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Ohne Lockerung droht allen Klubs im Schweizer Spitzeneishockey der Konkurs

Geisterspiel zwischen Rapperswil-Jona und Lugano

Geisterspiel zwischen Rapperswil-Jona und Lugano

Vom Entscheid des Bundesrates am 12. August hängt ab, ob es eine nächste Eishockeysaison geben wird.

Der Platz war gut gewählt. Die Klubmanager unserer höchsten Eishockeyliga eilten am vergangenen Donnerstag und Freitag für eine Klausur ins «Kemmeriboden-Bad». Ein Kraftort im tiefsten Emmental.

Versammlungen an magischen Plätzen in Zeiten der Not haben Tradition: Fast auf den Tag genau 80 Jahre zuvor hatte General Henri Guisan am 25. Juli 1940 alle Offiziere auf dem Rütli versammelt. Um das weitere Vorgehen in schweren Zeiten zu besprechen. Aber es gibt einen Unterschied: Der General präsentierte eine Lösung: Wegen militärischer Ohnmacht Preisgabe des Flachlandes, Rückzug ins Reduit der Alpen, und die Offiziere kehrten guten Mutes zu ihren Soldaten zurück.

Ohne Lockerung keine Meisterschaft

Die «Klubgeneräle» haben sich hingegen rat- und mutlos nach dem «Kemmeriboden-Bad-Rapport» in ihre Büros zurückgezogen. Das einzige Resultat ihrer Zusammenkunft: ein «offener Brief zum Nationalfeiertag» an die «Damen und Herren Bundesräte, Damen und Herren Regierungsräte aller Kantone». Mit der untertänigen, flehentlichen Bitte, man möge doch dem Volk die Spiele zurückgeben und die Stadien wieder öffnen.

Auf dem Spiel steht die nächste Saison, die eigentlich am 18. September mit dem Knüller SC Bern gegen die ZSC Lions beginnen sollte. Aber bei den aktuellen behördlichen Anordnungen – nicht mehr als 1000 Zuschauer in einem Stadion – wird das nicht möglich sein. Das ist von den Klubs inoffiziell so beschlossen worden.

Hilflos ausgeliefert

Nun ist die Landesregierung die letzte Hoffnung. Am 12. August entscheidet der Bundesrat darüber, wie es weitergehen soll. Das Schweizer Eishockey ist hilflos den Entscheiden der Politikerinnen und Politiker ausgeliefert.

Bern - Fribourg vor leeren Rängen

Bern - Fribourg vor leeren Rängen

Belässt es der Bundesrat bis auf weiteres bei der 1000er-Grenze – also sozusagen ein «Null-Entscheid», dann gibt es keine Meisterschaft. Überlässt der Bundesrat die Kompetenz in dieser Sache weiterhin den Kantonen, gibt es ebenfalls keine nächste Saison.

Nur wenn der Bundesrat mit einem langfristigen, auch für die Kantone verbindlichen Entscheid für Planungssicherheit sorgt, gibt es unter Umständen eine Meisterschaft. Ligamanager Denis Vaucher sagt:

Eine Begrenzung auf 1000 Zuschauer sei nur hinnehmbar, wenn jetzt schon eine Öffnung der Stadien ab dem 1. Januar bewilligt würde. «Dann würde der Spielplan vorerst ausgedünnt und es ginge ab dem 1. Januar richtig los.»

Die Klubs wären alle überdotierten Verträge los

Spielplanchef Willi Vögtlin hat zwar Varianten für einen verspäteten Saisonbeginn ausgearbeitet. Bei einem Start bis am 1. November hat er keine Schwierigkeiten. Dann werden die bis zu diesem Zeitpunkt verschobenen Partien einfach am Schluss angehängt. Aber dann wird es schwierig. Wenn erst am 1. Dezember gestartet werden kann, sind nur noch 44 Qualifikationspartien möglich.

33 Qualifikationspartien sind auch möglich

Bei einem Start am 1. Januar wären es sogar nur noch 33. Für Denis Vaucher sind das aber kaum umsetzbare Verschiebungsszenarien. «Die grosse Frage ist dann, wie die Zeit bis zum Saisonstart überbrückt werden kann. In einem solchen Fall würde es nicht ohne Bundeshilfe gehen.»

Inzwischen steht die Frage im Raum: Was ist, wenn eine Meisterschaft nicht möglich ist? Dann käme es zu einem «Lockdown» des Profihockeys. Was dann? Die Frage geht an SCB-Manager Marc Lüthi, wohl der fähigste Vermarkter und Krisenmanager. Er gesteht:

Sie sei auch bei der Ligaversammlung nicht konkret besprochen worden. Aus gutem Grund: Eine Stilllegung des Profibetriebes bis im Herbst 2021 – ohne Gewissheit, ob es überhaupt eine übernächste Saison gibt – hätte für die Klubs, die als Aktiengesellschaften konstituiert sind, den Konkurs zur Folge.

Der Konkurs ist eine «Rechtswohltat». Die Klubs wären alle überdotierten Verträge los und könnten auf der «grünen Wiese» neu beginnen. Gouverner c’est prévoir (gutes Regieren heisst vorausschauen): Vaucher hat sich zu diesem Szenario Gedanken gemacht: «Wenn das passieren sollte, dann müssten wir sicherstellen, dass alle Klubs gleichzeitig in Konkurs gehen.» Wegen finanzieller Ohnmacht ein geordneter Rückzug ins Reduit der Zahlungsunfähigkeit im Sinne von Henri Guisan.

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