Eishockey

Neue Ausländer kosten im Schweizer Eishockey nicht einmal halb so viel wie vor einem Jahr

Vor drei Jahren kassierte Eero Elo in Langnau ein hohes Salär, jetzt spielt er bei Langenthal für 5000 Franken im Monat.

Vor drei Jahren kassierte Eero Elo in Langnau ein hohes Salär, jetzt spielt er bei Langenthal für 5000 Franken im Monat.

Die Virus-Krise sorgt für einen Preissturz bei ausländischen Spielern. Die Schweizer Klubs sind aber noch zurückhaltend auf dem Transfermarkt.

So ändern die Zeiten. So ändern die Preise. Am 27. September 2016 kommt Eero Elo (30) aus der KHL nach Langnau. Mit etwas mehr als 20'000 Franken pro Monat gehört er zu den billigsten Ausländern der Liga.

Nun hat er in der zweithöchsten Spielklasse beim SC Langenthal unterschrieben. Für 5000 Franken pro Monat. Der Preissturz hat wenig mit seiner Leistung zu tun. Letzte Saison war er als Nothelfer ins Emmental zurückgekehrt und hatte in den letzten zehn Partien sechs Tore erzielt.

Die Virus-Krise hat alles verändert. Biels Sportchef Martin Steinegger sagt, die Preise für Ausländer dürften um 50 bis 70 Prozent fallen. Und weil die Saison der nordamerikanischen Farmteamliga AHL auf der Kippe steht und die britische Operetten-Meisterschaft bereits abgesagt ist, könnte es sein, dass ausländisches Personal im Laufe der nächsten Wochen noch einmal erheblich billiger wird. Martin Steinegger hat festgestellt: «Viele werden froh sein, noch irgendwo spielen zu können.»

Zuerst muss das Publikum das Gejammer vergessen

Pech also, wer seine ausländischen Stars noch zu guten Zeiten angestellt hat. In diesen Fällen werden in den nächsten Wochen Gespräche über Lohnkürzungen laufen. Glücklich, wer jetzt noch Plätze zu vergeben hat. Die SCL Tigers haben erst zwei ausländische Stürmer unter Vertrag. Den Kanadier Ben Maxwell und den Amerikaner Robbie Earl.

Wir können davon ausgehen, dass bald ein oder zwei weitere Ausländer kommen werden. Sportchef Marc Eichmann sagt: «Wir beobachten den Markt aufmerksam und wenn der Preis stimmt, ist es nicht ausgeschlossen, dass wir weitere ausländische Spieler verpflichten werden.»

Auch der SC Bern hat noch nicht alle Ausländerlizenzen eingelöst. Weil eine für Torhüter Tomi Karhunen gebraucht wird, sollten eigentlich noch vier ausländische Feldspieler zur Verfügung stehen, aber erst zwei sind da. SCB-Manager Marc Lüthi hat seiner Sportchefin Florence Schelling noch keine «Einkaufs-Bewilligung» erteilt: «Es ist möglich, dass wir weitere Ausländer verpflichten.

Aber wir gehen keinerlei finanzielle Risiken ein.» Und da die Preise fallen, wird dieses Risiko immer geringer. Weil die Präsidenten und Manager so ausgiebig über finanzielle Probleme gejammert haben, gilt noch eine «Karenzfrist»: neue Ausländer erst, wenn das Publikum das Gejammer vergessen hat.

5000 Franken im Monat sind zuviel

Inzwischen gibt es sogar Gratis-Ausländer. Die Edmonton Oilers haben beispielsweise Ryan McLeod bis zum Saisonstart in Nordamerika gratis dem EV Zug überlassen. Damit er Spielpraxis bekommt. Das Problem: sobald die NHL-Trainingscamps beginnen, muss der Kanadier heimkehren. Besser ist ein Billig-Ausländer für die ganze Saison.

Zwar ist nicht sicher, dass Eero Elo länger als zwei Monate in Langenthal bleibt. Er hat eine Ausstiegsklausel für die höchste Liga. Aber die Preise sind so stark gefallen, dass er womöglich mit 5000 Franken im Monat wegen des Spardruckes für die Sportchefs der National League zu teuer bleibt. Die Langnauer waren jedenfalls nicht bereit, ihn für diesen Lohn – der etwa einer Schreibkraft im Büro entspricht – zu verpflichten.

Weshalb nun Langenthals Sportchef Kevin Schläpfer zum Zuge gekommen ist. Er hatte letzte Saison mit dem Amerikaner Joey Benik und dem Kanadier Andrew Clark schon zwei «Billig-Ausländer» und kann es nach wie vor fast nicht fassen, dass er jetzt mit Eero Elo für noch weniger Geld eine echte Rolex auf dem internationalen Transferwühltisch gefunden hat.

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