Playoffs
Die ZSC-Lions-Millionäre werden Romantiker und beim HCD fehlt die schützende Hand

Die Tage der Playoff-Viertelfinals im Hockey sind für die Trainer in Zürich und Davos auch eine Zeit des Leidens. Können Rikard Grönborg und Christian Wohlwend ihre Zukunft sichern?

Klaus Zaugg
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Schaffen die ZSC Lions am Montag die Wende?

Schaffen die ZSC Lions am Montag die Wende?

Peter Schneider / KEYSTONE

Gegen 23 Uhr am letzten Samstag im Kabinengang des Bieler Hockey-Tempels. ZSC-Manager Peter Zahner wirkt müde. Fast so, als sei er in den letzten Tagen gealtert. Seine ZSC Lions haben soeben in den letzten sieben ­Minuten ein 0:1 in einen Sieg verwandelt (3:1) und das vor­zeitige Saisonende abgewendet. Nun können sie am Montagabend im Hallenstadion im 7. Spiel doch noch den Playoff-Halbfinal erreichen.

Peter Zahner ahnt sehr wohl, welches Nachspiel im Falle eines Scheiterns folgen wird: die ­Trainer-Diskussion. Nun seufzt er erleichtert: «Wenigstens habe ich am Sonntag Ruhe.» Er musste am Sonntag nicht stundenlang telefonieren. Mehrere Chronisten hatten ihn bereits im Laufe des Samstages lange vor dem Spiel angerufen und gebeten, ja am Sonntag das Hosentelefon nicht wegzulegen und erreichbar zu sein.

Logisch: Verlieren die ZSC Lions, sind sie schon im Viertelfinal gescheitert. Dann muss die oberste Autorität der operativen Führung auf allen Kanälen Auskunft geben und unter anderem die Frage beantworten: Bleibt Trainer Rikard Grönborg? Wenn die ZSC Lions aber gewinnen und am Montag zum 7. Spiel antreten dürfen, ist die Meinung des höchsten Bürogenerals vorerst noch nicht gefragt. Dann ­interessieren sich alle nur für die Helden auf dem Eis.

ZSC-Lions-Trainer Rikard Grönborg.

ZSC-Lions-Trainer Rikard Grönborg.

Peter Schneider / KEYSTONE

Nun sind alle Romantiker, auch die Millionäre

Die schlimmste Zeit für die Titanen sind die Tage des Viertelfinals. Bleiben sie schon in der ersten Runde auf der Strecke, folgt ein Nachspiel im Büro und der Trainer muss um seinen Job bangen. Peter Zahner sagt, erst nach überstandenem Viertel­final sei die Saison mehr oder weniger gerettet: «Dann fällt eine schwere Last ab und die Müdigkeit verfliegt.»

Für die Aussenseiter ist die Zeit des Viertelfinals hingegen eine Saison-Abschlussparty. Zeit zu feiern für die einen, Zeit zum Aufräumen für die anderen.

Die Entscheidung, ob die ZSC Lions den Viertelfinal überstehen und Rikard Grönborg in hohem Ansehen bleibt, fällt nun also am Montag im Hallenstadion. Biels Problem nach der Preisgabe der 2:0-Führung in der Serie: Nun sind alle Romantiker.

Mögen die Boshaften und Bösartigen auch höhnen, nur bei den UBS-Aktionärsversammlungen treten im Hallenstadion mehr Millionäre auf als bei den ZSC-Heimspielen – nun sind auch die ZSC Lions Romantiker. Da spielt es keine Rolle, dass Trainer Grönborg als taktischer Maschinist kein Romantiker ist.

In der Extremsituation eines 7. Spiels geht es nur noch um das Kind im Manne, das spielen und gewinnen will. Um Romantik eben. Und die «Hockey-Kinder» der Lions sind so talentiert (deshalb sind sie ja auch so gut bezahlt), dass sie zu oft zu leichten Siegen kommen und ihr bestes Hockey erst in Extremsituationen spielen müssen.

Spiel sieben ist, wenn die ZSC Lions gewinnen und Biel verliert: Seit der Niederlage im 7. Viertelfinalspiel am 23. März 2010 in Zug (1:2) haben die ­Zürcher sechsmal hintereinander das 7. Spiel gewonnen. Zweimal holten sie dabei auswärts in Bern (2012) und Lugano (2018) gar den Titel. Die Bieler haben hingegen seit der Sicherung des Klassenerhaltes im 7. Spiel der Liga-Qualifikation gegen Lausanne (3:2) am 24. April 2010 in den Playoffs alle 7. Spiele ver­loren. Auch 2015 im Viertelfinal im Hallenstadion (2:5). Biels Hoffnung: Spiel sieben ist ­immer auch ein Glücksspiel auf einer rutschigen Unterlage. Erst recht im Hallenstadion.

Der Name Lakers löst noch keine Ehrfurcht aus

Eigentlich sind die Rapperswil-Jona Lakers gegen den HC Davos Favorit. Sie belegten Platz vier in der Qualifikation und haben Heimrecht gegen den HCD (5.). Aber der Rekordmeister ist der gefühlte Titan. Die Lakers sind auch im vierten Jahr nach dem Wiederaufstieg erst ein Spitzenteam im Schafspelz der Mise­rablen und noch kein Titan.

Es wird noch einige Zeit dauern, bis das Wort Lakers mit der gleichen Ehrfurcht ausgesprochen und buchstabiert wird wie Lugano oder Zug oder die Kürzel HCD, SCB und ZSC.

Das ist Christian Wohlwends Pech. Wenn er mit dem HCD diesen Viertelfinal verliert, wird ihm wahrscheinlich der bis ins Frühjahr 2023 weiterlaufende Vertrag nicht mehr helfen. Wäre Raëto Raffainer nach wie vor Sportdirektor in Davos oben und nicht «Untergeneral» in Bern unten («Obergeneral» bleibt SCB-Präsident Marc Lüthi) würde er seinen langjährigen Freund im Amt halten.

HCD-Trainer Christian Wohlwend.

HCD-Trainer Christian Wohlwend.

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Aber Wohlwends Problem ist, dass sein Förderer, der ihn im Sommer 2019 in ­Davos installiert und durch alle Böden verteidigt hat, eben seit gut einem Jahr nicht mehr da ist. Der Feuerkopf mag noch den Rückhalt von Sportdirektor Jan Alston geniessen. Aber ganz oben im Verwaltungsrat, wo auch auf die Aussenwirkung und die medialen Auftritte geachtet wird, steht er auf dünnem Eis.

Gewährsleute melden besorgt, HCD-Präsident Gaudenz ­Domenigs Begeisterung für den Trainer halte sich in engen Grenzen. Um es diplomatisch zu sagen.

Für die Aussenseiter geht es nur um Ruhm und Ehre

Womit klar scheint: Scheitert der HCD ausgerechnet gegen die Lakers, wird in Davos die Trainerfrage gestellt. Die nächste Niederlage könnte für Christian Wohlwend die letzte an der HCD-Bande sein. Verliert er am Montag auf eigenem Eis, ist die Saison (und wohl seine Amtszeit) zu Ende.

Die Lakers haben hingegen im Falle einer Niederlage am Mittwoch auf eigenem Eis im 7. Spiel noch eine Chance. Und da sie – wie die Bieler gegen den ZSC – gefühlte Aussenseiter sind, hat der Trainer nichts zu befürchten. Stefan Hedlund und Antti Törmänen spielen heute Abend um Ruhm und Ehre. Christian Wohlwend und Rikard Grönborg um ihre Autorität und den Platz an der Bande.