Eishockey
Nashville Predators-Captain Roman Josi und der Traum vom Stanley-Cup

In der Nacht auf Donnerstag beginnt für Roman Josi und Co. die neue NHL-Saison

Marcel Kuchta
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Das neue Aushängeschild der Nashville Predators: Captain Roman Josi.

Das neue Aushängeschild der Nashville Predators: Captain Roman Josi.

Freshfocus

Es war eine symbolträchtige Szene. Roman Josi und ein Grossteil seiner Teamkollegen von den Nashville Predators waren zum Spiel der American Footballer von den Tennessee Titans eingeladen. Da standen sie nun alle auf dem Feld, bevor das erste Saisonspiel der ebenfalls in Nashville beheimateten NFL-Profis angepfiffen wurde. Die Predators-Spieler durften dabei das traditionelle Beschwörungs-Ritual der Titans durchführen. Und es war Josi vorbehalten, umringt von seinen Mannschaftskameraden, ein überdimensionales Schwert in den Boden des Nissan-Stadions zu rammen. Die knapp 70 000 Zuschauer in der eindrücklichen Arena jubelten. Als der Schweizer zur Tat schritt, sah das schon fast ein wenig aus wie eine Krönung.

Ein Akt der Logik

Dass ausgerechnet Josi der Mann war, der den «Schwert-Akt» vollziehen durfte, kam nicht von ungefähr. Schon zu jenem Zeitpunkt war absehbar, was wenige Tage später offiziell verkündet wurde: Der 27-Jährige wurde zum Captain der Nashville Predators ernannt und damit Nachfolger des zurückgetretenen Mike Fisher. «Wir haben das Schwert entgegengenommen und es Roman in die Hand gedrückt. Es war für alle Spieler klar, dass er es bekommen soll», sagte Stürmer Ryan Johansen. Dass sich die Führungsriege der «Raubtiere» um GM David Poile für den Schweizer als Aushängeschild und Führer der Mannschaft entschied, war letztlich keine Überraschung, sondern viel mehr ein Akt der Logik.

Roman Josi: Einer der besten NHL-Verteidiger

Roman Josi: Einer der besten NHL-Verteidiger

KEYSTONE/AP/MARK HUMPHREY

Josi hat sich in seinen sechs Jahren, die er schon in Diensten der Predators steht, zu einem der wichtigsten Spieler des Teams und einem der besten NHL-Verteidiger entwickelt. Und auch neben dem Eis hat er sich in der Hierarchie der Mannschaft kontinuierlich nach oben gearbeitet. «Roman ist nicht nur einer unserer besten Spieler, er gilt auch als einer der Top-Verteidiger in der gesamten Liga. Alle respektieren ihn, auch die Gegner, nicht zuletzt wegen seiner Sportlichkeit und dem Verhalten auch neben dem Eis», lobte Poile seinen Captain anlässlich der Ernennung in höchsten Tönen.

Mark Streit: Die Abschiedstournee des Pioniers

Er war der erste Schweizer Feldspieler, der sich in der NHL durchgesetzt hat. Er war der erste Schweizer, der Captain einer NHL-Mannschaft wurde (bei den New York Islanders/Bild). Und er ist der Schweizer, der sowohl am meisten NHL-Spiele bestritten (818) als auch am meisten Skorerpunkte (449) gesammelt hat. Kurz: Mark Streit (39) ist eine Legende. Und er hat das Privileg, seine vermutlich letzte Saison in der besten Liga der Welt dort zu beenden, wo er sie vor zwölf Jahren begann: bei den Montreal Canadiens. In der – neben Toronto – wohl eishockeyverrücktesten Stadt der Welt. Eine tragende Rolle wird Streit in den Plänen von Canadiens-Headcoach Claude Julien nicht mehr spielen. Aber mit seiner immensen Erfahrung und seinen Qualitäten im Powerplay, wird er immer noch seine guten Momente auf dem Eis erleben. Sind alle Mann an Bord, dann wird Streit aber um einen Stammplatz kämpfen müssen. Wie seine Realität aussehen könnte, hat der Berner schon letzte Saison erlebt. In den Reihen von Stanley-Cup-Sieger Pittsburgh war er nur noch Ergänzungsspieler. Trotzdem ist er der erste Schweizer Feldspieler, der sich Cup-Sieger nennen da

Der richtige Mann

Der Berner, der zu den Spielern mit der meisten Eiszeit in der ganzen NHL gehört (in der vergangenen Saison standen nur acht Cracks länger auf dem Spielfeld als Josi), wird in seiner neuen Rolle noch mehr in den Mittelpunkt des Interesses rücken. Und er muss eine Mannschaft anführen, die im Juni nur knapp am Gewinn des Stanley Cups, des NHL-Titels, gescheitert ist – im Final unterlag man den Pittsburgh Penguins mit 2:4-Siegen. Für Predators-Trainer Peter Laviolette bestehen keine Zweifel, dass Josi der richtige Mann ist, um das Team zum Erfolg zu führen: «Roman hat exakt den Charakter als Person, als Spieler und als Teamkollege, den wir für unsere Mannschaft gesucht haben.»

«Roman hat exakt den Charakter als Person, als Spieler und als Teamkollege, den wir für unsere Mannschaft gesucht haben.»

«Roman hat exakt den Charakter als Person, als Spieler und als Teamkollege, den wir für unsere Mannschaft gesucht haben.»

Keystone

Roman Josi selbst orientiert sich bei der Interpretation seiner Rolle an seinen beiden Vorgängern, Shea Weber und Mike Fisher: «Sie waren die Spieler, die am härtesten gearbeitet haben – sowohl im Training als auch in den Spielen. In der Rolle als Captain ist das extrem wichtig. Man ist ein Vorbild, welchem die Teamkameraden folgen.» Dass Josi diese Qualitäten hat, daran zweifelt bei seinen Mitspielern niemand. Verteidiger Ryan Ellis sagt: «Wenn man alle Kategorien berücksichtig, die einen Leader definieren, dann hätte Roman überall die Maximalpunktzahl.»

David Poiles Meisterwerk

Angesichts dieser Lobeshymnen darf man mal wieder betonen, zu welch vergleichsweise günstigen Konditionen Roman Josi für die Nashville Predators spielt. In der neuen Saison verdient er zwar stattliche fünf Millionen US-Dollar. Sein «Cap-Hit» – das Salär, das an die Gesamtlohnsumme der Predatoren angerechnet wird – beträgt sogar «nur» 4 Millionen, was im Vergleich zu seinen Alters- und Leistungsgenossen einem absoluten Dumpingpreis entspricht. Der Siebenjahresvertrag, den Josi 2013 unterschrieben hat, wird als eines der Meisterwerke von GM David Poile in die Geschichte eingehen.

In einer idealen Welt wird die Saison, die mit der Schwert-Zermonie im Football-Stadion eingeläutet wurde, für Roman Josi mit einem weiteren, symbolträchtigen Akt zu Ende gehen. Der Captain darf den Meisterpokal, den Stanley-Cup, in Empfang nehmen. Das wäre dann die wahre Krönung.