Formel 1
Alle gegen Mercedes: Die grosse Vorschau zur neuen Formel-1-Saison

Am Sonntag beginnt in Melbourne die neue Formel-1-Saison. Wird die jahrelange Mercedes-Dominanz gebrochen? Die grosse Formel 1-Vorschau in Zahlen.

Cyril Aregger
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Der Mann, den es zu schlagen gilt: Lewis Hamilton im Mercedes ist WM-Topfavorit.

Der Mann, den es zu schlagen gilt: Lewis Hamilton im Mercedes ist WM-Topfavorit.

Keystone

1 Favorit

Schaut man sich die Ergebnisse der vergangenen Jahre an, kann es nur einen Favoriten geben: Mercedes gewann in den vergangenen fünf Jahren jeweils die Konstrukteurs- und Fahrer- Weltmeistertitel (4-mal Lewis Hamilton, 1-mal
Nico Rosberg). Doch die Dominanz bröckelt. Ferrari mit Sebastian Vettel und dem letztjährigen Sauber-Piloten Charles Leclerc dominierte die Testfahrten. Und auch die Red Bull, die neu mit Honda-Motoren unterwegs sind, scheinen zumindest auf Augenhöhe mit Mercedes zu sein.

Der grosse Favorit der neuen Saison: Lewis Hamilton.

Der grosse Favorit der neuen Saison: Lewis Hamilton.

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6 Verfolger-Teams

Hinter den Top-Teams Mercedes, Ferrari und Red Bull scheint das Mittelfeld in der Formel 1 so dicht besetzt zu sein wie schon lange nicht mehr: Mit Renault, Toro Rosso-Honda, McLaren-Renault, Alfa Romeo (vormals Sauber), Haas-Ferrari und Racing Point-Mercedes (vormals Force India) dürfen sich gleich sechs Teams Hoffnungen auf Rang 4 machen. Den Schluss des Feldes dürften meistens die Williams-Mercedes markieren, die kurz vor Saisonstart aufgrund von Regelproblemen umgebaut werden mussten.

5 Gummimischungen

Reifenlieferant Pirelli reduziert die zur Verfügung stehenden Gummimischungen für die Rennen von sieben auf fünf. Neu stehen bei jedem Rennen harte («hard», weisse Markierung), mittlere («medium», gelb) und weiche («soft», rot) Mischungen zur Verfügung. Die extrem weichen und harten Reifen fallen weg. Hinter den drei Reifentypen können sich je nach Rennstrecke jedoch unterschiedliche Härtegrade verbergen. Die Markierungen für die Intermediate- (grün) und Heavy-Wet-Reifen (blau) bleiben unverändert.

Pirelli reduziert die Gummimischungen für die Rennen von sieben auf fünf.

Pirelli reduziert die Gummimischungen für die Rennen von sieben auf fünf.

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200 Zentimeter

Das auffälligste Merkmal der neuen Formel-1-Rennwagen ist der vergrösserte Frontflügel, der in der Breite von 180 auf 200 Zentimeter gewachsen ist. Er ist zudem deutlich einfacher aufgebaut als in den Vorjahren. Auch der Heckflügel wurde um 2 Zentimeter in der Höhe und 10 Zentimeter in der Breite vergrössert. Mit diesen Regeländerungen wollen die Regelhüter das Hinterherfahren und somit auch das Überholen erleichtern. Experten zweifeln, ob die Massnahmen den gewünschten Effekt haben werden.

34 Mal

Wer das erste Rennen der Formel-1-Saison gewinnt, kann sich zumindest schon mal überlegen, ober er den Weltmeister-Champagner schon kühlstellen will. In den bisherigen 69 Saisons wurde der Sieger des Auftaktrennens jedenfalls 34 Mal am Ende der Saison auch zum Weltmeister gekürt. 2017 und 2018 griff
diese «Regel» jedoch nicht: Sebastian Vettel auf Ferrari gewann in Australien jeweils vor Lewis Hamilton auf Mercedes. Den Weltmeistertitel holte sich jedoch beide Male der Mercedes-Pilot.

0 neue Rennstrecken

Wie 2016 und 2018 enthält der Formel-1-Kalender auch dieses Jahr 21 Rennwochenenden. Auch die Strecken sind dieselben geblieben wie im vergangenen Jahr. Beim dritten Saisonrennen am 14. April in Schanghai feiert die Formel 1 den 1000. Grand Prix der Geschichte. Saisonabschluss ist am 25. November erneut in Abu Dhabi (VAE). Im kommenden Jahr wird mit dem Grand Prix von Vietnam, einem Stadtkurs in Hanoi, erstmals seit Baku (Premiere im Jahr 2016) eine neue Strecke im Rennkalender stehen.

