Durch die Verschmelzung von Sunrise und UPC Schweiz entsteht erstmals ein Titan, der im Kommunikationsgeschäft Swisscom auf Augenhöhe herausfordert. Auf den ersten Blick eine trockene Wirtschaftsmeldung. Auf den zweiten Blick sehen wir: Ein «Big Deal», der die TV-Landschaft umpflügen und nicht nur den Hockey-Klubs künftig noch mehr TV-Geld bescheren wird.

Inhalte bekommen in der neuen Medienwelt immer grösseren Wert. Mit noch so guten Serien und Filmen ist im TV-Business kein Staat mehr zu machen. Die laufen längst über Netflix. Die neue Generation schaltet keine TV-Apparate mehr ein.

Was dem Fernsehen bleibt, ist der Sport mit Live-Übertragungen. Diese Live-Inhalte lassen sich immer einfacher verbreiten und der Kunde ist bereit, dafür zu zahlen. Diese immer mehr gesuchten Live-Inhalte produzieren beispielsweise unsere Fussball- und Eishockey-Ligen.

30 Millionen Verlust im Jahr

Für TV- und Vermarktungsrechte bezahlt heute Swisscom (Teleclub) für unsere höchste Fussball-Liga etwas mehr als 50 Millionen Franken im Jahr. Für die Eishockey-Rechte blättert UPC Schweiz jährlich knapp 35 Millionen Franken auf den Tisch. UPC hat 2017 die Swisscom bei der Vergabe der Rechte überboten.

Der Grund für diese enormen Summen ist ein Verkaufsargument. Stark vereinfacht gesagt: du kaufst den Internet- und TV-Anschluss und deine Telefoniererei bei mir. Weil du nur bei mir die TV-Livebilder der Hockey- oder Fussballliga bekommst.

Diese Rechnung ist für UPC nicht aufgegangen. Nur wegen Hockey-Livespielenalles bei Swisscom aufkünden, ein neues Abo bei UPC machen und erst noch ein weiteres Kästchen in meiner Wohnung installieren? Nein danke. UPC verliert mit dem Hockey-Deal gut und gerne 30   Millionen Franken im Jahr.

Nebst den horrenden Kosten für die Rechte muss ja auch der eigens fürs Hockey gegründete Sender «MySports» finanziert werden. Mit den dank den Hockey-Livespielen neu gewonnenen Kabel-Kunden können nicht einmal die Löhne für die Crew um Steffi Buchli und Ueli Schwarz bezahlt werden. Der Hockeydeal drohte UPC Schweiz finanziell in die Luft zu sprengen.

Aber nun kommt Sunrise. Ein Titan. Sunrise wird durch die Übernahme von UPC auch Besitzer von «MySports». Es geht nicht mehr bloss um Kabelanschlüsse. Es geht um «Big Business». Um die Übertragung von Live-Bildern auf Smartphones und Tablets. Dank neuen Technologien (5G) in höchster Qualität.

Da heute eine Verschlüsselung über Apps möglich ist, braucht es keine Kabelnetze und keine Kästchen in Wohnzimmern, um dem Kunden Geld für TV-Bilder abzuknöpfen. Nun läuft alles per Wischbewegung auf dem Smartphone und dem Tablet. Das Handy wird vom Hosentelefon zum Hosen-TV-Apparat.

Sunrise bekommt mit «MySports» ein grandioses Verkaufsargument: Du telefonierst mit mir und nicht mehr mit Swisscom und kannst dafür bald unsere Hockeyspiele live auf deinem Smartphone sehen. Swisscom hält dagegen mit dem Argument: und bei mir kannst du unsere Fussballspiele live sehen.

In den nächsten Jahren dürften die beiden Kommunikations-Giganten versuchen, weitere Sport-Liverechte einzukaufen (Ski, Motorsport). Für den sportlich durchschnittlich interessierten Zeitgenossen genügt die in der Schweiz durch den Gesetzgeber geregelte kostenlose Grundversorgung mit TV-Bildern. Es sind Brosamen, die vom Tisch der Grossen fallen, mit denen sich in Zukunft das staatstragende Fernsehen mehr und mehr begnügen muss.

Die Preise steigen

Die Gespräche um die Vergabe der TV-Rechte haben bereits begonnen, und nun setzt sich mit Sunrise ein weiterer «Big Player» mit an den Tisch. Im Fussball werden die Rechte im Sommer 2021 und im Eishockey ein Jahr später neu vergeben. Bereits ist klar, dass sich dafür Swisscom und Sunrise interessieren werden.

Wenn die Eishockey-Rechte im Sommer 2022 auf den Markt kommen, ist schon bekannt, wer im Fussball zum Zuge gekommen ist. Der Verlierer im Schachern um die Fussball-Rechte wird dann im Bietverfahren ein sehr hohes Angebot einreichen, um die Rechte zu bekommen. Die Preise werden also nicht fallen. Sondern steigen.

Der Medienmarkt verändert sich so schnell, dass in absehbarer Zeit die klassischen öffentlich-rechtlichen TV-Sender nicht mehr mithalten können. Es ist denkbar, dass die Liga bzw. die Klubs einen Teil des Geschäftes selbst machen und die laufenden Bilder der Spiele direkt an ihre Kunden verkaufen werden – wie ein Saisonabonnement.

Das Sport-Liveerlebnis bekommt in der Medienlandschaft des 21. Jahrhunderts einen immer grösseren Wert. Die Zeche bezahlt am Ende der Fan. Denn die Preise für die bezahlten Live-Inhalte werden steigen und das frei empfangbare Angebot im öffentlich-rechtlichen TV wird immer dürftiger.