Radrennen

Der Radsport von heute: Zu sauber, um wahr zu sein?

Tony Gallopin, hier im gelben Leader-Trikot, gehört zur neuen Radsport-Generation.

Tony Gallopin, hier im gelben Leader-Trikot, gehört zur neuen Radsport-Generation.

Dopingskandale gehören zum Radsport wie die Milch zum Frühstück. Leider. Die neue Generation soll jedoch sauber sein. Nun gibt es Signale, die zu denken geben.

«Mit Johan Bruyneel zu arbeiten war eine tolle Erfahrung. Ich finde, Johan ist ein ‹Grand monsieur› des Radsports.» Dieses Zitat stammt vom 26-jährigen Tony Gallopin. Der junge Franzose fuhr am Montag, am französischen Nationalfeiertag, im Gelben Trikot der Tour de France, dem wichtigsten Radrennen der Welt. Johan Bruyneel – das ist der Mann, der Lance Armstrong während seinen sieben (aberkannten) Tour-Siegen als Manager begleitete, alles wusste, was in dieser Zeit so passierte im Team und bei seinem Star (praktiziertes Doping) und deswegen jetzt lebenslang gesperrt wurde.

Tony Gallopin lernte Bruyneel beim Team RadioShack kennen, für das er zwei Jahre fuhr, ehe er auf diese Saison zu Lotto Belisol wechselte. Gallopin gehört zur neuen Radsport-Generation, von der gesagt wird, sie sei sauber. Oder sauberer als die «alte Generation» um Armstrong, Ullrich, Pantani und Co. Nach all den Skandalen der Vergangenheit (Festina-Skandal 1998, Fuentes-Skandal 2006) gab es Hoffnung und auch Zeichen dafür.

Doch was hat es nun zu bedeuten, dass Gallopin Bruyneel als «Grand monsieur des Radsports» bezeichnet? Und dass der aktuelle Tour-Leader, Vincenzo Nibali, der einst mit Dopingarzt Michele Ferrari zusammenarbeitete, nun mit Alexander Winokurow, Ex-Profi mit Dopingvergangenheit – und ehemaliger Gefolgsmann Ferraris –, als Manager zum Tour-Sieg ansetzt?

Oder dass das Team Katjuscha, das im letzten Winter Fabian Cancellara verpflichten wollte, Ex-Profi Denis Mentschow als Trainer holen wollte, wie die «NZZ» schreibt? Dieser wurde erst gerade – kaum wahrgenommen – für zwei Jahre gesperrt. Wegen Unregelmässigkeiten im Blutpass. Solche Unregelmässigkeiten gab es kürzlich auch im Blutpass des ehemaligen Tour-de-Suisse-Siegers Roman Kreuziger, 28 Jahre alt.

Nicht zu vergessen die seltsame Bewilligung eines kortisonhaltigen Medikaments für den noch amtierenden Tour-de-France-Sieger Chris Froome (29) bei der Tour de Romandie.

Nicht gerade positive Signale der neuen, angeblich sauberen Radsportgeneration.

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