3 Weltmeister

Nach dem Ausstieg von Fernando Alonso stehen noch drei Fahrer in der Startaufstellung, die mindestens einmal die Fahrerweltmeisterschaft für sich entscheiden konnten: Der Brite Lewis Hamilton gewann den Titel 2008 (auf McLaren), 2014, 2015, 2017 und 2018 (jeweils auf Mercedes). Der Deutsche Sebastian Vettel ist viermaliger Weltmeister. Er holte den Titel 2010, 2011, 2012, 2013 (jeweils auf Red Bull). Der mittlerweile dienstälteste Fahrer im Feld, Kimi Räikkönen, wurde 2007 Weltmeister im Ferrari.

3 Neulinge

Die Briten Lando Norris (McLaren) und George Russel (Williams) sowie der Thailänder Alexander Albon (Toro Rosso) sind die neuen Gesichter im Starterfeld. Norris (19) gewann 2017 die europäische Formel-3-Meisterschaft und erreichte 2018 in der Formel 2 den zweiten Gesamtrang – hinter Russel (21). Albon (22) beendete die letztjährige Formel-2-Meisterschaft auf dem dritten Rang. Ebenfalls noch fast ein Neuling ist Alfa-Romeo-Pilot Antonio Giovinazzi (25). Er bestritt 2017 zwei Rennen für den Sauber-Rennstall.

Einer der drei Neulinge: Der Thailänder Alexander Albon.

Einer der drei Neulinge: Der Thailänder Alexander Albon.

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7 Siegfahrer

Sieben Fahrer der aktuellen Startliste haben sich bisher in die Siegerlisten eintragen können (Hamilton: 73 Siege; Vettel: 52; Räikkönen: 21; Ricciardo: 7; Verstappen: 5; Bottas: 3 und Kubica: 1). Angesichts der Newcomer Leclerc (Ferrari) und Gasly (Red Bull) bei Topteams stehen die Chancen auf neue Sieger nicht schlecht. Am längsten auf einen Sieg wartet Hülkenberg (Renault, 156 Rennen, 0 Podestplätze). Grosjean (Haas) hat in 143 Rennen 10 Podestplätze geholt, aber nie gewonnen.

12 Wechsel

Auf die neue Saison hin veranstalteten die 10 Teams ein munteres Wechselspiel: 12 der 20 Cockpits wurden neu besetzt. Nur bei Mercedes (Hamilton/Bottas) und Haas-Ferrari (Grosjean/ Magnussen) sitzt noch dasselbe Fahrer-Duo im Cockpit wie 2018. Ferrari holte Charles Leclerc (21) von Alfa Romeo-Sauber, Kimi Räikkönen (39) ging den umgekehrten Weg. Auch bei Red Bull verliess mit Daniel Ricciardo (29, zu Renault) ein langjähriger Fahrer das Team. Er wurde durch Pierre Gasly (23, von Toro Rosso) ersetzt.

110 Kilogramm

Der maximale Benzinverbrauch pro Rennen wurde von 105 auf 110 Kilogramm erhöht. Damit soll verhindert werden, dass die Fahrer gegen Ende des Rennens langsamer fahren müssen, um Benzin zu sparen. Allerdings wurde das bisherige Limit nur bei wenigen Strecken, zum Beispiel in Montreal, ausgenutzt. Denn kein Team lässt seine Wagen mit mehr Gewicht als nötig fahren: 10 Kilogramm Benzin können bis zu 0,4 Sekunden pro Runde ausmachen. Benzinsparendes Fahren kann also erfolgversprechender sein als Dauervollgas.

8 Jahre

Am 14. November 2010 fuhr Robert Kubica in Abu Dhabi seinen letzten Grand Prix. Dass er noch einmal den Weg zurück ins Cockpit finden würde, galt als unwahrscheinlich: Der 34-jährige Pole, der 2008 für BMW-Sauber den einzigen GP-Sieg herausfuhr, verunglückte 2011 bei einer Rallye schwer. Notoperationen retteten seinen rechten Arm, den er seither nur eingeschränkt nutzen kann. Für diese Saison erhielt Kubica bei Williams einen Vertrag als Stammpilot – am Sonntag wird er nach acht Jahren wieder einen GP bestreiten.

Robert Kubica bestreitet zum ersten Mal seit acht Jahren wieder einen GP.

Robert Kubica bestreitet zum ersten Mal seit acht Jahren wieder einen GP.

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