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Nach dem Nein zum Olympiaaufgebot: «So etwas wünsche ich keinem Athleten»

Der Traum von Olympia wurde für den Obwaldner Langläufer Janik Riebli (23) vorübergehend zum Albtraum.

Roland Bösch
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Janik Riebli erlebte eine Achterbahnfahrt der Gefühle.

Janik Riebli erlebte eine Achterbahnfahrt der Gefühle.

Wie viele Emotionen verträgt ein Sportler? Diese Frage ist beim Spitzenlangläufer Janik Riebli durchaus berechtigt. Positive Emotionen beim Gewinn eines Rennens wirken in der Regel beflügelnd. An negativen Emotionen kann man wachsen. Der 1,80 m grosse Riebli dürfte im Olympiawinter einige Zentimeter gewachsen sein. Er blickt auf eine erste Saisonhälfte zurück, die einer Achterbahnfahrt gleichkommt. Noch bevor er richtig loslegen konnte, erkrankte er trotz aller Vorsichtsmassnahmen am Coronavirus. Der Weltcupauftakt musste warten. Der 23-jährige Athlet erholte sich aber schnell und setzte sich beim Weltcup in Davos mit dem 12. Rang im Prolog gut in Szene. Der Einzug in den Halbfinal blieb ihm zwar verwehrt. Dennoch schaffte er die Kriterien, die als Grundlage einer Olympia-Teilnahme definiert wurden.

Der Einsatz in Davos kostete jedoch mehr Substanz als gedacht. «Entsprechend sah ich mich gezwungen, die Weltcup-Sprints in Dresden auszulassen und mich auf die Teilnahme am Tour-de-Ski-Auftakt in der Lenzerheide zu konzentrieren», sagt Riebli. Als bester Schweizer belegte der Mann des Skiclubs Schwendi-Langis zwischen Weihnachten und Neujahr den sechsten Prolog-Rang. Im Viertelfinal stürzte er und vergab so seine gute Ausgangslage. «Für mich ein bitterer und sehr emotionaler Moment. Wortwörtlich habe ich es verbockt. Es wäre eine grosse Chance gewesen, um mich für einen Flieger nach Peking aufzudrängen», bilanziert Riebli. Als kurze Zeit später der Weltcup in Frankreich frühzeitig abgesagt wurde, löste sich für Riebli eine weitere Chance in Luft auf, um sich für eine Olympia-Teilnahme aufzudrängen.

«Zwei Tage lange ging bei mir nichts mehr. Doch dann kam ich zum Schluss: So nicht, Janik! An mir soll es nicht liegen. Ich gebe bis zum Tag der Selektion mein Bestes.»

Olympia-Entscheid wurde lange vertagt

Gesagt, getan. Es folgten der zweite Rang beim Continental-Cup-Sprint in St. Ulrich (AUT) und der erste Schweizer Meistertitel im Sprint im Sparenmoos. Die guten Resultate nützten jedoch in der Endabrechnung nichts. Die Olympia-Selektionäre setzten Riebli lediglich auf die erste Ersatzposition. «In diesem Moment hielt sich mein Frust in Grenzen, da ich mir im Klaren war, dass ich in den letzten zwei Wochen Charakter gezeigt und nicht resigniert hatte.»

Der Prozess, die Olympischen Spiele abzuhaken und sich auf das nächste Grossereignis, die WM in Planica im Jahr 2023, zu fokussieren, war weit fortgeschritten, wäre da nicht der Anruf seines Trainers gekommen. Da ein Teamkollege nach einer Coronaerkrankung immer noch positive Testresultate aufgewiesen hatte, wurde Riebli gebeten, nach Davos zu kommen und sich für einen möglichen Einsatz bereit zu halten. «Es folgten meine emotionalsten Tage in der bisherigen Karriere. Von einer Sekunde auf die andere war Olympia wieder greifbar», so Riebli. Er stand mitten in der Nacht auf, um sich an die Zeitumstellung zu gewöhnen, und zog sein eigenes Vorbereitungsprogramm durch.

«Sollte es doch noch klappen, wollte ich bereit sein.»

Immer wieder wurde der Entscheid vertagt. Nach sechs langen Tagen kam dann das endgültige Nein. «So etwas zu erleben, wünsche ich keinem Athleten. Zum Glück habe ich ein gutes Umfeld, das mich in dieser Situation getragen hat», stellt Riebli fest. Für den Obwaldner ist klar, dass ähnliche Situationen in Zukunft unbedingt vermieden werden sollten und solche Entscheidungen schneller getroffen werden müssen. «Auch wenn der Entscheid am Ende gegen mich ausgefallen ist, war ich nur froh, dass endlich ein Entscheid gefallen war.»

Riebli richtet seinen Fokus auf das Jahr 2026

Auf Kriegsfuss ist Riebli deswegen mit den Olympischen Spielen in Peking nicht. Die Langlaufrennen hat er vor dem Fernseher mitverfolgt und seinen Kollegen den Daumen gedrückt. «Sie alle können nichts dafür. Im Gegenteil, ich habe sogar mit Teamkollege Valerio Grond in Peking telefoniert. Er hat mir seine Eindrücke geschildert.» Mittlerweile hat Janik Riebli den Blick in die Zukunft gerichtet. Mit Lahti, Drammen und Falun stehen in dieser Saison noch drei Weltcup-Wochenende mit Sprint-Rennen an. «Mit guten Resultaten bei diesen Rennen kann ich mir für die nächste Saison bereits eine gute Basis erarbeiten», sagt er. Ein neues grosses Ziel hat er auch schon definiert: die Teilnahme an den Olympische Winterspielen 2026 in Mailand/Cortina.

Innerschweizer trumpfen am Swisscup auf

Die Sprint-Wettkämpfe in Klosters waren fest in Innerschweizer Hand. Bei den Juniorinnen siegte die Horwerin Bianca Buholzer vor Klubkollegin Nadia Steiger. Bei den Frauen dominierte die Engelberger A-Kaderathletin Lea Fischer. Janik Riebli sicherte sich bei den Männern nach der schnellsten Zeit im Prolog auch den Sieg im Finallauf. Der Eigenthaler Cyril Fähndrich verpasste das Podest als Vierter nur knapp. Nach dem sonntäglichen 15-km-Rennen in der klassischen Technik stand Fähndrich dann aber ganz oben auf dem Podest. Erneut stark war auch der Auftritt von Buholzer und Steiger im Rennen über 10 km der U18/U20. Sie belegten die Ränge 2 und 3. Als Siegerin machte die Marbacherin Ramona Schöpfer den Dreifachtriumph des Zentralschweizer Schneesportverbandes möglich. Erfreuliche Resultate gelangen zudem Sven Buholzer als Vierter und Silvan Lauber als Sechster (beide Horw) in der U18-Kategorie über 15 km. (rb)

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