Tennisspielerin Petra Kvitova: Die Ärzte zweifelten an ihrem Comeback

Die tschechische Tennisspielerin wurde vor zwei Jahren bei einem Angriff schwer an der Schlaghand verletzt. Nun steht sie an den Australian Open im Final.

Jörg Allmeroth, Melbourne
Merken
Drucken
Teilen
Die tschechische Tennisspielerin Petra Kvitova. Bild: Mark Schiefelbein/AP (Melbourne, 24. Januar 2019)

Die tschechische Tennisspielerin Petra Kvitova.
Bild: Mark Schiefelbein/AP (Melbourne, 24. Januar 2019)

Natürlich musste man sich an diesem emotionsgeladenen Grand-Slam-Tag in Melbourne noch einmal die Worte von Radek Kebrle in Erinnerung rufen. Kebrle ist Chirurg – er war es, der Petra Kvitova vor gut zwei Jahren operiert hat. Es war ein schwerer, komplizierter Eingriff. Kvitova war daheim in ihrer Wohnung überfallen worden, der Einbrecher attackierte den tschechischen Tennisstar mit einem Messer. Sie konnte ihn zwar in die Flucht schlagen, aber sie war massiv an der linken Hand verletzt. Alle fünf Finger waren geschädigt, die Sehnen und Nerven betroffen. Der Angriff des Verbrechers auf Kvitova war so hart, dass Kebrle damals an ein Comeback zweifelte: «Die Chancen, dass Petra wieder Tennis spielen konnte, waren sehr gering. Die Verletzungen waren grauenvoll.»

Es kam zum Glück ganz anders. Kvitova kann inzwischen nicht einfach nur wieder ihre Hand benutzen, die Finger bewegen, greifen und auch fast uneingeschränkt fühlen. Sie spielt längst wieder herausragendes Tennis. Es ist ein Comeback, dass sie selbst, ihre Familie und ihr Tennisteam wohl ins Reich der Fantasie verwiesen hatten – damals, als nichts da war ausser Ungewissheit, Ängsten und Zweifel. Als an Hochleistungstennis, Grand-Slam-Auftritte und Punkte in der Weltrangliste gar nicht zu denken war, als es nur darum ging, «wieder einigermassen vernünftig zu leben, mit einer irgendwie funktionierenden Hand», wie Kvitova sagt.

Letztes Jahr stand sie aber bereits wieder unter den Top Ten. Kein Wunder, sie gewann schliesslich nicht weniger als vier Turniere und besiegte, ganz nebenbei, im Fed-Cup-Halb­final in Stuttgart nacheinander Julia Görges und Angelique Kerber. Was noch fehlte, war ein Grand-Slam-Glanzauftritt. Der kam nun früh in der Saison 2019 in Melbourne. Sie ist dort nun die erste tschechische Finalistin seit Jana Novotna 1991. Eine Finalistin, die über sich sagt: «Den grössten Sieg habe ich nicht auf dem Tennisplatz geschafft.» Den schaffte sie, als sie es wieder zurück auf den Tennisplatz schaffte. Ganz einfach, so Kvitova, «weil ich mich nicht unterkriegen liess».

Ihre Geschichte gehört jedenfalls zu den erstaunlichsten Geschichten, die man im Tennis miterlebt hat. Diese Geschichte einer tapferen, unbeugsamen Kämpferin, die sich ihr Leben, ihren Sport und ihre Träume nicht von einem feigen Räuber zerstören lassen wollte. Und die nun, in den Januartagen des Jahres 2019, wieder dort steht, wo sie schon einmal vor dem Messerattentat stand: In einem Grand-Slam-Final. Und dieses Mal sogar mit der Chance ausgestattet, wieder die Nummer eins zu werden. «Das bedeutet mir die Welt. Es ist wirklich unglaublich», sagte die 28-Jährige gestern, als sie mit einem 7:6-, 6:0-Sieg über die Amerikanerin Danielle Collins ins Endspiel der Australian Open eingezogen war. Sie trifft dort auf Japans Shootingstar Naomi Osaka. Auch sie, die US-Open-Königin, kann im Falle eines Triumphes den Ranglistengipfel besteigen.