Eishockey
Zu viel Spengler Cup in Langnau: Die SCL Tigers spielen zu sorglos und verlieren das Berner Derby

Die SCL Tigers verlieren das Kantonsderby gegen Bern 2:3 nach Verlängerung.

Klaus Zaugg, Langnau
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Tanz um den Puck zwischen dem Langnauer Miro Zryd (vorne) und dem Berner Alain Berger.

Tanz um den Puck zwischen dem Langnauer Miro Zryd (vorne) und dem Berner Alain Berger.

Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Langnau, 19. Dezember 2021)

Kann der Spengler Cup durchgeführt werden? Darf Ambri am Turnier teilnehmen? Erste Antworten gibt es heute Montag. Gewissheiten hingegen noch nicht. Nur eines steht bereits fest: Spengler-Cup-Hockey wird so oder so gespielt. Von den Langnauern. Deshalb haben sie gestern ein Derby gegen den SC Bern in der Verlängerung 2:3 verloren, das sie nie hätten verlieren dürfen.

Die Langnauer kopieren bereits seit dem letzten Herbst den Spengler Cup. Wie geht das? Nun, wenn es um nichts geht, wenn es keinen Abstieg gibt, wenn die Dramatik des Existenzkampfes fehlt, die trotz eines Meistertitels im Jahre 1976 die DNA der Emmentaler Hockeykultur prägt, dann muss ein anderer Weg gefunden werden, um das Publikum bei Laune zu halten. Dann ist Spengler Cup-Hockey im Flachland gefragt. Also Hockey, das sich aus den taktischen Schablonen, der defensiver Ordnung und dem schnöden Resultatdenken befreit. Offensive Feuerwerke an einem guten Abend. Defensive Sorglosigkeit an einem weniger guten Abend wie gestern gegen den SC Bern. Wer Langnaus ausländische Stürmer im Schach zu halten vermag, gewinnt gegen die Emmentaler ganz sicher.

SC Bern genügt ein guter Ausländer zum Sieg

So wie gestern der SCB. Meistens reicht es sogar, wenn die Ausländer für Spektakel sorgen und treffen. Die Langnauer haben erst 10 von 33 Partien gewonnen. Immerhin sind die SCL Tigers der spektakulärste Tabellenvorletzte seit Einführung der Playoffs (1986). Aber das ist natürlich nur ein Trostpreis. So wie früher der Schönschwinger-Preis für gescheiterte «Böse» im Sägemehl.

Kein anderes Team der Liga eignet sich so gut für Spengler-Cup-Hockey wie Langnau. Ausländische Stürmer, die zu den besten Spielern der gesamten Liga gehören. Ein Trainer, der seinen Spielern alle taktischen Freiheiten lässt. Gestern war wenig gegen Bern etwas wenig Spektakel. Aber in der Schlussphase, als der Sieg so nahe schien (das 2:2 kam erst 122 Sekunden vor Schluss), reichlich defensive Wirrnis, die bis in die Verlängerung, bis zur bitteren Niederlage nicht mehr weichen wollte und auch einen gewissen Unterhaltungswert hat. Und beim SCB dürfen wir einmal mehr fragen: wo wäre der SCB mit vier brauchbaren Ausländern? Gestern genügte einer: der überragende Dominik Kahun. Einer der besten der Liga. Er rettete den SCB in die Verlängerung. Vier ausländische Stürmer wie er und der SCB wäre fast – aber schon nur fast – ein Titelkandidat.

Leidtragender ist der Trainer

Wir sind kurz vom Thema abgekommen. Es geht um Spengler-Cup-Hockey. Nie zuvor war während der Qualifikation so viel Spengler Cup wie diese Saison in Langnau. Was dazu passt: die Gastronomie in der VIP-Loge («Jakob Galerie») gehört zum Besten, was es ligaweit gibt. Sie ist auf dem Niveau der Spengler Cup-Bewirtung.

Wer muss die sportliche Rechnung für Langnaus Spengler-Cup-Saison bezahlen? Der Trainer. Wenn alle wissen, dass Niederlagen keine Konsequenzen haben, ist der beste Bandengeneral der Welt nur noch ein braver Soldat Schweijk. Da mag er tagtäglich Disziplin predigen, zur taktischen Ordnung rufen und toben wie er will – niemand nimmt ihn ernst. Das ist Jason O’Learys Pech. Der Kanadier muss damit rechnen, dass er spätestens am Ende der Saison unter Verdankung seiner ausserordentlichen Verdienste und mit den besten Wünschen für den weiteren Lebensweg im Emmental trotz eines noch ein Jahr weiterlaufenden Vertrages verabschiedet wird. Was lernen wir daraus? Spengler-Cup-Hockey gehört zum Spengler Cup. Aber nicht wochenlang ins Flachland nach Langnau. Und sollte Ambri nicht am Turnier teilnehmen können, müsste eigentlich folgerichtig Langnau eingeladen werden.

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National League

SCL Tigers – Bern 2:3 (0:0, 1:1, 1:1, 0:1) n. V.
Ilfishalle. – 6000 Zuschauer. – SR Hürlimann/Kaukokari.
Tore: 22. Moser (Beat Gerber, Andersson) 0:1. 24. Huguenin (Blaser, Pesonen) 1:1. 47. Leeger (Diem, Weibel) 2:1. 58. Kahun (Untersander) 2:2. 61. Untersander (Moser) 2:3.
Strafen: 4-mal 2 Minuten gegen Langnau, 1-mal 2 Minuten gegen Bern.
SCL Tigers: Punnenovs; Schilt, Zryd; Blaser, Huguenin; Elsener, Grossniklaus; Leeger; Olofsson, Schmutz, Grenier; Pesonen, Diem, Weibel; Sturny, Salzgeber, Petrini; Loosli, Berger, Langenegger.
Bern: Wüthrich; Henauer, Untersander; Beat Gerber, Andersson; Colin Gerber, Thiry; Hänggi; Scherwey, Kahun, Thomas; Moser, Varone, Daugavins; Bader, Praplan, Kast; Jeremi Gerber, Neuenschwander, Berger.

Ajoie – Biel 1:4 (0:1, 0:1, 1:2)
Tore: 9. Schläpfer 0:1. 25. Rajala (Hischier) 0:2. 748. Rohrbach 1:2. 52. Hügli 1:3. 60. Grossmann (ins leere Tor) 1:4.

Davos – ZSC Lions 1:5 (0:2, 0:1, 1:2)
Tore: 7. Sopa 0:1. 17. Andrighetto (Ausschluss Hollenstein!) 0:2. 35. Noreau (Azevedo, Marti). 41. Quenneville (Krüger) 0:4. 42. Quenneville (Azevedo) 0:5. 52. Ambühl (Ausschluss Hollenstein) 1:5.

Swiss League

Olten – EVZ Academy 4:0 (2:0, 2:0, 0:0)
Tore: 1. Nunn (Horansky, Forget) 1:0. 6. Forget (Horansky/Ausschluss Pauchard) 2:0. 30. Lhotak (Scheidegger) 3:0. 38. Scheidegger (Horansky, Nunn).

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