Olympische Spiele
Mit Mujinga Kambundji und Max Heinzer sind erstmals eine Frau und ein Mann Schweizer Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier

Bei den Olympischen Spielen in Tokio kommt es zu einem Novum. Mit der Leichtathletin Mujinga Kambundji und dem Fechter Max Heinzer führen gleich zwei Fahnenträger:innen die Schweizer Delegation an.

Simon Häring, Tokio
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Mujinga Kambundji und Max Heinzer führen die Schweizer Olympia-Delegation in Tokio bei der Eröffnungsfeier am Freitag an.

Mujinga Kambundji und Max Heinzer führen die Schweizer Olympia-Delegation in Tokio bei der Eröffnungsfeier am Freitag an.

CH Media

Die Würfel sind gefallen. Leichtathletin Mujinga Kambundji und Fechter Max Heinzer führen die pandemiebedingt kleine Schweizer Delegation bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Tokio am Freitag um 13.00 Uhr als Fahnenträger an. Dass ein Mann und eine Frau gleichzeitig zu dieser Ehre kommen, ist ein Novum in der Schweizer Olympia-Geschichte.

Olympia: Max Heinzer und Mujinga Kambundji sind Schweizer Fahnenträger

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Delegationsleiter Ralph Stöckli versteht darin ein Zeichen im Sinne der Geschlechtergerechtigkeit. Über Mujinga Kambundji sagt er: «Sie ist das Gesicht der neuen Generation in der Schweizer Leichtathletik, die sich unglaublich positiv entwickelt hat. Mujinga ist eine Sympathieträgerin, die es geschafft hat, sich in einer Weltsportart an der Spitze zu etablieren.»

Kambundji wurde 2019 bei den Weltmeisterschaften in Doha über 200 Meter Dritte und gewann als erste Schweizerin überhaupt eine Sprint-Medaille. Mit den Olympischen Spielen hat die 29-jährige Bernerin noch eine Rechnung offen: 2016 in Rio de Janeiro scheiterte sie über 100 Meter bereits im Vorlauf. Über 200 Meter erreichte sie immerhin die Halbfinals.

2019 gewann Mujinga Kambundji über 200 Meter WM-Bronze.

2019 gewann Mujinga Kambundji über 200 Meter WM-Bronze.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Erst die vierte Frau bei Sommerspielen

Kambundji ist erst die zwölfte Frau, die seit 1958 entweder an einer Eröffnungs- oder Schlussfeier die Schweizer Fahne trägt. 2016 in Rio de Janeiro wurde Giulia Steingruber zur erste Schweizer Fahnenträgerin an einer Eröffnungsfeier seit Cornelia Bürki 1988 . Kurz darauf gewann sie mit Bronze im Sprung als erste Schweizer Turnerin eine Olympia-Medaille.

Max Heinzer und Mujinga Kambundji Schweizer Fahnenträger.

Keystone

Max Heinzer nimmt bereits zum dritten Mal 2016 an Olympischen Spielen teil. 2012 in London scheiterte er im Einzel in den Achtelfinals, vier Jahre später in Rio de Janeiro in den Viertelfinals am späteren Olympia-Sieger. Bei Europameisterschaften hat der 33-Jährige 2 Mal Silber und 3 Mal Bronze gewonnen, mit der Mannschaft wurde er 2018 Weltmeister.

2018 wurde Max Heinzer (2.v.r) mit der Schweiz Weltmeister.

2018 wurde Max Heinzer (2.v.r) mit der Schweiz Weltmeister.

Keystone

Heinzer sagt: «Ich war von der Anfrage positiv überrascht, denn ich bin mir bewusst, dass ich im Vergleich zu anderen Fahnenträgern, in der Vergangenheit noch keine Olympia-Medaille gewonnen haben.» Mit seinen 17 Weltcup-Siegen und 17 EM- und WM-Medaillen – vier davon in Gold – verfüge er aber doch über einen langjährigen Leistungsausweis.

Ralph Stöckli sagt über Heinzer: «Max lebt den olympischen Traum auf faszinierende Art und Weise vor. Dies in einer Sportart, die bei Olympischen Spielen jeweils auf die ganz grosse Bühne tritt. Max vertritt damit auch die Athletinnen und Athleten aus kleineren Sportarten, die den Spitzensport als Beruf ausüben, und er ist ein Vorbild für viele von ihnen.»

Als einziger Schweizer zwei Mal Fahnenträger war der Tennisspieler Roger Federer – 2004 führte er die Schweizer Delegation in Athen an, 2008 in Peking. Vier Jahre später in London kam Stan Wawrinka zu dieser Ehre.

2004 in Athen und wie hier 2008 war Roger Federer Fahnenträger.

2004 in Athen und wie hier 2008 war Roger Federer Fahnenträger.

Oliver Weiken / EPA

Wermutstropfen: Eröffnungsfeier ohne Zuschauer

Nun kommt es mit Mujinga Kambundji und Max Heinzer zu einem Novum. Ein kleiner Wermutstropfen: Weil über Tokio während der Olympischen Spiele der Notstand verhängt worden ist, wird die Eröffnungsfeier wie auch alle Wettkämpfe ohne Zuschauer stattfinden. Eingeschränkt ist auch das Feld der möglichen Fahnenträgerinnen bei der Schlussfeier. Denn die Athleten müssen Japan bis 48 Stunden nach ihrem Wettkampf verlassen.

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