung meiner Karriere», bekennt Berliat.

Nachdem er in seinen späten Jugendjahren den damals sehr jungen und frischen Unihockeysport für sich entdeckt hatte und sofort den Sprung in die erste Mannschaft des Vorgängervereins UHC TLS Köniz schaffte, erkannte Berliat früh die Wichtigkeit der Nachwuchsarbeit, rief eine B-Juniorenmannschaft ins Leben und amtete als deren erster Trainer. Später führte er das Fanionteam von Köniz als Spielertrainer, ehe er zum Pionier wurde und als erster Schweizer Coach überhaupt nach Schweden ging – ins Mutterland des Unihockeys.

Mehrfach betreute Berliat in seiner Karriere das Könizer Fanionteam und folgte auch dem Ruf der Nationalmannschaft. Seit 2015 ist er nun zurück bei Köniz als Ausbildungsverantwortlicher und NLA-Cheftrainer.

Zweifelsohne ist Berliat eine der einflussreichsten Figuren im Schweizer Unihockeysport. Doch ein Manko besteht – trotz seiner zahlreichen Erfolge auf Junioren-Stufe, trotz Cup-Siegen und Erfolgen beim vorsaisonalen Supercup fehlt eine Auszeichnung im Palmarès: der Meistertitel – bekanntlich das Nonplusultra.

Ein reizvolles Duell

Diese letzte Lücke im Trophäenschrank könnte Berliat, der frühzeitig seinen Rücktritt per Ende Saison als Könizer Cheftrainer bekannt gegeben hat, am Sonntag im vorerst letzten Spiel seiner Karriere füllen.

Dabei könnte die Affiche für den Superfinal reizvoller nicht sein: Es kommt zum innerbernischen Derby zwischen Serienmeister SV Wiler-Ersigen und Floorball Köniz, das zwar durch eine exzellente Nachwuchsabteilung besticht, aber dem grossen Rivalen punkto Erfolgen längst nicht das Wasser reichen kann.

Und dann steht da auf der Gegenseite beim Wiler-Ersigen sein grosser Antipode hinter der Bande: Thomas Berger, seines Zeichens erfolgreichster Trainer im Lande. Dass die beiden das Heu nicht eben auf derselben Bühne, ist hinlänglich bekannt.

Bei Berliat tönt das so: «Ich respektiere ihn als sportlichen Widersacher. Wir sind in vielen Bereichen unterschiedlich und ich kann da teils wenig damit anfangen, aber das beruht wohl auf Gegenseitigkeit.»

Funktioniert das überhaupt?

Ende Monat, wenn sein Vertrag ausläuft, soll also Schluss sein. Ein René Berliat ohne ein Traineramt? Für Szenekenner schier unvorstellbar. Und darum stellt sich die Frage: Funktioniert das überhaupt? «Ich bin nun seit mehr als 25 Jahren als Trainer im Leistungssportbereich tätig. Da hört man immer wieder die gleichen Sprüche und viele Erlebnisse und Erfahrungen wiederholen sich.»

Ein Traineramt, bedinge dass man immer wieder bereit sei, alle Energie zu investieren. «Das fordert unheimlich viel. Ich spüre, dass ich dessen müde bin», zeigt sich Berliat reflektiert. Der letzte Hunger auf Erfolg und die ganz grosse Freude am Job fehlten manchmal. «Aber vielleicht ist das nur vorübergehend», lässt der bekennende Heavy-Metal-Fan eine Tür offen.

So oder so wolle er bewusst für eine Saison ohne Team sein. Doch ganz ohne Unihockey kann Berliat nicht, denn weiterhin wird er beim Berner Vorortklub Köniz als Ausbildungsverantwortlicher amten und beim Schweizer Verband als Leiter von Talenttrainings tätig sein.

Die Freundin als Antrieb

Einen Antrieb, um kürzerzutreten, ist für Berliat seine Partnerin, von der er bisher räumlich getrennt in einer Fernbeziehung lebte. Nun will er im Sommer mit ihr zusammenziehen, was für ihn einen neuen Lebensabschnitt darstelle, wie er durchblicken lässt. «Ich sehe sonst die Gefahr als verbitterter, alter Mann zu enden, der nichts anderes als den Sport hat», zeigt er sich von seiner intimen Seite.

Im Hinblick auf das Finalspiel soll heuer das Gesamtpaket Köniz zum Titel führen: «Wir haben starke Goalies, gute Verteidiger, die den Gegner aus dem Spiel nehmen können und eine grosse Breite an Skorern.

Wir haben absolute Top-Spieler, die den Unterschied ausmachen können, eine gute Taktik, drei Linien, die funktionieren und zudem ist unser Mannschaftszusammenhalt sehr gut», liefert Berliat gleich eine Reihe an möglichen Faktoren für den Titelgewinn.

Das Wichtigste werde sein, dass jeder seiner Akteure sein bestes Unihockey zeigen kann und das möglichst über die volle Spieldauer. Auf einen Resultattipp will sich Berliat nicht einlassen, einer Sache ist er sich aber sicher: «Wir gewinnen», schmunzelt er.