Formel 1

Lewis Hamilton auf einer Stufe mit Michael Schumacher

Keine WM-Punkte gab es trotz guter Ausgangslage für den Hinwiler Rennstall Alfa Romeo. Kimi Räikkönen klassierte sich als Fünfzehnter

Keine WM-Punkte gab es trotz guter Ausgangslage für den Hinwiler Rennstall Alfa Romeo. Kimi Räikkönen klassierte sich als Fünfzehnter

Lewis Hamilton krönt sich im Grand Prix der Türkei vorzeitig zum siebten Mal zum Formel-1-Weltmeister. Den letzten Schritt zum Titelrekord macht der Engländer standesgemäss mit einem Sieg.

Lewis Hamilton verliert selten die Kontrolle über seine Emotionen. Als er am Sonntag im Istanbul Park als Erster über die Ziellinie fuhr und sein siebter WM-Titel in trockenen Tüchern war, konnte er seine Tränen jedoch nicht mehr zurückhalten. "Für alle Kinder da draussen, die vom Unmöglichen träumen - ihr könnt es schaffen!", schrie der Brite am Boxenfunk, nachdem er in seinem Mercedes mit der Nummer 44 soeben Geschichte geschrieben hatte und mit Rekordchampion Michael Schumacher gleichgezogen war.

Mit seinem zehnten Sieg im 14. Rennen der Saison hat Hamilton ein weiteres Mal eindrücklich bewiesen, dass er das Beste ist, was die Formel 1 aktuell zu bieten hat. Bei Bedingungen, bei denen Mercedes für einmal nicht das beste Auto stellte, war er auf regennasser Strecke einmal mehr eine Klasse für sich. 31 Sekunden betrug sein Vorsprung im Ziel auf den Mexikaner Sergio Perez. Dritter wurde Sebastian Vettel im Ferrari, der auf den letzten Metern einen Fahrfehler seines Teamkollegen Charles Leclerc zu seinem ersten Podestplatz in diesem Jahr nutzte.

Weltmeisterliche Darbietung

Im Gegensatz zur Konkurrenz leistete sich Hamilton auf der frisch asphaltierten Strecke, die sich nach einem heftigen Regenguss vor dem Start zusätzlich rutschig präsentierte, während den 58 Runden kaum Fehler. Dabei waren die Aussichten nach dem Qualifying alles andere als rosig. Als Sechster hatte er am Samstag fast fünf Sekunden auf den überraschenden Pole-Mann Lance Stroll eingebüsst. Im Gegensatz zum jungen Kanadier, der den Grand Prix lange Zeit anführte, steigerte sich Hamilton am Sonntag mit Fortlauf des Rennens. Er wechselte anders als die meisten Topfahrer (nach acht Runden) nur einmal die Reifen und fuhr mit der stark abbauenden mittleren Gummimischung überragend zum Sieg. Seine Vorstellung war ganz einfach weltmeisterlich - wie es für einen Mann seines Formats gehört.

Vor den beiden Rennen in Bahrain und dem Saisonfinale in Abu Dhabi ist Hamilton in der Gesamtwertung damit nicht mehr von der Spitze zu verdrängen. Mit 307 WM-Punkten liegt er uneinholbar vor seinem Teamkollegen Valtteri Bottas. Der Finne verspielte in der Türkei seine letzte Chance im Kampf um den WM-Titel. Er kam mit den schwierigen Bedingungen überhaupt nicht zurecht. Bereits in der Startkurve leistete er sich einen Dreher; es blieb nicht sein letzter. Am Schluss musste sich Bottas sogar noch von Hamilton überrunden lassen.

Die magische 100 im Visier

Mit seinem siebten WM-Titel nach 2008 (im McLaren), 2014, 2015, 2017, 2018 und 2019 hat Hamilton den bedeutendsten Rekord von Michael Schumacher eingestellt. Es gibt kaum Zweifel, dass er den Deutschen noch übertrumpfen kann, wenn er seine Karriere fortsetzt. Einer Vertragsverlängerung mit Mercedes dürfte nach dem neuerlichen Triumph eigentlich nichts mehr im Weg stehen. "Wir werden es hinbekommen, da bin ich mir sicher", zeigte sich Hamilton am Sonntag optimistisch.

Seine Aussichten sind gut, in der Formel 1 weiter neue Massstäbe setzen zu können. Den Rekord für die meisten Pole-Positions (97) hält er bereits seit 2017, seit dieser Saison hat er Schumacher auch die Bestmarke für die meisten GP-Siege entrissen. In der Türkei stand Hamilton in der Königsklasse bereits zum 94. Mal zuoberst auf dem Podest. Keiner zweifelt daran, dass er bald die magische Hunderter-Marke knacken wird. Sein Hunger nach weiteren Erfolgen scheint noch nicht gestillt.

Keine WM-Punkte für Alfa Romeo

Das Team Alfa Romeo konnte die gute Ausgangslage im Grand Prix der Türkei nicht nutzen. Kimi Räikkönen klassierte sich als Fünfzehnter, Antonio Giovinazzi schied früh im Rennen aus.

Nach einem starken Auftritt im Qualifying war die Zuversicht im Hinwiler Rennstall gross, im 500. GP-Wochenende von Sauber Motorsport in der Formel 1 das Jubiläum mit WM-Punkten begiessen zu können. Mit den Startplätzen 8 und 10 war Räikkönen und Giovinazzi am Samstag im Regen die beste Leistung in dieser Saison gelungen. Doch im Rennen taten sich der Finne und der Italiener mit den wechselhaften Bedingungen schwer.

