Manchester United: Dumme Querpässe verboten

Die Club-Legende Ole Gunnar Solskjaer hat als Trainer Manchester United wieder auf Vordermann gebracht. Doch wie es im Sommer mit ihm weitergeht, ist noch unklar.

Carsten Meyer
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Bringt ManU den Erfolg zurück: Coach Solskjaer (Mitte) (Bild: Tim Ireland/Keystone (London, 13. Januar 2019))

Bringt ManU den Erfolg zurück: Coach Solskjaer (Mitte) (Bild: Tim Ireland/Keystone (London, 13. Januar 2019))

Es sind schon sehr euphorische Anhänger, die sich da zum Fanclub von Ole Gunnar Solskjaer zusammengeschlossen haben. Sie tragen Trikots von Manchester United, erfreuen sich am offensiven Spielsystem des neuen Trainers, loben seine umgängliche Art und preisen ihn bei jeder sich nur bietenden Gelegenheit. Schliesslich ist der Norweger seit seiner aktiven Zeit einer der ewigen Helden im Old Trafford. Zwischen 1996 und 2007 gewann er mit dem Club sechs Meisterschaften und 1999 in einem denkwürdigen Final gegen Bayern München die Champions League. Solskjaer erzielte in der dritten Minute der Nachspielzeit den 2:1-Siegtreffer. Drei Minuten zuvor hatte ManU noch mit 0:1 zurückgelegen.

Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass Solskjaer eine Menge Anhänger in diesem Verein hat. Etwas überraschend ist nur der Ort der Fanclub-Zusammenkünfte. Man trifft sich alle paar Tage auf dem Rasen eines Premier-League-Stadions. Es handelt sich nämlich um die Mannschaft von Manchester United, die heute um 15.05 Uhr in Leicester antritt.

Als Vorsitzender des exklusiven Zirkels fungiert mit grosser Leidenschaft Paul Pogba. Zugegeben, es hat gar nicht so viel gebraucht, um das Herz des französischen Weltmeisters im Sturm zu erobern. Denn ohne Solskjaer zu nahe treten oder seine fachlichen Qualitäten in Zweifel ziehen zu wollen – einer der herausragendsten Eigenschaften von Ole Gunnar Solskjaer ist: Er ist nicht José Mourinho.

Der Portugiese Mourinho wirkte zweieinhalb Jahre in Manchester. Und bis zum Ende seiner Amtszeit hatte er sich, nun ja, nicht nur Freunde gemacht. Der Fussball war selten spektakulär, sein Auftreten selten gewinnend – und den Weltmeister und 120-Millionen-Einkauf Pogba fand er auch nur so semi-gut. Im Dezember 2018 hatte der Club genug und stellte Mourinho frei. Einige Fans sprachen von Notwehr.

Von Molde nach Manchester

Da der Trainermarkt zu diesem Zeitpunkt recht überschaubar war, suchte man eine Interimslösung bis Sommer. Und fand sie ausgerechnet in einem norwegischen Örtchen namens Molde. Dorthin hatte es Solskjaer als Coach verschlagen, sein Vertrag beim dortigen Erstligisten läuft noch bis 2021 – weshalb man sich auf ein Leihgeschäft einigte. Nach Ablauf der Premier-League-Saison soll der 45-Jährige wieder nach Norwegen zurückkehren.

Doch schon nach neun Einsätzen als ManU-Coach droht der Plan krachend zu scheitern. Solskjaer ist einfach zu erfolgreich. Die ersten acht Pflichtspiele gewann er alle, ehe es am letzten Mittwoch ein 2:2 gegen Burnley gab.

Die Fans auf den Steh- und Sitzplätzen feiern ihn lautstark mit Gesängen – und die Spieler wissen vor lauter Begeisterung gar nicht, was an Solskjaer sie zuerst loben sollen: seinen Umgang mit dem Team? Oder doch lieber seine offensive Taktik? Jesse Lingard sagt: «Er ist fantastisch in den Gesprächen mit den Spielern. Das ist hervorragende Personalführung.» Luke Shaw erklärt: «Wir unterstützen ihn und wollen das Beste für ihn – so wie er das Beste für uns will.» Und Pogba findet: «Wir haben unter dem alten Trainer zwar auch Spiele gewonnen, aber das war eine ganz andere Art von Fussball. Jeder geniesst es wieder hier.»

Seitenhieb auf den Vorgänger

Das ist ganz im Sinne Solskjaers, der erst kürzlich wissen liess: «Angriffsfussball, nach vorne spielen – das ist es, wofür Manchester United steht. Nicht für dumme Quer- und Rückpässe.» Das konnte man ohne viel Interpretationskunst als Seitenhieb auf seinen Vorgänger Mourinho werten. Ole Gunnar Solskjaer hält es eher mit Alex Ferguson, dem Club-Heiligen, der all die Jahre in Manchester sein Trainer war. Mit ihm tauscht er sich regelmässig aus, Fergusons langjähriger Assistent Mike Phelan gehört zum Trainerteam und ist einer seiner wichtigsten Ansprechpartner. Das kommt an bei den Fans. Ebenso wie Solskjaers aufrichtige Liebe zu dem Club. Er sagt: «Ich geniesse die Zeit hier zu Hause.»

In ein paar Monaten soll sie laut Plan eigentlich zu Ende gehen. Aber da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.