Im vergangenen Jahr hatte der Rennstall unter Alfa Romeo Sauber firmiert. Der eliminierte Name des Firmengründers ist ein weiteres Zeichen dafür, dass im Zürcher Oberland die Italianità endgültig Einzug gehalten hat. Weiterhin kommt Peter Sauber, wenn auch nur indirekt, in der Typenbezeichnung des Autos vor. Das "C" steht für Christiane, die Gattin des einstigen Besitzers.

Das vergangene Jahr mit dem Beginn der Zusammenarbeit mit Alfa Romeo hat in Hinwil Lust auf mehr gemacht. Die Equipe strebt wieder nach Höherem. Sie will in der Formel-1-Hierarchie weiter nach oben klettern. Am Ende der vergangenen Saison, die der Rennstall auf Platz 8 in der Wertung der Konstrukteure beendet hatte, war Rang 6 als Orientierungspunkt für dieses Jahr herausgegeben worden. Ein ambitioniertes, aber kein utopisches Ziel, zumal nach den von finanziellen Nöten und Zukunftsängsten belasteten Jahren der Fokus wieder aufs Wesentliche gelegt werden kann.

"Gewagte Ideen"

Die konzentrierte Arbeit im Werk hat ein Auto hervorgebracht, das als Weiterentwicklung seines Vorgängers seine Qualitäten im Zuge der Testfahrten auf der Grand-Prix-Strecke in Montmeló bewiesen hat. Der in den Farben weiss und dunkelrot gehaltene C38 soll die solide Basis für die stete Weiterentwicklung im Verlauf des Jahres sein. Teamchef Frédéric Vasseur nennt ihn "einen Rennwagen mit einigen gewagten Ideen". Das Auto hat wahrhaftig zahlreiche innovative technische Feinheiten an Bord, die vorne bei der Nase und dem Frontflügel beginnen und sich über die neue Form der Seitenkästen bis ans Ende mit Heckflügel und Auspuff weiterziehen.

Kimi Räikkönen sieht im C38 im Vergleich zum C37 einen grossen Schritt in die richtige Richtung. Allzu viel Optimismus wollte der Finne dann doch nicht verbreiten. "Wir wissen noch nicht genau, wo wir im Moment stehen. Aber das geht allen anderen Teams und Fahrern so."

Räikkönens Schlüsselrolle

Räikkönen kommt beim Streben des Teams nach Leistungssteigerung eine Schlüsselrolle zu. Mit seiner immensen Erfahrung soll er mithelfen, die Stärken des neuen Autos optimal zu nutzen und Schwächen kontinuierlich abzubauen. Auch soll er seinem Stallgefährten Antonio Giovinazzi mit Rat zur Seite stehen und dem Italiener den Einstieg als Stammfahrer erleichtern. Räikkönen ist bereit, nach der Rückkehr in den Rennstall, der ihm vor 18 Jahren den Einstieg in die Formel 1 ermöglicht hat, seinen Teil zum Fortschritt beizutragen.

Mit dem Engagement von Giovinazzi, der den sportlich nicht über alle Zweifel erhabenen Schweden Marcus Ericsson ersetzt, ist die Teamleitung dem Wunsch der Verantwortlichen von Ferrari nachgekommen, einen weiteren Fahrer aus deren Talentschmiede in der Formel 1 zu installieren. Die Partnerschaft mit den Roten aus Maranello, von denen sie in Hinwil weiterhin Antrieb, Getriebe und Hinterachse beziehen, ist damit weiter vertieft worden. Wo Alfa Romeo draufsteht, ist weiterhin vor allem Ferrari drin.

Für Räikkönen war nach dem Entscheid der Teamleitung von Ferrari, die Zusammenarbeit nach der vergangenen Saison zu beenden, der Wechsel zu Sauber beziehungsweise Alfa Romeo die naheliegendste Option gewesen. Der Nordländer ist auch im Alter von 39 Jahren noch zu sehr Rennfahrer, als dass er hätte einen Schlussstrich unter seine Karriere ziehen wollen. Er bringt nicht nur die Routine von knapp 300 Formel-1-Rennen mit, er trägt auch seinen Teil zum gesteigerten Einfluss der Italiener bei. Acht Saisons bei Ferrari reichen dafür.