Formel 1

Start-Ziel-Sieg für Lewis Hamilton in Montmeló

Die Sorgenfalten bei Ferrari werden derweil nicht kleiner. Für Charles Leclerc war das Rennen nach 38 Runden wegen eines technischen Defekts vorzeitig zu Ende

Die Sorgenfalten bei Ferrari werden derweil nicht kleiner. Für Charles Leclerc war das Rennen nach 38 Runden wegen eines technischen Defekts vorzeitig zu Ende

Lewis Hamilton feiert im GP von Spanien seinen vierten Saisonsieg und baut die WM-Führung aus. Der Weltmeister gewinnt vor Max Verstappen im Red Bull und seinem Mercedes-Teamkollegen Valtteri Bottas.

Nach der verlorenen Hitzeschlacht von Silverstone, als Hamilton wegen Problemen mit den Reifen Verstappen den Vortritt lassen musste, stellte der Engländer die Hackordnung in Spanien wieder her. Trotz erneut hochsommerlichen Temperaturen um die 30 Grad verstand es Mercedes diesmal besser, den Verschleiss der Pneus zu kalkulieren. So zeichnete sich auch im sechsten Rennen des Jahres wieder das gewohnte Bild ab: Beide schwarz lackierten Silberpfeile standen auf dem Podest. Hamilton siegte vor Verstappen und Bottas. Der Rest lag eine Runde und mehr zurück.

Mit 24 Sekunden Vorsprung auf Verstappen fiel die Dominanz von Hamilton deutlich aus. Auch in der WM-Wertung liegt der sechsfache Champion klar vor dem Niederländer. 37 Punkte auf Verstappen und 43 auf Bottas beträgt seine Reserve, bevor es am 30. August mit dem Grand Prix von Belgien weitergeht. "Im Moment fährt Lewis wirklich in einer eigenen Liga", schwärmte Toto Wolff, der Teamchef von Mercedes. Auch Hamilton fand nach seinem vierten Saisonsieg: "Ich war in einer ganz anderen Dimension. Ich habe nicht einmal gemerkt, dass es die letzte Runde war. Das war eines meiner besten Rennen."

Der 35-jährige Brite feierte in seinem 256. Grand Prix den 88. Sieg in der Formel 1, drei fehlen ihm noch, um die Bestmarke von Rekordweltmeister Michael Schumacher einzustellen. Dessen Anzahl an Podestplätzen hat Hamilton mit nunmehr 156 in Spanien schon überboten. "Was gerade geschieht, geht weit über meine Kindheitsträume hinaus", sagte Hamilton, der im Nordosten von Barcelona zum vierten Mal in Folge und zum fünften Mal insgesamt als Erster abgewinkt wurde.

Verstappen: "Mehr liegt momentan nicht drin"

Der aus der Pole-Position losgefahrene Hamilton kam am Start gut weg, liess es vorerst aber ruhig angehen, um die Reifen nicht zu fest zu strapazieren. Als er das Tempo nach einem Sechstel der Renndistanz aber erhöhte, konnte ihm Verstappen im Red Bull nicht mehr folgen. Der 22-jährige Niederländer, der aus der dritten Position gestartet war und sich am Funk früh über die abgenutzten Hinterreifen beklagte, zeigte sich dennoch zufrieden mit Platz 2. "Wir sind wieder zwischen den beiden Mercedes, ich glaube nicht, dass ich es im Moment viel besser machen kann", resümierte Verstappen, der 2016 gleichenorts zum jüngsten GP-Sieger in der Formel 1 avanciert ist.

Seit 2013 hat Mercedes in Montmeló die Pole-Position geholt - und auch in diesem Jahr ging die Frontreihe an das Weltmeister-Team der letzten sechs Jahre. Dass es aber trotzdem nicht zum dritten aufeinanderfolgenden Doppelsieg in Spanien reichte, lag hauptsächlich am schlechten Start von Bottas. Statt sofort Druck auf Hamilton auszuüben, fiel der Finne zwischenzeitlich sogar auf Position 4 zurück. Nach einem zusätzlichen dritten Boxenstopp in der vorletzten Runde sicherte sich Bottas immerhin noch den Extrapunkt für die schnellste Rennrunde.

Vettel kämpft, Leclerc fällt aus

Während Red Bull vereinzelt in der Lage ist, Primus Mercedes zu ärgern, tummelt sich Ferrari weiterhin im Mittelfeld. Sebastian Vettel bewahrte die Scuderia mit einer gewagten Einstopp-Strategie vor einer neuerlichen Pleite. Denn sein Teamkollege Charles Leclerc schaffte es wegen eines Problems mit der Elektronik nicht einmal ins Ziel - als einziger der 20 Fahrer. Vettel seinerseits kämpfte sich von Startplatz 11 zwischenzeitlich auf Rang 5 vor. Letztlich sprang für den Deutschen mit stark abbauenden Reifen immerhin Platz 7 hinter den beiden Racing-Point-Fahrern Sergio Perez und Lance Stroll sowie Carlos Sainz im McLaren heraus.

