Nur 14 Monate nach Kreuzbandriss
Skispringer Killian Peier in Engelberg mit dem zweitbesten Weltcupresultat der Karriere

Der WM-Dritte von 2019 bringt sich in Richtung Olympische Spiele in eine immer bessere Position. Beim Heimwettkampf in Engelberg sorgt Killian Peier mit Rang 4 für das beste Schweizer Resultat seit Simon Ammann im Jahr 2014. Peier selbst war im Weltcup erst einmal besser.

Rainer Sommerhalder
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Killian Peier kann mit seinem Auftritt im ersten von zwei Weltcupspringen in Engelberg sehr zufrieden sein.

Killian Peier kann mit seinem Auftritt im ersten von zwei Weltcupspringen in Engelberg sehr zufrieden sein.

Keystone

Es ist eines der beachtlichsten Comebacks im Sport überhaupt. Killian Peier riss sich im Oktober 2020 das Kreuzband. Gerade im Skispringen, wo auf zartgliedrige Athleten nach 140 Metern Flug bei der Landung ungeheure Kräfte einwirken, bedeutete diese Blessur schon mehr als einmal eine gewaltige Zäsur in der Karriere. Denn die Angst, dort unten beim kritischen Punkt einen sauberen Telemark zu setzen, begleitet die Springer nach einem Sturz oft für lange Zeit. Simon Ammann kann ein Lied davon singen.

Doch der 26-jährige Peier springt nach einer zwölfmonatigen Wettkampfpause auf Anhieb mit einer Eleganz zurück in die Weltspitze, als komme er gerade aus den Flitterwochen. In den bisherigen acht Einzelspringen im Weltcup war Peier nie schlechter als auf Rang 16. In Engelberg war es sein vierter Top-10-Platz der Saison, sein mit Abstand bestes Resultat am Heimevent (bisher Platz 11) und gar die zweitbeste Weltcup-Klassierung seiner gesamt Karriere.

Zum ersten Mal in diesem Winter zwei sehr gute Sprünge

Killian Peier lieferte diesen Exploit auf der Titlisschanze mit einer Selbstverständlichkeit ab, wie er ihn danach auch kommentierte.« Ich bin sehr zufrieden, weil ich zwei gute Sprünge gezeigt habe. Im bisherigen Verlauf der Saison kämpfte ich noch ein wenig mit der Ausgeglichenheit in den beiden Durchgängen.» Er sei sich bewusst gewesen, dass er einen Podestplatz in den Beinen habe.

Der WM-Dritte von 2019 will seiner Comeback-Taktik treu bleiben und «Sprung für Sprung schauen und sich jeweils auf die nächste Herausforderung fokussieren», anstatt über mögliche Resultate zu spekulieren. «Ich muss geduldig bleiben und auf mich konzentriert sein.» Folgen Peiers Leistungen aber weiterhin diesem Trend, dann ist es eine Frage der Zeit bis zum ersten Podestplatz des Winters.

Andreas Küttel, der 2007 als erster Schweizer überhaupt in Engelberg ein Weltcupspringen gewann, traut Peier in naher Zukunft sogar einen Sieg zu. Wieso nicht bei den Olympischen Spielen im Februar in Peking. Es wäre die perfekte Dramaturgie dieses Comeback-Märchens.

Vier Schweizer im Final, aber ein Trio wartet noch auf einen Exploit

Zum zweiten Mal innert Wochenfrist qualifizierten sich vier Schweizer Skispringer für den Finaldurchgang. Mehr als Staffage waren Gregor Deschwanden (26.), Simon Ammann (29.) und Dominik Peter (30.) dort aber nicht. Der Drive von Teamleader Killian Peier animiert sie offensichtlich noch nicht zum Abheben.

Stärkster und zugleich konstantester Springer der Saison ist derzeit der Deutsche Karl Geiger. Er gewann in Engelberg zum zweiten Mal in diesem Winter und positionierte sich im Weltcup mit einer Ausnahme stets in den Top 5.