Ski alpin
Lindsey Vonns grosse Chance auf Annemarie Moser-Prölls Rekord

Es ist angerichtet für Vonn. Die Voraussetzungen scheinen ideal zu sein, um an diesem Wochenende in Cortina d'Ampezzo den Rekord an Weltcup-Siegen von Annemarie Moser-Pröll zumindest zu egalisieren. Im einzigen Training stellte sie die Bestzeit auf.

Merken
Drucken
Teilen
Lindsey Vonn mit Österreichs Ski-Legende Franz Klammer. Wird sie den Rekord einer anderen österreichischen Legende bald brechen?

Lindsey Vonn mit Österreichs Ski-Legende Franz Klammer. Wird sie den Rekord einer anderen österreichischen Legende bald brechen?

Keystone

Cortina bot immer schon ein günstiges Terrain für Lindsey Vonn. Das Glamour-Girl sagt, sie liebe diesen Ort. Was für sie in Nordamerika Lake Louise sei, wo sie so viele Siege wie nirgendwo sonst eingefahren hat (15), sei für sie in Europa Cortina. In der Dolomiten-Station hat Vonn am 18. Januar 2004 im Alter von erst 19 Jahren unter ihrem Mädchennamen Kildow ihren ersten Weltcup-Podestplatz errungen. Hier hat sie in ihrer Karriere bereits sieben Weltcup-Siege gefeiert; vier im Super-G, drei in der Abfahrt. Und im gestrigen Training konnte sie mit der Bestzeit ein weiteres Mal untermauern, dass ihr die Piste "Olympia delle Tofane" liegt und dass sie sich nach ihrem Comeback in toller Form befindet.

Dabei war Lindsey Vonn mit ihrem Testlauf nicht einmal restlos zufrieden. "Die Fahrt war solid, aber ich kann es in den Rennen bestimmt noch besser", meinte sie. Vonn berichtete, sie sei in den vergangenen Tagen etwas geschwächt gewesen. Im Team der Amerikanerinnen grassierte rund um die geplanten Rennen in Bad Kleinkirchheim (Ö) eine Art Grippe-Virus.

Es kam nicht von ungefähr, dass in der US-Speed-Equipe einige Fahrerinnen kränkelten. Denn die Truppe des Berner Coachs Stefan Abplanalp hatte um den Jahreswechsel ein happiges Pensum zu bewältigen. Abplanalp versammelte seine Mädels Anfang Januar für ein paar Tage in Vail/Beaver Creek, um Zusatz-Trainings für die bevorstehenden Heim-Weltmeisterschaften zu absolvieren. Die intensiven Einheiten sollen bei allen an den Kräften gezehrt haben. Kam hinzu, dass sich die Amerikanerinnen mit einem Trainer-Problem zu beschäftigen hatten, das inzwischen durch eine Anpassung des Staffs gelöst wurde.

Die Familie im Rücken

Lindsey Vonn sagt, dass sie nun nach dem Stress-Programm fast wieder vollständig fit sei. Was also soll verhindern, dass die Modellathletin in diesen Tagen in Cortina mit der legendären Moser-Pröll gleichzieht oder sie sogar übertrumpft? Vielleicht könnte das Wetter einen Strich durch die Rechnung machen. Für das Wochenende sind in Cortina Niederschläge angekündigt. Möglicherweise wird aber auch Frau Holle nicht vermeiden können, dass Lindsey Vonn eine Party steigen lassen kann. Die Blondine hat der Konkurrenz schon mal gedroht, dass sie ohne Respekt und mit Vollgas fahren wolle.

Lindsey Vonn gibt zu, dass ihr der Rekord einiges bedeuten würde. "In den USA werden solche Meilensteine als sehr wichtig angeschaut", erzählt sie. Sollte sie den Rekord tatsächlich knacken, wird sie nicht alleine feiern müssen. Für den Event in Cortina hat sie einige Familienmitglieder eingeladen. Ihre Mutter besucht sie zum ersten Mal anlässlich von Weltcup-Rennen in Europa.

Gemäss aktuellem Renn-Programm bieten sich Vonn in Cortina drei Chancen auf einen Sieg. Im Kalender stehen von heute Freitag bis am Sonntag zwei Abfahrten und ein Super-G. Allerdings ist ungewiss, ob das Pensum wie angedacht abgewickelt werden kann. Vor allem die Abfahrt vom Samstag ist gefährdet, weil mit ergiebigen Schneefällen gerechnet wird.

Rückkehr von Jnglin-Kamer

Die Schweizerinnen waren im Training auf der gut präparierten Piste nicht bei den Schnellsten. Fabienne Suter klassierte sich als Beste ihres Verbands im 8. Rang - direkt hinter der Liechtensteinerin Tina Weirather, die sich durch neue Schuh-Einstellungen einen klaren Aufwärtstrend erhofft. Olympiasiegerin Dominique Gisin wurde nach überstandener Mittelohren-Entzündung Elfte. Lara Gut, die im letzten Jahr in Cortina einen Super-G gewonnen hatte, belegte Platz 21.

Nadja Jnglin-Kamer meldete sich viereinhalb Monate nach ihrem in Argentinien erlittenen Knorpelschaden im Knie im Zirkus zurück. Ihre vorsichtige Fahrt reichte zu Rang 40. Falls sie heute Freitag in der ersten Abfahrt ihr Comeback gibt, hat dieses Rennen für sie eher Testcharakter. Für sie geht es primär darum, sich wieder langsam an das frühere Niveau heranzutasten. Die Chancen, noch auf den WM-Zug aufspringen zu können, erachtet sie als verschwindend klein.

Marianne Abderhalden, die zuletzt ebenfalls von einem Virus heimgesucht worden war, und Denise Feierabend stürzten ebenso wie die hoch gehandelte Italienerin Daniela Merighetti. Nach ersten Informationen hat sich keine der drei ernsthafte Verletzungen zugezogen. Marianne Abderhalden klagte über Schulterschmerzen.