Peking 2022
Alles Wissenswerte zu den Olympischen Winterspielen in Peking +++ Das sind die Schweizer Medaillenhoffnungen +++ Die Wettkampf-Agenda

Die 24. Olympischen Winterspiele finden im Februar in Peking statt. Wer sind die grössten Schweizer Hoffnungen? Und warum rufen Hilfsorganisationen zum Boykott der Spiele auf? Alle Fakten im Überblick.

Redaktion
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Chinesische Artisten bei einer Zeremonie zur Ankunft der olympischen Flagge im Februar 2018.

Chinesische Artisten bei einer Zeremonie zur Ankunft der olympischen Flagge im Februar 2018.

Bild: AP

Die Daten

Die 24. Olympischen Winterspiele finden vom 4. bis 20. Februar 2022 in Peking statt. Chinas Hauptstadt ist damit die erste Stadt, die nach Olympischen Sommerspielen (2008) auch Olympische Winterspiele organisiert.

Die Orte

Die chinesischen Organisatoren haben Wettkämpfe an drei Orten geplant. In Peking selber werden die Curlingspiele, das Eishockeyturnier und sämtliche Eislaufwettbewerbe ausgetragen.

In Yanqing – 90 km ausserhalb von Pekings Stadtzentrum – sind die alpinen Skiwettbewerbe sowie die Eiskanalsportarten Bob, Rodeln und Skeleton vorgesehen.

Ski Freestyle, Snowboard, Langlauf, Biathlon, Skispringen und Nordische Kombination finden im Gebiet von Zhangjiakou statt, 200 km von Peking entfernt. Ein Hochgeschwindigkeitszug verbindet die drei Wettkampfzonen miteinander.

Acht der zwölf Veranstaltungsorte waren bereits für die Sommerspiele 2008 erstellt worden, darunter das Olympiastadion mit dem Übernamen «Vogelnest», nach den Plänen der Basler Architekten Herzog & De Meuron. Hier finden allerdings nur die Eröffnungs- und Schlusszeremonie statt.

Das Olympiastadion «Vogelnest».

Das Olympiastadion «Vogelnest».

Bild: Keystone

Die wichtigsten Wettkämpfe

Insgesamt sollen 109 Wettkämpfe (52 für Männer, 46 für Frauen und 11 Mixed-Wettbewerbe) in 7 Sportarten und 15 Disziplinen stattfinden. Das sind 7 Wettbewerbe mehr als in Pyeongchang 2018 – die Anzahl der Sportarten/Disziplinen bleibt gleich.

Die Medaillen

Die Medaillen für Peking 2022 tragen den Namen «Tong Xin», was so viel bedeutet wie «Zusammen als Einheit». Das Design basiert auf den alten chinesischen Anhängern aus Jade mit konzentrischen Kreisen, wobei die fünf Ringe für den olympischen Geist stehen, der die Menschen zusammenbringt, und für den Glanz der Olympischen Winterspiele, der in die ganze Welt getragen wird.

Die Medaillen für Peking 2022: Silber, Gold, Bronze.

Die Medaillen für Peking 2022: Silber, Gold, Bronze.

Bild: PD

Schweizer Medaillenhoffnungen

Aerials

  • Noé Roth: Er gehört seit drei Jahren zu den besten Skiakrobaten der Welt. In der Saison 2019/20 gewann er den Disziplinenweltcup. Nach einem durch Corona stark verkürzten Winter bildet Roth in der Olympiasaison mit Pirmin Werner und Nicolas Gygax ein starkes Schweizer Trio. Und auch das Mixed-Team hat Medaillenchancen.

Curling

  • CC Aarau: Nach den Olympischen Spielen 2018 formierte sich ein neues Frauenteam: Die ehemaligen Konkurrentinnen Silvana Tirinzoni und Alina Pätz schlossen sich zusammen und prägen seither mit Esther Neuenschwander und Melanie Barbezat das nationale und internationale Curling. 2019 und 2021 wurde das Team vom CC Aarau Weltmeister. Das macht die Frauen auch in Peking zu den Gejagten. Und auch das Männerteam um Peter de Cruz und das Mixed-Team mit Jenny Perret und Martin Rios hat realistische Medaillenchancen.

Eishockey

  • Seit dem WM-Silber-Märchen von 2013 träumt das Nationalteam von Höhenflügen. 2018 reiste die Schweiz mit grossen Ambitionen an die Olympischen Spiele in Südkorea und erlitt eine Bruchlandung: Aus in der Gruppenphase. Zwei Monate später rehabilitierte sich die Nati mit WM-Silber. Welches Gesicht zeigt Patrick Fischers Equipe in Peking?