Keine Punkte, aber ein Rekord

Nichts zu holen gab es in Spanien wiederum für das Team Alfa Romeo. Kimi Räikkönen und Antonio Giovinazzi mussten sich mit den Plätzen 14 und 16 begnügen, womit die Hinwiler Equipe zum fünften Mal hintereinander leer ausging

Mit Startplatz 14 von Räikkönen war die Ausgangslage vor dem sechsten Saisonrennen für Alfa Romeo so gut wie nie zuvor in diesem Jahr. Doch der Routinier konnte sich in seinem 319. GP in der Formel 1, vier fehlen ihm noch zur Bestmarke von Rubens Barrichello, nicht weiter nach vorne kämpfen. Dafür ist der im Oktober 41 Jahre alt werdende Finne vor Fernando Alonso neu der Fahrer mit den meisten Rennkilometern in der Formel 1.

Trotz dem fünften "Nuller" in Folge sieht Teamchef Frédéric Vasseur Licht am Ende des Tunnels. "Wir haben sowohl im gestrigen Qualifying als auch im heutigen Rennen eine Verbesserung gesehen, darauf müssen wir aufbauen." Weil auch die Teams Haas und Williams nicht punkten konnten, liegt Alfa Romeo in der Konstrukteurs-WM dank dem 9. Platz von Giovinazzi beim Saisonauftakt in Spielberg nach wie vor auf Platz 8.

Die Ergebnisse im Überblick:

Montmeló (ESP). Grand Prix von Spanien (66 Runden à 4,655 km/307,104 km): 1. Lewis Hamilton (GBR), Mercedes, 1:31:45,279 (200,820 km/h). 2. Max Verstappen (NED), Red Bull-Honda, 24,177 zurück. 3. Valtteri Bottas (FIN), Mercedes, 44,752. 4. eine Runde zurück: Lance Stroll (CAN), Racing Point-Mercedes. 5.* Sergio Perez (MEX), Racing Point-Mercedes. 6. Carlos Sainz (ESP), McLaren-Renault. 7. Sebastian Vettel (GER), Ferrari. 8. Alexander Albon (THA), Red Bull-Honda. 9. Pierre Gasly (FRA), AlphaTauri-Honda. 10. Lando Norris (GBR), McLaren-Renault. 11. Daniel Ricciardo (AUS), Renault. 12.* Daniil Kwjat (RUS), AlphaTauri-Honda. 13. Esteban Ocon (FRA), Renault. 14. Kimi Räikkönen (FIN), Alfa Romeo. 15. Kevin Magnussen (DEN), Haas-Ferrari. 16. Antonio Giovinazzi (ITA), Alfa Romeo. 17. George Russell (GBR), Williams-Mercedes. 18. zwei Runden zurück: Nicholas Latifi (CAN), Williams-Mercedes. 19. Romain Grosjean (FRA/SUI), Haas-Ferrari. - * 5 Sekunden Zuschlag auf Fahrzeit (Missachten blauer Flagge). - 20 Fahrer gestartet, 19 klassiert und im Ziel. - Schnellste Runde: Bottas (66.) mit 1:18,183 (214,968 km/h).

Ausfall. Charles Leclerc (MON), Ferrari (38. Runde/20. Platz): Technik.

Startaufstellung: 1 Hamilton 1:15,584 (221,713 km/h). 2 Bottas 0,059. 3 Verstappen 0,708. 4 Perez 0,098. 5 Stroll 1,005. 6 Albon 1,445. 7 Sainz 1,460. 8 Norris 1,500. 9 Leclerc 1,503. 10 Gasly 1,552. - Nach dem zweiten Teil des Qualifyings ausgeschieden: 11 Vettel. 12 Kwjat. 13 Ricciardo. 14 Räikkönen. 15 Ocon. - Nach dem ersten Teil des Qualifyings ausgeschieden: 16 Magnussen. 17 Grosjean. 18 Russell. 19 Latifi. 20 Giovinazzi. - 20 Fahrer im Qualifying. - Tagesbestzeit: Hamilton im dritten Teil.

WM-Stand (6/13). Fahrer: 1. Hamilton 132 (2)*. 2. Verstappen 95 (1)*. 3. Bottas 89 (1)*. 4. Leclerc 45. 5. Stroll 40. 6. Albon 40. 7. Norris 39 (1)*. 8. Perez 32. 9. Sainz 23 (1)*. 10. Ricciardo 20. 11. Vettel 16. 12. Ocon 16. 13. Gasly 14. 14. Hülkenberg 6. 15. Giovinazzi 2. 16. Kwjat 2. 17. Magnussen 1. - Teams: 1. Mercedes 221 (3)*. 2. Red Bull-Honda 135 (1)*. 3. Racing Point-Mercedes 63+. 4. McLaren-Renault 62 (2)*. 5. Ferrari 61. 6. Renault 36. 7. AlphaTauri-Honda 16. 8. Alfa Romeo-Ferrari 2. 9. Haas-Ferrari 1. - * 1 Zusatzpunkt für schnellste Runde im Rennen. - + = Racing Point wegen illegaler Bauart der Bremsbelüftungen mit 15 Punkten Abzug bestraft

Nächstes Rennen: Grand Prix von Belgien in Francorchamps am 30. August.

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