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0:4 gegen England vor Rekordkulisse bremst EM-Euphorie – dennoch gibt es Grund zur Hoffnung für die Schweiz

Vor 10'022 Personen verliert die Schweiz im Letzigrund gegen England mit 0:4. Angst vor der anstehenden Europameisterschaft müsse man deshalb noch nicht sagen, heisst es danach von den Schweizerinnen.

Raphael Gutzwiller
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Die Schweizerin Ramona Bachmann (links) im Duell mit Keira Walsh.

Die Schweizerin Ramona Bachmann (links) im Duell mit Keira Walsh.

Ennio Leanza / AP / keystone-sda.ch

56 Minuten lang steht die Null. Dann kommt Alessia Russo im Schweizer Strafraum zum Kopfball und trifft zur englischen Führung. Bis dahin hatten die Schweizerinnen gegen EM-Titelkandidaten England zwar gut dagegen gehalten, doch nach dem Gegentor durch Russo folgt der Einbruch aus Schweizer Sicht. Am Ende steht ein 0:4, es ist eine erneute Klatsche. Dies ein bisschen mehr als eine Woche vor dem ersten Spiel an der EM gegen Portugal.

Über 10'000 Zuschauerinnen und Zuschauer: So viele waren noch nie an einem Frauen-Länderspiel in der Schweiz.

Über 10'000 Zuschauerinnen und Zuschauer: So viele waren noch nie an einem Frauen-Länderspiel in der Schweiz.

Ennio Leanza / Keystone

Dabei wäre die Kulisse im Zürcher Letzigrund angerichtet gewesen, um eine grosse Euphorie zu entfachen. 10022 Personen sind vor Ort, es ist ein neuer Zuschauerrekord bei einem Frauen-Länderspiel in der Schweiz. «Die Kulisse zeigt, dass der Frauenfussball in der Schweiz immer beliebter wird», soll später Mittelfeldspielerin Sandy Maendly darüber sagen. Doch die aufkeimende Euphorie wird von negativen Resultaten getrübt.

0:11 lautet die Bilanz aus den beiden Testspielen gegen die Topnationen Deutschland und England. Nach dem krassen 0:7 in Deutschland vor einer Woche gibt der Auftritt gegen England aber Mut. Nationaltrainer Nils Nielsen sagt: «Am Ende steht ein schlechtes Resultat. Doch insgesamt war eine Leistungssteigerung erkennbar. Ich bin aber vor allem genervt, dass wir am Schluss wieder eingebrochen sind.»

Nils Nielsen (rechts) analysiert die Niederlage mit Verteidigerin Noelle Maritz.

Nils Nielsen (rechts) analysiert die Niederlage mit Verteidigerin Noelle Maritz.

Ennio Leanza / Keystone

Tatsächlich zeigen die Schweizerinnen bis zu den Gegentoren, dass sie auch gegen Topnationen phasenweise dagegen halten können. Offensichtlich ist zwar auch in dieser Phase, dass die Schweiz nicht über die Qualitäten Englands verfügen, doch in ihren Möglichkeiten stellen sie sich gut an. Die Schweizerinnen stehen hoch, pressen dann und wann sogar – und die Nadelstiche mit den Offensivspielerinnen Crnogorcevic und Bachmann sorgen für einige Torgefahr.

Dieser Auftritt gäbe deshalb auch Grund zum Optimismus, meint Captain Lia Wälti nach der Partie. «Das Spiel war viel besser als jenes gegen Deutschland, auch wenn es nicht schön ist 0:4 zu verlieren. Aber wir versuchen das Positive zu sehen. Wir haben gegen ein Weltklasseteam lange die Null halten können.»

Lia Wälti will trotz dem 0:4 optimistisch bleiben.

Lia Wälti will trotz dem 0:4 optimistisch bleiben.

Ennio Leanza / Keystone

Ähnlich spricht Maendly. «Im Gegensatz zum Spiel gegen Deutschland hatten wir auch unsere Möglichkeiten.» Zudem sei zu erwähnen, dass die vielen Wechsel gegen Ende Automatismen durcheinander gebracht hätten. Die beiden Leistungsträgerinnen Wälti und Ana Maria Crnogorcevic, die mit ihrem 135. Länderspiel den Rekord von Lara Dickenmann eingestellt hat, haben den Platz zur Pause verlassen.

Angst nach den harschen Resultate müsse man vor der EM nicht haben, meint Maendly. «Die Leistung in der ersten Halbzeit macht Mut.» Und Nielsen sagt: «Beim Turnier wird alles wieder ganz anders sein.» Optimismus soll also noch angebracht sein, doch Grund zur EM-Euphorie geben die Auftritte der Schweizerinnen bisher nicht.