Langlauf

  • Dario Cologna: 2010, 2014, 2018 - finden Olympische Spiele statt, und Dario Cologna gewinnt jedes Mal mindestens einmal Gold. Doch diese goldene Regel könnte ausgerechnet in seiner letzten Saison ausser Kraft treten. Cologna ist nicht mehr so dominant. Allerdings wäre es falsch, ihn  abzuschreiben. Seine Erfahrung, sein taktisches Geschick und die weiterhin vorhanden Fähigkeiten haben Überraschungspotenzial.

Ski alpin

  • Lara Gut-Behrami: Gold im Super-G, Gold im Riesenslalom und Bronze in der Abfahrt: Die WM in Cortina im Februar 2021 wurde zu ihren Festspielen. Kein Wunder wird die 30-Jährige auch ein Jahr später in Peking in den Olympiarennen zu den Favoritinnen zählen.
  • Beat Feuz: Viermal in Serie war er der beste Abfahrer der Saison. Hinzu kommt WM-Gold 2017 und zweimal WM-Bronze (2015/2021) in dieser Disziplin. Wenn Abfahrt ist, gehört Feuz zu den Topfavoriten.
  • Corinne Suter: 2019 gelang ihr mit WM-Silber in der Abfahrt und Bronze im Super-G der ganz grosse Durchbruch. Zwei Jahre später wurde sie Abfahrtsweltmeisterin und WM-Zweite im Super-G. Kurz: Grossanlässe und Suter – das passt seit drei ideal Jahren zusammen.
  • Marco Odermatt: Egal welcher Ski-Experte von ihm spricht: Die Lobeshymnen hören nicht auf. 2018 war Odermatt fünffacher Juniorenweltmeister. Dass er bald den Gesamtweltcup gewinne, sei sowieso vorbestimmt. Olympiamedaillen passen da gut ins Bild. Am ehesten im Riesenslalom, aber auch im Super-G und in der Abfahrt.
  • Wendy Holdener: Einen Slalom hat sie zwar noch immer nicht gewonnen, doch die Schwyzerin fährt in dieser Disziplin seit Jahren so konstant auf das Podest, dass dies für das Rennen in Peking nur Gutes verheisst. Silber an einer WM (2017) und bei Olympia (2018) hat sie schon gewonnen. Wird sie in China zur Siegerin? Und dann wäre da ja noch die Kombination. Dort zählt sie immer zu den Favoritinnen. Genau wie Michelle Gisin, die 2018 Kombi-Olympiasiegerin wurde.
  • Team: In Südkorea wurden Denise Feierabend, Wendy Holdener, Daniel Yule, Ramon Zenhäusern, und Luca Aerni 2018 Olympiasieger. Die Schweizerinnen und Schweizer mögen den Teamwettbewerb und haben ausgewiesene Könner in ihren Reihen. Das sind sehr gute Vorzeichen. Apropos Zenhäusern und Yule: Sie gehören auch im Slalom zu den Mitfavoriten. Überhaupt wird Swiss-Ski in Peking erneut mit einer äusserst starken Delegation an den Start gehen.

Skicross

  • Fanny Smith: 2018 gewann sie in Südkorea Olympia-Bronze. Und seit 2017 wurde sie an Weltmeisterschaften dreimal hintereinander mit Silber ausgezeichnet. Es wäre also definitiv Zeit für Gold. Und das ist ein realistisches Ziel für die 29-jährige Westschweizerin, die im vergangenen Winter zum dritten Mal den Disziplinenweltcup gewann.
  • Alex Fiva: Er hat mit den Olympischen Spielen eine Rechnung offen. 2014 zog er sich kurz vor dem Wettkampf einen Bandscheibenvorfall zu. 2018 gewann er die Qualifikation und kam im ersten K.o.-Lauf zu Fall, als er ausgerechnet mit dem Schweizer Marc Bischofberger kollidierte. In der vergangenen Saison wurd Fiva Weltmeister. Es war eine Versöhnung mit den Grossanlässen. Wird Peking die Krönung?

Ski freestyle

  • Andri Ragettli: Nach den Olympischen Spielen 2018 war er untröstlich: Nur Rang sieben als Mitfavorit. In der vergangenen Saison holte er an der WM nach, was in Südkorea nicht klappte: Gold im Slopestyle. Allerdings verletzte er sich danach im Big Air schwer. Nach einem Kreuzbandriss ist er nun zurück. Versöhnt er sich mit Olympia? 
  • Sarah Höfflin: In Südkorea gewann sie direkt vor ihrer Schweizer Teamkollegin Mathilde Gremaud Olympiagold im Slopestyle. Beide werden wohl auch in Peking zu den Favoritinnen zählen. Und das auch im Big Air.

