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Raphael Wicky und sein neues Leben als U17-Trainer der US-Nati – bereut hat er diesen Job noch nie

Zurück im Fussball: Raphael Wicky (Bild: Key).

Zurück im Fussball: Raphael Wicky (Bild: Key).

Der frühere Trainer des FC Basel coacht bei der Weltmeisterschaft in Brasilien die amerikanische U17-Nationalmannschaft.

Lange Zeit ist es ruhig um ihn gewesen. Doch jetzt ist Raphael Wicky zurück auf der Fussballbühne. In Brasilien will er mit der U17 der USA für Furore sorgen. Allerdings ist der Start ins Turnier gründlich in die Hose gegangen: 1:4 gegen Senegal mit drei Gegentoren in den letzten 18 Minuten und einem Platzverweis kurz vor Schluss.

Schlechter hätte am letzten Sonntag die 18. Fifa-U17-WM für die amerikanische Nationalmannschaft und ihren Trainer damit nicht beginnen können. Doch Zeit zum Grübeln bleibt nicht, denn in der Nacht auf Donnerstag wartet mit Japan bereits die nächste Hürde. «Das ist der Asienmeister, der im ersten Spiel Europameister Holland weggeputzt hat», ist sich Wicky der schweren Aufgabe bewusst, die auf seine Mannschaft wartet. Nach diesem zweiten Auftritt in Vitoria an der Atlantikküste reisen die Amerikaner dann ins heisse Brasilia zum dritten Gruppenspiel gegen die Holländer.

Das Ziel war eigentlich die Major League Soccer

Seit zwei Wochen weilt der Schweizer mit den US-Boys nun schon in Brasilien. Zu dieser Aufgabe ist er fast schon wie die Jungfrau zum Kind gekommen. Nach seiner Entlassung beim FC Basel im Sommer 2018, die er verarbeitet und abgehakt hat und auf keinen Fall mehr besprechen will, war in ihm der Gedanke gereift, seine Trainerkarriere in der amerikanischen Major League Soccer fortzusetzen. Denn während seines Engagements als Spieler bei CD Chivas vor zehn Jahren waren ihm die USA ans Herz gewachsen, und inzwischen ist er ja auch mit einer Amerikanerin verheiratet. Ihm gefällt das Land und die Offenheit der Leute, und Wicky dachte, er würde gut in die MLS passen.

Doch der Oberwalliser landete nicht in dieser, sondern beim Verband. «Das war nicht so ­gedacht. Aber nachdem ich im Februar auf Vermittlung eines Freundes ein langes Telefon­gespräch mit Nationaltrainer Gregg Berhalter geführt hatte, wurde ich zu einem Vorstellungsmeeting nach Chicago an den Verbandssitz eingeladen, und wenig später war ich Headcoach der U17-Auswahl», erzählt Wicky.

Bereut hat er es bisher nicht, den Job angenommen zu haben. Obwohl er ins kalte Wasser geschmissen wurde und eine ihm gänzlich unbekannte Mannschaft auf das Ausscheidungsturnier in Florida vorbereiten musste. Doch Wickys Einstand gelang, und zusammen mit Mexiko schafften die USA ziemlich souverän die Qualifikation für die WM. Nach einem zweiwöchigen Sommercamp in Kalifornien und einem Europatrip mit Spielen gegen Holland, Dänemark und Mexiko musste er sein Kader benennen. Dieses setzt sich nun aus Spielern zusammen, die zum grossen Teil aus den Nachwuchsakademien der MLS kommen sowie aus vier in Europa (Fulham, Leicester, Dortmund und Freiburg) tätigen Akteuren. «Die Zeiten, als die Spieler noch in den Colleges rekrutiert wurden, sind definitiv vorbei», sagt Wicky.

Taktisch hinter, mental aber vor den Europäern

Wenn Wicky seine Jungs mit jenen vergleicht, die er als Nachwuchstrainer beim FCB oder bei Servette betreute, sieht er bei den Europäern einen Vorteil im taktischen Bereich. Seinen Spielern bescheinigt er dafür einen Vorsprung auf mentaler Ebene: «Sie sind extrem lern- und arbeitswillig und wollen Fortschritte machen. Der Sportler hier beklagt sich nie gross.»

Noch ist das erklärte Ziel der Amerikaner, die Gruppenphase zu überstehen, erreichbar. Doch dafür braucht es einen Sieg gegen Japan. Wie ihn die Schweizer 2009 in Nigeria auf ihrem Weg zum sensationellen Weltmeistertitel mit 4:3 schafften. Vielleicht erzählt Landsmann Wicky seinen Boys ja diese ganz besondere Story noch.

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Autor

Markus Brütsch

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