Tour de Suisse

Cancellara startet nach Angina an der Tour de Suisse

Der Schweizer Radprofi Fabian Cancellara spricht an einer Medienkonferenz in Zug über die bevorstehende Tour de Suisse

Der Schweizer Radprofi Fabian Cancellara spricht an einer Medienkonferenz in Zug über die bevorstehende Tour de Suisse

Aufatmen bei den Organisatoren der Tour de Suisse und den Schweizer Radsportfans: Fabian Cancellara startet nach überstandener Angina am Samstag in Rotkreuz zur diesjährigen Schweizer Rundfahrt.

Wer einen entzündeten Hals hat, dem tut das Schlucken besonders weh. Schmerzen beim leer Schlucken empfanden am letzten Dienstag auch die Organisatoren der Tour de Suisse, als ihr grosses Aushängeschild Fabian Cancellara verlauten liess, dass ihm ein bakterieller Effekt im Rachenraum zu schaffen mache und er deshalb am Donnerstag nicht am Grossen Preis des Kantons Aargau in Gippingen mitfahren könne. Denn im gleichen Atemzug setzte der Schweizer Ausnahme-Veloprofi auch ein Fragezeichen hinter seine Teilnahme an der Schweizer Rundfahrt. Der Super-GAU drohte.

Erst gestern kam die Entwarnung. Auf Twitter verkündete Fabian Cancellara, dass das Antibiotikum den Kampf gegen die Bakterien gewonnen habe und er heute Samstag an den Start gehen werde. Der Hals der Nation ist wieder gesund. Die Erleichterung war im Umfeld der Verantwortlichen der Schweizer Rundfahrt gross. Es wäre bitter gewesen, wenn ausgerechnet das Aushängeschild nicht dabei gewesen wäre. Zumal die Tour de Suisse heuer ja erstmals vom Sportvermarkter
Infront-Ringier organisiert wird, bei welchem bekanntlich auch Cancellara unter Vertrag steht.

Der Schock von Harelbeke

Heute Nachmittag wird der 34-Jährige um 17:31 Uhr in den 5 Kilometer langen Prolog-Parcours starten. Unter normalen Umständen wäre der vierfache Zeitfahr-Weltmeister ein klarer Sieganwärter. Doch die letzten Monate und Wochen waren für Fabian Cancellara alles andere als normal. Am 27. März stürzte er während des GP Harelbeke schwer und brach sich dabei zwei Lendenwirbel – entging sogar um ein Haar einer weit schwerwiegenderen Verletzung. Seine so sehr geliebten Klassiker, die Flandern-Rundfahrt und Paris–Roubaix, musste er sausen lassen. Neun Wochen dauerte schliesslich die unfreiwillige Rennpause, ehe der Berner Ende Mai seinen ersten Wettkampf im Rahmen einer Rundfahrt in Norwegen bestreiten durfte.

In Skandinavien kam er langsam wieder in Schwung, ehe ihn das Halsweh am vergangenen Montag jäh stoppte. Als sich sein Zustand in der Nacht auf Dienstag verschlechterte, liess er sich am nächsten Morgen gleich von einem Arzt untersuchen. Die Diagnose war schnell klar: Fabian Cancellara litt an einer Angina – einem bakteriellen Infekt im Rachenraum. Nach zwei Tagen Fieber und einer Antibiotika-Kur wagte er sich am Donnerstag für eine Stunde aufs Velo und fühlte sich so, «als ob ich mit einer halben Lunge fahren müsste.»

Immerhin konnte Cancellara gestern Abend wieder halbwegs Entwarnung geben. Er fühlt sich wieder einigermassen gesund. «Ich bin froh, dass ich an der Tour de Suisse am Start bin. Danach sehen wir, wie sich die Dinge entwickeln werden», dämpft er die Erwartungshaltung vor seinem Heimrennen. Letztlich kann er dem ungünstigen Lauf der Dinge sogar noch eine positive Seite abgewinnen: «Ich stehe sicher weniger unter Druck als unter anderen Umständen. Jetzt ist die Ausgangslage für mich vielleicht sogar einfacher.»

Wer Fabian Cancellara kennt, der weiss, dass er – Druck hin oder her – alles daransetzen wird, heute Abend im gelben Leadertrikot auf dem Siegerpodest zu stehen. Er sagt: «Ich möchte mich nicht verstecken. Meine Tage als Rennprofi sind schliesslich bald gezählt.» Noch ist es nicht so weit. Der mit Abstand stärkste Schweizer Radprofi des vergangenen Jahrzehnts wird die Leute auch heute in Rotkreuz in Scharen an den Streckenrand locken. Bleibt zu hoffen, dass ihnen der Jubel nicht im Hals stecken bleibt.

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