Skispringen

  • Killian Peier: Von Renommee her müsste hier natürlich Simon Ammann stehen. Er ist doppelter Doppelolympiasieger (2002 /2010). Doch bei seinen siebten Winterspielen bräuchte es ein kleines Wunder für ein Medaille. Realistischer sind die Chancen von Killian Peier, der mit WM-Bronze 2019 bewies, dass er Grossanlässe mag.

Snowboard

  • Nevin Galmarini: 2014 gewann er in Sotschi Olympia-Silber im Parallel-Riesenslalom. 2018 wurde er  Olympiasieger. Das Ziel für 2022 ist klar: der 35-Jährige will in Peking den Medaillen-Hattrick.

Schweizer Erfolge bei vergangenen Spielen

Mit 15 Medaillen (5 x Gold, 6 x Silber, 4 x Bronze) war die grosse Schweizer Delegation mit 171 Athletinnen und Athleten in Südkorea (2018) so erfolgreich wie letztmals 1988 in Calgary. Michelle Gisin gewann Gold in der Kombination, Sarah Höfflin im Slopestyle, Dario Cologna im Langlauf über 15 km frei und Nevin Galmarini im Snowboard Parallel-Riesenslalom.

Zum Abschluss der Spiele gab es dann nochmals Grund zum Feiern: Wendy Holdener, Denise Feierabend, Daniel Yule, Luca Aerni und wiederum Ramon Zenhäusern gewannen Gold im Ski-alpin-Teamwettbewerb.

Dario Cologna schrieb mit seiner insgesamt vierten Olympiagoldmedaille Sportgeschichte.

Dario Cologna schrieb mit seiner insgesamt vierten Olympiagoldmedaille Sportgeschichte.

Bild: Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Legendär ist der Satz von Skifahrer Ramon Zenhäusern, der seine Silbermedaille im Interview mit «Einfach birnenweich!» quittierte.

Wahl des Austragungsortes

Das Bewerbungsverfahren startete im Sommer 2013. Bis im November reichten nur die Städte Almaty und Peking ihre Bewerbung ein. Bei der Abstimmung an der IOC-Sitzung im Sommer 2015 setzte sich Peking mit 44:40-Stimmen gegenüber der kasachischen Stadt Almaty durch.

Kritik an Peking

Bei Olympischen Spielen spielt sich ein Austragungsort automatisch auch politisch in den Fokus der Aufmerksamkeit. Nicht weniger als 180 Menschenrechtsorganisationen rufen zu einem Boykott der Winterspiele 2022 auf. Peking wird unter anderem die Unterdrückung der Uiguren vorgeworfen sowie dessen Umgang mit der Protestbewegung in Hongkong 2019/2022 kritisiert.

Auch der Umgang mit den Medien wirft Fragen auf: Als der polnische Rodler Mateusz Sochowicz auf olympischen Bahn in Yanqing verunglückte, wurde dies in den chinesischen Medien zensiert. Kritiker sagen, die autoritäre Politik disqualifiziere Peking als Gastgeber Olympischer Spiele.

Anfang November 2021 hatte die chinesische Tennisspielerin Peng Shuai auf einer Social-Media-Plattform geschrieben, dass sie vom ehemaligen Vizeministerpräsidenten Zhang Gaoli sexuell genötigt worden sei. Danach war sie spurlos verschwunden. WTA-Direktor Steve Simon verlangte ein Lebenszeichen und drohte damit, die Geschäftsbeziehungen zu China abzubrechen. Dann die Entwarnung: Das IOK kommunizierte am 21. November, Präsident Thomas Bach habe während 30 Minuten per Video-Call mit ihr gesprochen.

Das Maskottchen

Das olympische Maskottchen «Bing Dwen Dwen» wird als Botschafter des Wintersports fungieren und den Teilnehmern und Zuschauern der Olympischen Winterspiele Freude bereiten. «Bing» bedeutet Eis und symbolisiert auch Reinheit und Stärke, und «Dwen Dwen» steht für Kinder. Das Maskottchen verkörpert auch die Stärke und Willenskraft der Athleten und soll dazu beitragen, den olympischen Geist zu fördern.

Das Werbevideo zu Maskottchen «Bing Dwen Dwen».

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