Giovinazzi, der bereits auf dem Weg zur Startaufstellung im Kiesbett gelandet war, musste sein Auto nach elf Runden an 16. Stelle liegend aufgrund eines technischen Problems unfreiwillig parkieren. Und Räikkönen hatte auf der abtrocknenden Strecke grösste Mühe, seine Reifen zum Funktionieren zu bringen. Er war neben Max Verstappen im Red Bull der einzige Fahrer, der dreimal an der Boxe Halt machte.

Im Kampf um Platz 8 in der Konstrukteurs-WM hat der Nuller keine Auswirkungen. Alfa Romeo liegt im Duell mit dem Team Haas drei Rennen vor Schluss immer noch mit 8:3 Punkte vorne. Die Amerikaner blieben im Istanbul Park ebenfalls ohne WM-Punkte. Der für Frankreich startende Genfer Romain Grosjean und der Däne Kevin Magnussen kamen beide nicht ins Ziel.

Kurtköy. Grand Prix der Türkei (58 Runden à 5,338 km/309,396 km): 1. Lewis Hamilton (GBR), Mercedes, 1:40,248 (181,425 km/h). 2. Sergio Perez (MEX), Racing Point-Mercedes, 31,633 zurück. 3. Sebastian Vettel (GER), Ferrari, 31,960. 4. Charles Leclerc (MON), Ferrari, 33,858. 5. Carlos Sainz (ESP), McLaren-Renault, 34,363. 6. Max Verstappen (NED), Red Bull-Honda, 44,873. 7. Alexander Albon (THA), Red Bull-Honda, 46,484. 8. Lando Norris (GBR), McLaren-Renault, 61,259. 9. Lance Stroll (CAN), Racing Point-Mercedes, 72,353. 10. Daniel Ricciardo (AUS), Renault, 95,460. 11. eine Runde zurück: Esteban Ocon (FRA), Renault. 12. Daniil Kwjat (RUS), AlphaTauri-Honda. 13. Pierre Gasly (FRA), AlphaTauri-Honda. 14. Valtteri Bottas (FIN), Mercedes. 15. Kimi Räikkönen (FIN), Alfa Romeo-Ferrari. 16. George Russell (GBR), Williams-Mercedes. 17. drei Runden zurück: Kevin Magnussen (DEN), Haas-Ferrari (nicht am Ziel). - 20 Fahrer gestartet, 17 klassiert, 16 am Ziel. - Schnellste Runde: Norris (58.) mit 1:36,806 (198,508 km/h).

Ausfälle. Antonio Giovinazzi (ITA), Alfa Romeo-Ferrari (11. Runde/16. Platz): Schaltung. Nicholas Latifi (CAN), Williams-Mercedes (39./19.): Kollision mit Grosjean. Romain Grosjean (FRA/SUI), Haas-Ferrari (49./17.): Kollision mit Latifi/Unterboden. Magnussen (55./17.): Fehlerhaft montiertes linkes Hinterrad.

Startaufstellung: 1 Stroll 1:47,765 (178,321 km/h). 2 Verstappen 0,290. 3 Perez 1,556. 4 Albon 2,683. 5 Ricciardo 3,830. 6 Hamilton 4,795. 7 Ocon 4,857. 8 Räikkönen 4,980. 9 Bottas 5,493. 10 Giovinazzi 9,461. - Nach dem zweiten Teil des Qualifyings ausgeschieden: 11 Vettel. 12 Leclerc. - Nach dem ersten Teil des Qualifyings ausgeschieden: 13 Magnussen. 14* Sainz. 15** Norris. 16 Kwjat. 17 Grosjean. 18 *** Gasly. Start aus der Boxengasse: Latifi und Russell (Wechsel mehrerer Antriebs-Komponenten). - * Rückversetzung um 3 Plätze (Behinderung Perez). - ** Rückversetzung um 5 Plätze (Missachtung gelber Flagge). - *** Rückversetzung ans Ende der Startaufstellung (unerlaubtes Arbeiten am Auto). - 20 Fahrer im Qualifying. - Tagesbestzeit: Stroll im dritten Teil.

WM-Stand (14/17). Fahrer: 1. Hamilton 307 (Weltmeister/6)*. 2. Bottas 197 (2)*. 3. Verstappen 170 (2)*. 4. Perez 100. 5. Leclerc 97. 6. Ricciardo 96 (1)*. 7. Sainz 75 (1)*. 8. Norris 74 (2)*. 9. Albon 70. 10. Gasly 63. 11. Stroll 59. 12. Ocon 40. 13. Vettel 33. 14. Kwjat 26. 15. Nico Hülkenberg (GER) 10. 16. Räikkönen 4. 17. Giovinazzi 4. 18. Grosjean 2. 19. Magnussen 1. - Teams: 1. Mercedes 504 (Weltmeister/8)*. 2. Red Bull-Honda 240 (2)*. 3. Racing Point-Mercedes 154+. 4. McLaren-Renault 149 (3)*. 5. Renault 136 (1)*. 6. Ferrari 130. 7. AlphaTauri-Honda 89. 8. Alfa Romeo-Ferrari 8. 9. Haas-Ferrari 3. 10. Williams-Mercedes 0. - 1 Zusatzpunkt für schnellste Runde im Rennen. - + 15 Punkte Abzug (illegale Bauart der Bremsbelüftungen).

Nächstes Rennen: Grand Prix von Bahrain in Sakhir am 29. November.

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