Tennis
Nach den Anschlägen vom 13. November lauert in Paris die Angst im Hintergrund

Die Sicherheit ist in Paris spätestens seit den Anschlägen im November 2015 ein Dauerthema, das Leben nimmt seinen Lauf jedoch in den gewohnten Bahnen.

Marcel Kuchta, Paris
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Geduld gefragt: Die Sicherheitsvorkehrungen vor dem Areal von Roland Garros sind stark erhöht worden.

Geduld gefragt: Die Sicherheitsvorkehrungen vor dem Areal von Roland Garros sind stark erhöht worden.

KEYSTONE

Letztes Jahr war alles noch ganz anders. Unter dem Eiffelturm hing ein überdimensionierter Tennisball, der auf das Turnier in Roland Garros hinwies. Neben dem Pariser Wahrzeichen stand ein grosser Bildschirm, wo die Tennisfans, die kein Ticket für das Gelände ergatterten, die Partien gemeinsam im Public Viewing verfolgen konnten. Doch seit dem 13. November 2015 ist in der französischen Kapitale alles anders. Grosse Ansammlungen von Menschen auf öffentlichem Raum sind den Behörden nach den Terroranschlägen mit 130 Toten und 500 Verletzten ein Dorn im Auge. Deshalb wurde das Public Viewing unter dem Eiffelturm heuer gestrichen.

Angesichts der angespannten Sicherheitslage natürlich eine absolut nachvollziehbare Massnahme. Die anstehende Fussball-Europameisterschaft mit der geplanten, riesigen Fanmeile auf dem Champ de Mars, auf welcher über 100 000 Leute Platz haben, bereitet den Sicherheitsverantwortlichen schon genügend Kopfzerbrechen. Da wollte man sich einen weiteren Grossanlass im Vorfeld ersparen. Denn die Sicherheitsvorkehrungen rund um das Gelände von Roland Garros sind bereits aufwendig genug. Die Spieler und die täglich 30 000 Zuschauer müssen ebenso geschützt werden wie die Fussballfans, die ab dem 10. Juni einen Monat lang während der Europameisterschaft in die Stadien pilgern.

Timea Bacsinszky: «Vielleicht sind wir irgendwann zur falschen Zeit am falschen Ort. Ich möchte keine Angst haben deswegen.»

Timea Bacsinszky: «Vielleicht sind wir irgendwann zur falschen Zeit am falschen Ort. Ich möchte keine Angst haben deswegen.»

KEYSTONE/AP/CHRISTOPHE ENA

Die Sportzeitung «L’Equipe» widmete dem Thema Sicherheit in ihrer gestrigen Ausgabe sechs Seiten. Es ist in der öffentlichen Diskussion omnipräsent, selbst wenn man in der Stadt selber nicht den Eindruck erhält, dass die Bevölkerung in irgendeiner Form verängstigt ist. Dass sich die sicherheitstechnische Grosswetterlage jedoch verschlechtert hat, merkt man als Besucher der Tennis-Anlage schon früh. Bereits beim Verlassen der Metro wird man von den Helfern freundlich in die richtigen Bahnen gewiesen. Dann folgen mindestens drei Kontrollen. Einmal wird abgetastet, dann kommt der Metalldetektor zum Einsatz und schliesslich gibt es auch eine visuelle Kontrolle der mitgebrachten Taschen. Die ganze Prozedur erfordert von den Besuchern viel Geduld, die Warteschlangen sind lang. Und doch ist das Verständnis spürbar. Schliesslich weiss seit dem 13. November jeder, was es geschlagen hat.

Die Anschläge vom 13. November veränderten das Leben in Paris:

Das «Bataclan» wird am Freitag, 13. November 2015, zum Sinnbild für einen der schlimmsten Terrorangriffe in der Geschichte Frankreichs.
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Während des Freundschaftsspiels Frankreich-Deutschland hört man im Stadion mehrere Explosionen, die sich unmittelbar vor dem Stadion ereignet haben müssen.
Keine Panik, aber Aufregung nach dem Spiel: Die Nachrichten über die Attentate dringen langsam durch.
Die Polizei sperrt das Gebiet vor dem Stadion grossräumig ab.
21.20 Uhr: Vor dem Café Le Carillon eröffnet ein Attentäter das Feuer.
Auch vor dem Petit Cambodge kommt es zur Schiesserei.
Die Polizei ist alarmiert.
Innert kurzer Zeit sind erste Helfer vor Ort.
Paris im Ausnahmezustand, hunderte Polizisten stehen im Einsatz.
Im Bataclan richten weitere Attentäter während des Konzerts der Band Eagles of Death Metal ein Blutbad an, Dutzende Fans sterben.
Der damalige Präsident Hollande informiert sich im Stadion über die Ereignisse in der Stadt und wird in Sicherheit gebracht.
Menschen in Angst vor dem Konzertsaal Bataclan nach den Anschlägen in Paris.
Ratlosigkeit, Schrecken: Die Zuschauer nach Spielschluss im Stadion.
Ausnahmezustand in Paris: Über 150 Tote bei Attentaten.
Blutbad im Bataclan in Paris
Bataclan: Konzertbesucher fliehen durch die Hintertür.
Eine Frau hält sich verzweifelt an einer Fenstervorrichtung fest auf der Flucht vor den Attentätern im Bataclan.
Forensiker sichern Spuren im Café Comptoir in Paris.
Trauer in Paris.
Ein Polizist steht Wache beim Eiffelturm in Paris. Nach den Attentaten ist es zu ersten Festnahmen gekommen: Der Vater und Bruder eines getöteten Angreifers sind in Gewahrsam.
Blumen und Kerzen vor dem Club Bataclan in Paris.

Das «Bataclan» wird am Freitag, 13. November 2015, zum Sinnbild für einen der schlimmsten Terrorangriffe in der Geschichte Frankreichs.

Keystone

Zusätzlich ist in der Umgebung von Roland Garros viel Polizei präsent. Innerhalb der Anlage sind die Sicherheitsvorkehrungen nicht offensichtlich. Bei genauerem Hinsehen sind die Herren mit dem Knopf im Ohr aber doch recht zahlreich. Dass man es ernst meint, zeigte sich am Dienstag, als kurzerhand eine kleines Gebiet vor dem grossen Court Philippe Chatrier abgeriegelt wurde, weil eine verlorene Handtasche liegengeblieben war.

Novak Djokovic: «Angesichts dessen, was hier vor ein paar Monaten passierte und wo die Welt momentan steht, ist es klar, dass mehr Wert darauf gelegt werden muss.»

Novak Djokovic: «Angesichts dessen, was hier vor ein paar Monaten passierte und wo die Welt momentan steht, ist es klar, dass mehr Wert darauf gelegt werden muss.»

KEYSTONE/AP/ALESSANDRA TARANTINO

Selbstredend ist die Sicherheit auch unter den Spielern ein wichtiges Thema. Novak Djokovic sagt: «Angesichts dessen, was hier vor ein paar Monaten passierte und wo die Welt momentan steht, ist es klar, dass mehr Wert darauf gelegt werden muss.» Timea Bacsinszky ist nach eigener Aussage sehr traurig über das, was in Paris passiert ist, möchte sich jedoch nicht einschüchtern lassen: «Ich sage mir: Ich kann den Tod nicht kontrollieren. Vielleicht sind wir irgendwann zur falschen Zeit am falschen Ort. Ich möchte keine Angst haben deswegen. Wir Menschen wollen alles um uns kontrollieren. Wenn wir dann merken, dass wir das doch nicht können, dann macht es uns Angst.»