Weltcup
Podestplatz-Sorgen – wieder kein ein Schweizer Erfolg in Adelboden

Henrik Kristoffersens Sorgen sollte man haben. Besonders wenn man Schweizer ist. Zweimal stand der Norweger am Wochenende in Adelboden auf dem Podest – als Zweiter im Riesenslalom und als Dritter im Slalom. Und er sagt: «Es ist langsam nervig, auf dem Podest zu stehen.»

Martin Probst
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Loïc Meillard wird von den Schweizer Fans in Adelboden lautstark angefeuert.

Loïc Meillard wird von den Schweizer Fans in Adelboden lautstark angefeuert.

KEYSTONE

Was soll da bloss Swiss Ski denken? Seit zehn Jahren und dem Sieg von Marc Berthod 2008 im Riesenslalom stand am Chuenisbärgli nie mehr ein Schweizer auf dem Podest. Am Samstag in Riesenslalom war Justin Murisier als Elfter der Beste des Heimteams. Gestern im Slalom Loïc Meillard als Achter.

Aerni reüssierte nicht

Nur sind Sorgen meist individuell. Während sich Kristoffersen über seine Podestplätze in diesem Winter ärgert, weil er zwar neunmal auf dem Podium stand, aber eben nie als Sieger, ist beispielsweise Meillard ganz zufrieden: «Ein Top-Ten-Platz vor Heimpublikum macht Freude.» Für den 21-Jährigen ist es das zweitbeste Slalomresultat in seiner noch jungen Karriere im Weltcup nach Rang sechs zum Saisonstart in Levi.

Einziger Schweizer in Adelboden in den Top Ten: Loïc Meillard

Einziger Schweizer in Adelboden in den Top Ten: Loïc Meillard

KEYSTONE/PETER SCHNEIDER

In Adelboden aber hat man mehr erhofft. Nicht unbedingt von Meillard. Aber von Luca Aerni. Der Berner, der im Wallis das Skifahren lernte, stand kurz vor Weihnachten in Madonna di Campiglio auf dem Slalompodest. Als erster Schweizer seit Silvan Zurbriggen 2010. Nach Durchgang eins war Aerni 6., am Ende nur 17. Daniel Yule fiel vom 7. auf den 12. Schlussrang zurück.

Wieder kein Podestplatz

Wieder kein Schweizer Podestplatz also. Das macht den Organisatoren zunehmend Sorgen. Präsident Peter Willen schreibt im Editorial der WeltcupZeitung: «In wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten treffen fehlende Ticketeinnahmen, ausbleibende Spitzenplatzierungen der Schweizer Athleten und veränderte Klimabedingungen im Alpenraum die Ski-Weltcup-Rennen Adelboden hart.» Letzteres hätte tatsächlich beinahe zum Kollaps geführt.

Bauarbeiter entfernen Stücke der beschädigten Strasse hinauf nach Adelboden, um später eine Notbrücke zu erstellen.

Bauarbeiter entfernen Stücke der beschädigten Strasse hinauf nach Adelboden, um später eine Notbrücke zu erstellen.

KEYSTONE

Wäre die Strasse nach Adelboden, die durch die starken Regenfälle der vergangenen Woche beschädigt wurde und am Freitag gesperrt blieb, nicht rechtzeitig repariert worden, hätten die Veranstalter den finanziellen Schaden aus der möglichen Rennabsage kaum tragen können.
Am Samstag ab 6 Uhr morgens war der Zubringer aber wieder offen und 31 000 Fans (Rekord!) kamen und verfolgten den Riesenslalom. Zumindest die Ticketeinnahmen stimmten also. Das Warten auf einen Schweizer Erfolg geht hingegen weiter.

Seriensieger

Hirscher führt gegen die Schweiz 14 zu 0

Marcel Hirscher führt im Duell mit dem Schweizer Team mit 14 zu 0. 14-mal stand der Österreicher in den vergangenen 10 Renn-Wochenenden in Adelboden auf dem Podest. Seit 2008 aber nie mehr ein Schweizer. Wie schon 2012 gelang Hirscher 2018 der Doppelsieg in Riesenslalom und Slalom. Sieben seiner mittler- weile 52 Weltcupsiege hat der 28-Jährige damit am Chuenisbärgli gefeiert. Noch zwei Weltcupsiege fehlen und er hat Hermann Maier eingeholt. Einzig die 88 Siege von Ingemar Stenmark sind noch nicht in Reichweite. Am kommenden Sonntag will Hirscher eine der wenigen Lücken in seinem Erfolgsausweis füllen: Der Sieg im Lauberhorn-Slalom fehlt ihm. (mpr)

Konstant stark

Kritik ist trotzdem nicht angebracht. Meillard, Aerni, Yule und Ramon Zenhäusern haben die Selektionskriterien für die Olympischen Spiele im Februar (zweimal Top 15 oder einmal Top 7) im Slalom bereits erfüllt.

Von einer solchen Konstanz und Stärke konnte man bei Swiss Ski noch vor wenigen Jahre nur träumen. Aerni sagt: «Wenn es Daniel Yule oder mir mal nicht läuft, springen andere ein. Es ist toll, Teil dieses Teams zu sein.»

«Wenn es Daniel Yule oder mir mal nicht läuft, springen andere ein. Es ist toll, Teil dieses Teams zu sein.»

«Wenn es Daniel Yule oder mir mal nicht läuft, springen andere ein. Es ist toll, Teil dieses Teams zu sein.»

KEYSTONE

Noch prekärer war die Situation im Riesenslalom. Murisiers elfter Rang am Samstag ist in Adelboden das beste Schweizer Resultat seit 2013, als Gino Caviezel ebenfalls Rang elf belegte. Die beiden haben zusammen mit Meillard im Riesenslalom die Olympia-Kriterien erfüllt. Die Aufwärtstendenz hat auch in der Schweizer Krisendisziplin eingesetzt.
Die Schweizer Sorgen waren nach dem Rennenwochenende in Adelboden schon deutlich grösser als 2018. Trotzdem wünschte man sich, Kristoffersens Probleme zu haben.